Frankfurter Buchmesse
Bücher, Bücher, Bücher
Bücher, Karten, Zeitungen und Co: Auf der Frankfurter Buchmesse lassen sich viele Varianten des gedruckten Wortes finden. Bild: leda

Reportage. Auch dieses Jahr war es wieder soweit: Vom 16. bis 20. Oktober fand die Frankfurter Buchmesse statt.

Rechte Aussteller*innen bei Buchmesse
Bild: leda

Kommentar. Die Frankfurter Buchmesse lässt erneut rechte Verläge ausstellen und zeigt dadurch, nichts aus den vergangenen Jahren gelernt zu haben.

„Rampokan“: Historisch-psychologische Graphic Novels zur indonesischen Geschichte
Was war los im indonesischen Unabhängigkeitskrieg? „Rampokan“ spielt in Niederländisch-Ostindien Ende der 1940er Jahre. Cover: Avant-Verlag

Wenig weiß man hierzulande über die Nation der 17.000 Inseln zwischen dem Indischen und dem Pazifischen Ozean. Umso wertvoller ist die Gelegenheit, Indonesien als diesjähriges Gastland auf der Frankfurter Buchmesse (siehe Schwer:Punkt auf Seite 8) kennenlernen zu können. Aus diesem Anlass macht der Avant-Verlag auf den bereits 2008/09 erschienenen Comic „Rampokan“ aufmerksam.

Zwei indonesische Autorinnen thematisieren in ihren Werken Schrecken und Schönheit ihrer Landesgeschichte
Traditionelle Rhythmen: Indonesische Tänzerinnen begrüßen das Publikum auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: bk

Mit wohlriechenden Gewürzen, traditionell gekleideten TänzerInnen und dem Schattentheater – einer Kunst, für die das Land berühmt ist – stellte sich die diesjährige Gastnation Indonesien auf der Frankfurter Buchmesse vor. Natürlich stand vor allem die Literatur des Landes im Mittelpunkt, die sich erst seit einigen Jahren mit den bisher verdrängten Kapiteln der indonesischen Geschichte befasst. Dass es dort einiges aufzuarbeiten gibt, verraten die Autorinnen Leila Chudori und Laksmi Pamuntjak. 

In Graphic Diaries zeichnen indonesische Frauen Szenen aus ihrem Leben
Aus dem Leben gegriffen: Die Graphic Diaries von Tita Larasati geben die alltäglichen Gedanken der Zeichnerin wieder. Foto: bk

Kinder, die statt eines nahrhaften Mittagessens lieber gleich den süßen Nachtisch hätten, Eltern, die mit den kleinen Tücken des Alltags zu kämpfen haben – die indonesischen Graphic Diaries sind Comics der besonderen Art. Statt SuperheldInnen und Monster bilden die Zeichnungen kleine Szenen des alltäglichen Lebens ab. Zwei Vertreterinnen des in Indonesien sehr populären Genres stellten ihre Werke am Sonntag auf der Frankfurter Buchmesse vor. 

#BloggerFürFlüchtlinge: Internetprojekt bringt HelferInnen und Geflüchtete zusammen

Am Anfang waren sie zu viert, erzählt Literaturbloggerin Karla Paul. Vier BloggerInnen, denen die Nachrichten über rechte Demos und brennende Geflüchtetenheime so sehr auf den Magen schlugen, dass sie mit dem Projekt #BloggerFürFlüchtlinge ein Zeichen der Willkommenskultur und des Engagements setzen wollten.

Frankfurt 2014: Raja Alem erhält LiBeraturpreis
Freiheit des Schreibens: Die saudi- arabische Schriftstellerin Raja Alem schert sich nicht um Zensur. Foto: bk

An diesem Wochenende öffnete einmal mehr die Frankfurter Buchmesse ihre Pforten und zieht nicht nur hunderttausende BesucherInnen, sondern auch AutorInnen aus der ganzen Welt an, die ihre Werke der Öffentlichkeit präsentieren. Eine von ihnen ist Raja Alem. Der Schrifstellerin, die aus Saudi-Arabien stammt, ist während der Messe für ihren Roman „Das Halsband der Taube“ der LiBeraturpreis verliehen worden.

„Bundesliga raus aus Afghanistan“ – Satireschmöker von Wahlkampfgott Sonneborn
Bundesliga raus aus Afghanistan! Bei PARTEI-Chef Martin Sonneborn prallen Polit-Realität und Absurdistan ohne Eisernen Vorhang aufeinander. Foto: USch

Die „hundert reichsten Deutschen“ wollte er „umnieten lassen“ und wurde dafür vom Stern als „Wahlkampfgott“ in den Himmel gehoben: „Die PARTEI“-Vorsitzender Martin Sonneborn (48). Am Freitag, den 13. September 2013, etablierte der parteipolitische verlängerte Arm des „endgültigen Satiremagazins“ Titanic eine epochemachende neue Demonstra­tionsform: die iDemo, bei der 60 Frauen und Männer aus der Hauptstadt und benachbarten Staaten in grauen Anzügen statt Plakaten an Holzlatten befestigte iPads vor dem Brandenburger Tor durch die Berliner Luft schwenkten. Während einer Livestream-Übertragung gingen minütlich etwa hundert politische Forderungen an Angela Merkel ein, die auf die digitalen Transparente projiziert wurden. Eine Auswahl der insgesamt über 25.000 Forderungen an die Kanzlerin hat der PARTEI-Chef zusammen mit seinem Mitherausgeber Matthias Spaetgens beim Berliner Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf nun im Satire-Band „Bundesliga raus aus Afghanistan“ publiziert, den Martin Sonneborn jüngst auf der Frankfurter Buchmesse vorstellte. Die :bsz war für Euch dabei.

Bücher sind für JournalistInnen in der Regel kein lukratives Geschäft
Andrea Röpke (l.) und Frank Überall (r.) sprachen auf der Frankfurter Buchmesse über den Stellenwert von investigativem Journalismus auf dem Buchmarkt. Fotos: dh

Die Deutschen sind durchschnittliche LeserInnen. Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse bescherte ein Pisa-Test für Erwachsene das wenig überraschende Ergebnis. Doch auf der mit 7.300 Ausstellern aus rund 100 Ländern größten Buch- und Medienmesse der Welt gab man sich zuversichtlich: Zwar werden im medialen Wandel die Karten auf dem Buchmarkt neu gemischt – so der Tenor – doch biete dies auch große Potentiale. Fakt ist: Noch nie war das Publizieren so einfach wie im Zeitalter des E-Books. Aber wem nützt das? Abseits von LiteraturpreisträgerInnen, Comicstars, und Promibiografien fristen z. B. journalistische Publikationen ein relativ unbeachtetes Dasein. Die Sachbuch-AutorInnen Andrea Röpke und Frank Überall haben in Frankfurt erklärt, warum der vierten Gewalt im Staat auch neue Verbreitungswege wenig nützen.

Leoparden im Tempel und Literatur aus Brasilien: Im Oktober ist Frankfurter Buchmesse
Das Cover der deutschen Ausgabe von "Kafkas Leoparden" von Moacyr Scliar. Quelle: Lilienfeld Verlag

„Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer; das wiederholt sich immer wieder; schließlich kann man es vorausberechnen, und es wird ein Teil der Zeremonie.“ (Franz Kafka)
So berühmt wie typisch ist dieser Aphorismus, an dem sich Kafka-Exegeten seit Jahrzehnten abarbeiten: Für manche sind die geheimnisvollen Worte nicht zu dechiffrieren, andere glauben ad hoc des Rätsels Lösung zu kennen. Ob autobiographisch, philosophisch, psychoanalytisch oder zionistisch – den einen oder anderen Interpretationsansatz für Kafkas Werk hat selbst der geneigte Laie parat. Und dann mal gucken, wie es passt. Ähnlich versucht es die Hauptfigur in „Kafkas Leoparden“, einem Kurzroman des brasilianischen Autors Moacyr Scliar. Nur ist der junge bessarabische Jude Benjamin nicht als Liebhaber deutsch-jüdischer Literatur ins Prag des Jahres 1916 gereist, sondern als Revolutionär. Verborgen hinter den kryptischen Zeilen von „Leoparden im Tempel“ vermutet der tollpatschige Trotzkist eine kommunistische Geheimbotschaft – was ihn in kafkaeske Verwirrung führt.