Gans schön grausam

Auch wenn Karneval bereits seit einer Woche vorbei ist, schadet es nicht, noch einmal einen Blick auf das archaisch anmutende Brauchtum zu werfen, das zu Rosenmontag unter anderem in Wattenscheid gepflegt wird. Die Rede ist vom Gänsereiten. In blauem Trachtenhemd reiten die GänsereiterInnen unter einer aufgehängten toten Gans hindurch und müssen versuchen, ihr den Kopf abzureißen. Wem dies gelingt, wird Gänsereiterkönig. Auch wenn es sich, wie gesagt, um ein totes Tier handelt, wirken solche Spiele nicht nur befremdlich, sondern grausam. Dass dies als Bestandteil der Rosenmontagsbelustigung auch noch alljährlich bejubelt wird, ist ebenfalls makaber – umso mehr, da Gänsereitervereine in den Nachbarstädten inzwischen auf Gummiatrappen umgestiegen sind. In Wattenscheid hingegen scheinen die GänsereiterInnen für ihre Spiele eine echte Gans noch für alternativlos zu halten; vielleicht auch, weil es mehr Publikum anlockt.

Ebenso formiert sich seit Jahren Protest gegen den Karnevalsbrauch, doch auch vergangenen Rosenmontag war die Anzahl der TierrechtlerInnen mit fünf bis sechs Dutzend recht überschaubar und fand weder bei den ZuschauerInnen noch in der Lokalpresse große Beachtung. Ob ein breiter angelegter Protest die GänsereiterInnen zu einem Umdenken bewegen könnte, sei dahingestellt.