:boinkürze Umstrittener Preis

Vergangenen Sonntag wurde in Bochum erstmals der Dr. -Otto-Ruer-Preis des Freundeskreises Bochumer Synagoge e. V. verliehen. Der Wettbewerb richtet sich an Schulprojekte in Bochum, Herne und Hattingen, die sich mit dem Judentum befassen; Arbeitsthema der Projekte war „Jüdisches Leben heute“. Der erste Preis ging an eine Realschule aus Hattingen.

Mit dem Namen gedenkt der Freundeskreis des Bochumer Bürgermeisters Otto Ruer, der 1933 von den NationalsozialistInnen aus dem Amt gedrängt wurde und sich noch im gleichen Jahr das Leben nahm. Wie die  „Ruhr Nachrichten“ berichten, sprach die jetzige Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz von einer Ehre, dass der Preis diesen Namen trage. Von Anfang an allerdings setzt sich ein Mitglied des Freundeskreises für eine andere Patronin ein: Gisbert Baranski aus Castrop-Rauxel sagt, Else Hirsch, jene Lehrerin, die in der NS-Zeit Dutzende Kinder rettete (siehe :bsz 985), sei ein viel besseres Vorbild für Kinder als der Ex-Bürgermeister. Dieser hat sich zudem vom Judentum ab- und dem Christentum zugewandt. Außerdem verleiht die jüdische Gemeinde bereits die Dr.-Ruer-Medaille, ein zentraler Platz in Bochum trägt ebenfalls diesen Namen. Damit sei Ruer über-, die vergessene Heldin stark unterrepräsentiert, argumentiert Baranski. Auch aus Geschlechtergleichberechtigungsgründen ist die Wahl nicht nachzuvollziehen. Trotz dieser vielen Argumente haben die Bemühungen bislang nicht gefruchtet.

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