Kolumne

Ich glaube, ich könnte Menschen, die bei einer Sache nicht Recht haben, viel besser verstehen, wenn sie Recht hätten. Ab irgendeinem Punkt kann ich ihnen einfach nicht mehr folgen. Wie blöd von mir. Nur weil die Prämisse falsch ist, heißt das ja nicht, dass alles falsch ist. Denn einst lernte ich doch in Mathe: ex falso quodlibet. „Aus Falschem folgt Beliebiges“. Genial! Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wie die Welt aussehen soll und das schön logisch begründen. Einzige Voraussetzung ist, mit was Falschem anfangen, dann werden meine kühnsten Träume wahr. Und es ist egal, ob hier meine Prämisse stimmt, denn ex falso quodlibet! Achja, Pipi Langstrumpf wäre stolz auf mich. Lustigerweise muss nicht mal ein kausaler Zusammenhang zwischen Prämisse und Konklusion vorliegen. Hmm ob dieses wunderbare Prinzip vielleicht eine Bewegung übernommen hat, die mittlerweile vom Verfassungsschutz beobachtet wird?  

  :luq

Es ist nicht aller Tage an denen man unvermittelt aufwacht und fragend erkennt, dass die unermessliche Güte des Internets heute beschloss, Dir eine Horde wütender Teenager auf den Hals zu hetzen, deren Sprache Du nicht einmal sprichst. Schlimmer noch wenn sie wütend sind … auf deutsch! So geschehen dem NYT-Kolumnisten Farhad Manjoo, der den Alptraum eines jeden Mitglieds der schreibenden Zunft erlebte, als sein Text Teil der Sachtextanalyse des Abiturs wurde. Nicht selten kommt es vor, dass man selbst nicht mehr weiß, welch wundersame Wortkonstruktionen das nächtliche Koffeindelirium hervorbrachte. Aber dafür gibt es dann zum Glück Abiturient:innen im Englisch-Abi, die fluchend das Lektorat übernehmen und die rhetorischen und argumentativen Bestandteile eines Textes, der mit feinster Fachsprache aus der kalifornischen Wohnungspolitik gespickt ist, analysieren. Und der Dank folgt direkt im Anschluß!

:stem  

Gedrängel und Chaos im Supermarkt. Das Verhalten in Zeiten der Pandemie in den Supermärkten lässt zu wünschen übrig. Angefangen bei gekonntem Ignorieren der Desinfektionsspender bis hin zum Navigieren innerhalb der Märkte und dem Verhalten an der Kasse herrscht immer noch Verbesserungsbedarf. Zumal ist die Desinfektion der Hände und Einkaufswagen doch in erster Linie für den eigenen Schutz vorgesehen. Die zehn Sekunden vor jedem Einkauf werden ja wohl noch drin sein. Was aber nur noch auf die Nerven geht, ist das Verhalten in den Märkten selbst. Rücksichtslos werden Einkaufswagen in den Gängen so abgestellt, dass man entweder eng aneinander vorbeigehen oder ständig jemanden bitten muss doch bitte Platz zu machen. Das Gedrängel an den Kassen ist auch nur noch unnötig. Wir sitzen mit der aktuellen Lage doch alle im selben Boot, nehmt doch bitte etwas mehr
Rücksicht auf eure Umgebung.     

:afa

Der Komiker. Einer der Sorte, die gerne mal einen Rape-Witz macht, in ausverkauften Hallen spielt und zig Sendungen auf einem Privatsender hat. Was hat er zu verlieren? Richtig, nichts.

 

Jubiläum! Ein Jahr Corona! In der Zwischenzeit ein paar prominente Fälle von Korruption in der Politik, Rettung von Großkonzernen bei Vernachlässigung der Leute, die wirklich unter der Krise leiden, konstante „Wasser predigen, Wein trinken“-Mentalität von Politiker:innern bezüglich Hygieneauflagen, eine immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich, rassistische und sexistische (Polizei-)gewalt in rauen Mengen, Verschwörungsmythen gespickt mit Antisemitismus und engen Verbindungen zur extremen Rechten werden durch die Straßen posaunt,  oft gewaltsamer anti-asiatischer Rassismus erlebt ein neues Hoch, Einschränkungen der Versammlungsfreiheit, die erstaunlicherweise nur bei linken Demos durchgesetzt werden, ungerechte Bevorzugung reicher Nationen bei der Verteilung des Impfstoffs … Man kann sich kaum für ein Thema entscheiden, was einen am meisten ankotzt. Man wird des Meckerns müde.            

:kjan

Nostalgie! Wisst Ihr noch damals? Kennt Ihr noch die Enterprise? Captain Kirk und Spock? Captain Picard und Commander Riker? Ach, die Abenteuer der Enterprise (und zwischendurch auch Voyager und Raumstation Deep Space 9)! Der utopische Blick auf die Menschheit und die Zukunft, was möglich ist, wenn man zusammenarbeitet und etwas gemeinsam erschafft, von dem alle profitieren. Unendliche Weiten. Und scheinbar Action und Explosionen, Gewalt und Raumschiffkämpfe mit Special-Effect-Gewitter. Und ein neuer Teaser Trailer für Star Trek Picard, die zweite Staffel der Serie, die sich fast selbst überschlug beim erfolgreichen Versuch alles durch den Dreck zu ziehen, wofür Star Trek mal stand. Und was bietet er uns: Die Aussicht darauf, noch einen geliebten Charakter verunstaltet zu sehen. Ich freu mich, wie siehts mit Euch aus?

:kjan

Als gäbe es nicht per se schon genug Aufregung in der Welt. AstraZeneca hat ungeahnte Nebenwirkungen oder auch nicht, oder vielleicht doch, aber wir impfen es weiter. Unklar. Aber nach der Pausierung des Impfstoffs müssen natürlich erstmal Termine abgesagt werden.  Ein Impfzentrum kommt dieser Aufforderung umgehend nach. Mit bestem Wissen und Gewissen haben sie 1.494 Menschen via Mail kontaktiert, um sie über den Ausfall ihres zweiten Termins zu impf-ormieren (hahaha!). Ein nettes Gimmick haben sie eingebaut: jede:r der abgesagten Termine hat nun 1.493 neue Freund:innen. Schööööön alle Kontakte ins cc gesetzt. Wundervoll! Datenschutz? Oopsie! Da war ja was. Hört man was davon? Kaum. Warum? Weil der Eiertanz, um geöffnete oder geschlossene Schulen und Fridays4Future irgendwie mehr Menschen catched. Sollen sie doch meine Mailadresse haben – ich habe ja nichts zu verbergen!!!

    :ken 

Ich weiß, Ihr könnt es nicht mehr hören, ich doch auch nicht! Mir läuft der Schweiß kalt den Rücken runter, wenn ich nur dran denke: Klausurenphase und Hausarbeiten. Schlimmer als jeder Horrorfilm. Und es wird jedes Semester schlimmer! Gut, dass wir im Onlinesemester sind, macht die ganze Sache natürlich nicht leichter. Fachliteratur zu finden ist in diesen Zeiten schier unmöglich und ich habe mich noch nie so sehr danach gesehnt, in der Bib um einen Sitzplatz zu kämpfen. Der meditative Rhythmus der Wackelplatten ist besser als jede Lofi-Playlist. Und egal was man versucht, irgendwie bringt alles nichts. Da möchte man einfach nur aufgeben. Die Klausur ein weiteres Mal schieben, die Hausarbeit absagen und durch den Kurs fallen. Und selbst wenn aus der Überlegung Realität wird: Das ist okay. Wir sind keine Maschinen, man kann nicht alles schaffen. Überarbeitet Euch nicht und passt auf Euch auf.          

 :gust

Wahljahr! Keine Merkel! Kein Kanzlerkandidat! Was die CDU aber hat? Eine scheiß (oder gute) Marketingabteilung, die einen Shitstorm nach dem anderen erntet – zurecht! Erst machen sie sich wiederholt lustig über „Clankriminalität“ und dann beseitigen sie Rechtsextremismus, indem sie es erst auf einem Papier schreiben und beschwören, ehe sie dieses in den Papierkorb schmeißen. Ich bitte um einen Solidaritätsapplaus, denn die CDU hat nun Rassismus
geheilt. Und während wir noch kopfschüttelnd über den Rechtsextremismusheilungsprozessen sitzen, kommt der nächste Fauxpas. Denn nun feiert die CDU die Muttersprache, nur eben à la Google Translate und für Menschen, die Arabisch sprechen und lesen können falsch! Wer auch immer am Hebel der PR-Abteilung sitzt: YOU HAD ONE JOB! Zerstörung der CDU ist erfolgreich gestartet! Wer braucht Reezo, wenn man das intern lösen kann? In diesem Sinne: Ein schönes Wahljahr. 

:bena

Dass „Sapiosexuell“ ein Wort ist, ergibt vollkommen Sinn. Denn wer würde sich dieses Wort ausdenken, außer jemand, der so ein Wort auch als Selbstbeschreibung nutzen würde. Und es klingt viel mehr nach „Ich gehöre aufgrund meiner Sexualität einer Minderheit an“ statt „Ne, wenn du Sartre nicht gelesen hast, geh ich nicht mit dir ins Bett“. Wer sich „Sapiosexuell“ nennt, meint damit eine erotische Hingezogenheit zu Intelligenz. Oder Bildung? Oder akademischem Grad? Muss man den richtigen IQ haben? Oder nur ein schönes Bücherregal? Ganz nebenbei sortiert man damit Menschen nach einem schon immer problematischen Verständnis von Intellekt ein, vereinnahmt die Sprache marginalisierter Gruppen und stilisiert sich selbst in neue non-normative Höhen hinaus. Weil man Menschen bumsen will, die Bücher lesen. Ein Alleinstellungsmerkmal sondergleichen.  

:kjan

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