Gesellschaft
RUB-Studierende setzen in eigenem Blog Komparatistik-Theorie in die Praxis um
Ein Teil der literaturundfeuilleton-Redaktion: (von links nach rechts) Sylvia Kokot, Esra Canpalat, Nadine Hemgesberg, Katja Papiorek, Lina Brünig. Foto: mar

Als ich zum Treffen der Blog-Redaktion in einem Café im Bermudadreieck eintreffe, unterhalten sich die Komparatistik- Studentinnen gerade über Berufsaussichten, über „Stellen, die es nicht gibt“. Meine Frage, ob es denn jemals Stellen für LiteraturwissenschaftlerInnen gegeben habe, löst ein paar Lacher aus, Lacher mit leicht verzweifeltem Unterton. Das typische Lachen der GeisteswissenschaftlerInnen als Reaktion auf die Frage nach ihren Berufsperspektiven.

Else Hirsch rettete im Dritten Reich zig Leben – noch heute ist ihr Name kaum bekannt
Voll in ihrem Element: Die jüdische Lehrerin zeigte, wenn es um ihre Schü­lerinnen und Schüler ging, stets besonderen Einsatz – vor allem in Zeiten höchster Not. Foto: Stadtarchiv Bochum

Sie hat über 70 Kindern das Leben gerettet, selbst im Ghetto noch die Kinder unterrichtet und für die Alten Kräuter gesammelt und ihnen Tee gekocht. Trotzdem kennt sie heute kaum noch jemand: Else Hirsch war von 1927 bis 1942 Lehrerin und Hoffnungsspenderin für die jüdische Gemeinde in Bochum. ZeitzeugInnen lobten ihre Arbeit und ihren Einsatz außerhalb der Schule. Heute erinnern bloß noch ein „Stolperstein“  sowie ein Straßenname an sie. Fast wäre auch ein Preis des Freundeskreises der Bochumer Synagoge nach ihr benannt worden. Unverständlicherweise nur fast.

Vier schwelende Konflikte entfachten im Dezember einen Hamburger Flächenbrand
„St. Pauli bleibt widerborstig“: Fußballfans als Eskalationsvorwand? Bild: flickr/jense1 (CC BY-NC 2)

In der vergangenen Woche sind tausende HamburgerInnen auf die Straße gegangen, um gegen ein am 4. Januar durch die Polizei eingerichtetes „Gefahrengebiet“ zu protestieren. Zunächst in weiten Teilen der Innenstadt (Altona, St. Pauli, Sternschanze), später nur noch im Umfeld „gefährdeter“ Wachen, durften PolizeibeamtInnen präventiv Personenkontrollen durchführen und Platzverweise erteilen. Am Montag hat die Polizei auch die Gefahrengebiete im Bereich der Kommissariate aufgehoben. Ein Anlass zur Einrichtung des Gefahrengebiets war eine eskalierte Großdemonstration am 21. Dezember 2013. Rund 8.000 DemonstrantInnen wollten für den Erhalt des linken Kulturzentrums Rote Flora, das Bleiberecht der Lampedusa-Flüchtlinge und gegen die Hamburger Mietpreisentwicklung demonstrieren. Dabei wurden etwa 700 Menschen verletzt.

Porträt der militanten TierrechtlerInnen von der Animal Liberation Front
Militante Tierliebe: Mit einem Mix aus Martialem und Knuffigkeit wirbt die Tierbefreiungsfront. Foto: ALF

Tierschutzbund, PETA, Pelzboykott, als VegetarierIn oder VeganerIn der „Fleischeslust“ entsagen, Hunde aus spanischen Tierheimen nach Deutschland bringen, Fleischereibetriebe blockieren, die Tierschutzpartei – der Kampf um Tierschutz und Tierrechte hat wie jede Bewegung unterschiedliche Formen und Ausprägungen. Mitte Dezember wurden drei LKWs einer Wurstfabrik in Bochum-Hamme angezündet und mit den Schriftzügen „Fleisch ist Mord“ und „A. L. F.“ versehen. Letzteres steht für Animal Liberation Front. Spätestens seit diesem Brandanschlag ist es (wieder) Zeit, sich mit Motiven und Methoden der Tierbefreiungsfront auseinanderzusetzen.

Verein vermittelt Zeitungsabos und Pakete an Inhaftierte
Justizvollzugsanstalt Bochum: Keine Weihnachtsstimmung in der Krümmede. Foto: joop

Spenden für den guten Zweck gehört zur Weihnachtszeit dazu wie der Tannenbaum, von der Kollekte beim Gottesdienst bis zu den Sammlungen in Fußgängerzonen. Menschen in Haft eine kleine Freude zu machen – ausgerechnet, mögen einige denken – kommt da nicht sofort in den Sinn. Doch ein Zeitungsabo, ein Buch, ein Päckchen zu schenken ist nicht nur praktizierte christliche Nächstenliebe, sondern wertvolle Integrationsarbeit. Die Vermittlung läuft über den Verein „Freiabonnements für Gefangene“, der die Resozialisierung Inhaftierter durch die Versorgung mit Informations- und Bildungsmaterialien unterstützt.

Frauenrechtsorganisation fordert eine Überarbeitung des „Vergewaltigungsparagraphen“
Wird in dieser Form vielleicht bald der Vergangenheit angehören: Die Frauenrechts­organisation TDF fordert eine Überarbeitung des § 177. - Foto: as

Laut der offiziellen Polizeistatistik 2012 werden in Deutschland  jährlich 8031 Fälle nach § 177 (Vergewaltigung und sexuelle Nötigung) angezeigt. Für Terres des Femmes (TDF) ist das nur die Spitze des Eisbergs, weshalb sie den 25. November zum Anlass  nehmen, um auf  ihre Kampagne „Vergewaltigung – Schluss mit der Straflosigkeit!“ aufmerksam zu machen.

Studierende der RUB inspizieren die Scientology-Kirche in Düsseldorf
:bsz in Gefahr: Reporter Marek Firlej wagt sich an ein Elektropsychometer. - Foto: mar

Die Studentin sitzt im „Auditing-Raum“, ihre Hände umklammern zwei metallene Zylinder, die mit dem merkwürdigen Gerät auf dem Tisch verbunden sind. „Denken Sie an Ihren letzten Prüfungsstress“, sagt die Instruktorin. „Sehen Sie, wie es ausschlägt?“, fragt sie und deutet auf die Skala des Gerätes. „Das E-Meter registriert die negativen Veränderungen Ihres geistigen Zustandes.“ Die Enquete-Kommission des deutschen Bundestages bezeichnete das Gerät als „wissenschaftlich wertlos“. Auch bei den anderen anwesenden Studierenden herrschen Zweifel: „Ich hab doch erst überlegt, wann meine letzte Prüfung war“, sagt die Studentin. Doch die Instruktorin, Claudia Uhl, ist überzeugt, dass das Scientology-Gerät funktioniert.

„Freundschaft, das ist wie Heimat“ – doch was, wenn Freunde eine andere Heimat haben?
Statt Karten: Lieber mal FreundInnen besuchen.	- Foto: ks

Es ist voll auf dem Bahnsteig, denn es ist Freitagnachmittag. Feierabendverkehr trifft auf Wochenendpendelei und einige Verreisende. Am Gepäck der Menschen lässt sich ablesen, ob diese eher auf der Durchreise, auf dem Heimweg oder auf wirklich großer Fahrt sind. Und dann sind da noch Abholende. Sie haben kaum Gepäck und stehen auch nicht so nah am Gleis. Ich bin heute ebenfalls eine von denen, die mit dem eigentlichen Bahnhofsgeschehen wenig zu tun haben. Ich warte auf meine beste Freundin Lili, die ich schon seit Monaten nicht mehr gesehen habe. Doch obgleich Fernfreundschaften – anders als ihr berühmt-berüchtigter Verwandter „Fernbeziehung“ – in Medien, Sachbüchern und Psychologie bisher kaum bis gar keine Erwähnung finden, spielen sie heute in fast jedem Leben irgendwann eine Rolle und stellen die Beteiligten trotz aller fortschrittlichen Kommunika­tionsweisen oft vor große Herausforderungen.

Die Prostitutionsdebatte erreicht die RUB
Die Plakate sorgten für Gesprächsstoff an der RUB. Foto: Patrick Henkelmann

Prostitution ist momentan ein heftig umstrittenes Thema in den Medien. Und Alice Schwarzer meldet sich am lautesten zu Wort, wenn es um (Zwangs-)Prostitution geht – doch macht sie das tatsächlich zu einer Expertin? Am 12. November lud das internationale Frauenforum „Migra!“ Mechthild Eickel von der Bochumer Prostituierten-Beratungsstelle Madonna e.V. an die RUB ein, um über „Sexarbeit und Migration“ zu referieren. Auf Alice Schwarzer und deren Kreuzzug gegen die Prostitution ist Eickel nicht gut zu sprechen.

Urban Gardening: Bochumer Verein sucht Freiraum für Gemeinschaftsbeete
Palette + Baum = Minibeet: Beim urbanen Gärtnern ist Kreativität gefragt. Foto: dh

Urbanen Gartenbau gibt‘s schon so lange wie unsere Städte. Früher waren Menschen hier und in anderen Ländern darauf angewiesen – manche sind es noch heute; in Deutschland ist der Zurückgewinn von Naturbezug im städtischen Raum zudem ein unaufhaltsamer Freizeittrend. Kräuter und Gemüse aus Eigenanbau, zwischen Betonburgen gezogen, sind ein in puncto Ökologie und/oder Stadt­entwicklung politisches Statement. Die Gartenarbeit bringt verschiedene Nationalitäten und Generationen zusammen, lässt voneinander lernen und schont den Geldbeutel. Während viele Städte das Potential urbaner Gärten erkannt haben, kämpfen NaturfreundInnen aus Bochum noch um Raum für ihre Ideen.

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