Satire: Bölleralarm in Nordkorea – Pjöngjang hat den Knall nicht gehört
Zapfenstreich für Kim Jong-un

Es war einmal der 6. Januar 2016 und etwas war faul im Staate Nordkorea. Eigentlich war Silvester schon längst vorbei, doch ließ das neue Spielzeug eines kleinen Despoten die Nachbarschaft aufschrecken. Kein Wunder also, dass die Nachbarn Stunk machen und die Erziehungsberechtigten Kim Jong-uns zu Sanktionen mahnen. Doch die stille Treppe scheint noch weit entfernt, wenn Wasserstoffbomben böllern. ­

„Soooooo ein Feuerball, Jong-un!“, ruft dessen imaginärer Freund, alias General, dem strahlenden Mondgesicht zu, das wie Napoleon in Sänfte und Würden auf seinem güldenen Thron sitzt. Gerade noch drückte Kim auf den roten Knopf  –  denn selber werfen ziemt sich nicht als Herrscher von Volkes Gnaden  – da tönt es an der Tür.

Europa, Onkel Sam und Herr Putin schreien und schlagen wütend gegen die Tür des asiatischen Haushalts: „Lass die Scheiße sein! Woher hat dieser Pimpf solche Sachen und was werden wir dagegen machen?!“  Frau Peking ist entsetzt und verurteilt Jong-Uns Verhalten aufs Schärfste, wie sie beteuert, doch sei es schwer als Alleinerziehende dem Teufelsbraten gerecht zu werden.

Katharina Saalfrank

Reden helfe nicht und auch die Streichung des Taschengeldes habe zu keiner Besserung geführt. Er sei sogar schlimmer als sein Vater, der vor kurzem dahingeschieden war; trotz alledem könne es so nicht weitergehen. Unterdessen knallt die Tür, Kim schmeißt mit Legofiguren auf Onkel Sam und zündelt dann am nächsten Knaller, während er schreit: „Bölleralarm! Bölleralarm!“

Die Mutter seufzt, die Nachbarn ächzen und im Fernseher läuft RTL, die Supernanny: „Ich erlebe oft, dass Eltern ihren Kindern nicht zuhören können und dass sie wenig Verständnis für die Situation und Entwicklungsphasen ihrer Kinder haben. […] Eltern haben eine Vorbildfunktion.“

:Alexander Schneider