Sammelband beleuchtet Rolle Kurdistans im syrischen Bürgerkrieg
Worum geht es in Rojava?
Foto: Free Kurdistan (CC BY 2.0)
Ideologisch gewollt: Nicht zufällig beteiligen sich so viele Frauen an der Verteidigung Rojavas. Foto: Free Kurdistan (CC BY 2.0)
Ideologisch gewollt: Nicht zufällig beteiligen sich so viele Frauen an der Verteidigung Rojavas.

Im vergangenen Jahr gewann der kurdische Widerstand gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) weltweit Aufmerksamkeit, insbesondere durch die monatelange Verteidigung der Stadt Kobanê. Der nun erschienene Sammelband „Kampf um Kobanê“ beleuchtet politische und historische Hintergründe zu diesem Konflikt und seinem regionalen Umfeld. Dabei steht neben Rojava und dem IS auch die Türkei im Fokus.

Rojava (Westkurdistan) werden die syrisch-kurdischen Gebiete genannt, die seit Juli 2012 größtenteils von der PYD (Partei der Demokratischen Union) regiert werden. Die PYD orientiert sich an der Ideologie des PKK-Führers Abdullah Öcalan. Dementsprechend wurde in Rojava ein gesellschaftliches System mit sozialistisch-revolutionärem Anspruch aufgebaut, das geprägt ist durch Rätedemokratie, Feminismus sowie die bewusste Partizipation ethnischer und religiöser Minderheiten. Für viele Linke ist Rojava eine Inspiration. Mit Hinblick auf die Türkei ist die Nähe zur PKK häufig ein Stein des Anstoßes.

Die geistigen Grundlagen und die politische Organisation von Rojava sind eines von mehreren Themen, die das vom Politikwissenschaftler und Journalisten Ismail Küpeli herausgegebene Werk aufgreift. Daneben geht es unter anderem um die Geschichte und den ideologischen wie strategischen Wandel der PKK, um die Entstehung und Ideologie des IS und um den neoliberalen Charakter des Erdogan-Regimes in der Türkei.

Regionalkompetenz

Die insgesamt elf Texte in „Kampf um Kobanê“ sind thematisch allesamt interessant und bereichernd. Allerdings ist der inhaltliche Bogen für ein Buch mit nur 168 Seiten doch etwas zu weit gespannt, etwa wenn in einem Beitrag die 2013 in Istanbul stattgefundenen Proteste gegen Erdogan behandelt werden und dabei exemplarisch auch noch die Beteiligung der veganen Tierrechtsbewegung an jenen.

Dennoch wird das erklärte Ziel des Sammelbandes, die Revolution in Rojava im Kontext der regionalen Gesamtsituation darzustellen, erstaunlich gut erreicht. Es werden in kompakter Form viele informative Grundlagen vermittelt, die zu einem wesentlich besseren Erfassen der Lage in Syrien, im Irak und in der Türkei beitragen. „Kampf um Kobanê“ stellt daher eine höchst empfehlenswerte Lektüre für alle dar, denen die Geschehnisse in und um Kurdistan herum nicht gleichgültig sind.

:Gastautor Patrick Henkelmann

 

Cover: edition assemblageIsmail Küpeli (Hg.):

„Kampf um Kobanê. Kampf um die Zukunft des Nahen Ostens“

edition assemblage, September 2015

168 Seiten, 12,80 Euro

 

 

 

 

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