Das neue Deutsche Fußball-Museum in Dortmund im :bsz-Fan-Check
Was erlaube DFB-Museum?
Foto: Die Redaktion
Hier kicken vielleicht die großen Hoffnungen für die WM 2028. Foto: Die Redaktion
Hier kicken vielleicht die großen Hoffnungen für die WM 2028.

Treffen sich ein S04-, BVB- und RWE-Fan und ein Metaller: Das Deutsche Fußballmuseum hat so viel Geld und Aufwand wie ein ganzes Sommermärchen gekostet. Ab sofort hat der neue Hochglanz-DfB-Tempel seine Türen für alle Fans geöffnet. Aber lohnt sich der Besuch?

Die :bsz hat für Euch ein auserlesenes scharz-gelb-blau-und rot-weißes Team hingeschickt. Ob Kommerz, viel Patriotismus oder überteuerte Eintrittspreise – lest in den verschiedenen Fan-Perspektiven inklusive der fuball-asketischen, ob das Museum einen Besuch wert ist.

Für die Masse – nicht für Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs

Fußballmafia DFB

Wagte sich in die verbotene Stadt – :bsz-Schalker Tim Schwermer. Foto: Die Redaktion

Für Schalke-Fans, die seid jeher ein eher gespaltenes Verhältnis zur Nationalmannschaft und zum DfB pflegen, ist ein Fußballmuseum in der für sie verbotenen Stadt nicht einladenden, doch spielt das in dieser Kritik keine Rolle. Der Standort ist eigentlich perfekt: mitten im Revier, wo der Fußball gespielt wird, für den hart arbeitende Menschen ins Stadion gehen. Und dann noch zentral am Hauptbahnhof. 

It's only a model. Fußballtempel in Miniatur. Foto: Die Redaktion

Doch wenn man dann drin ist in der DFB-Wunderlandschaft für schlappe 18 Euro Eintritt begegnet man einer großen Adidas- und Mercedes- Werbeplattform, in dem alles nach Nationalmannschaft schreit. Für Vereinsfußballfans ist der zweite Teil des Museums reserviert. Im ersten Bereich schreit alles nach Nationalmannschaft – und es beginnt natürlich mit dem Wunder von Bern. Viele schöne Exponate (original Lederbälle, Pokale, etc) werden kombiniert mit blanker Omnipräsenz von audio-visueller Medien, die den WM-Titel von 2014 noch einmal emotional aufgreifen. Es fehlt die kritische Distanz zu heikeln Themen (Bundesligaskandal, Fußball in der NS-Zeit), die dem modernen Fußball bekannt sind und interessieren. Die aktuellen Ungereimtheiten rund um das Sommermärchen unterstreichen die generelle Kritikunfähigkeit des Verbandes. 

:Tim Schwermer

 

Das Fußballmuseum schöpft sein Potenzial nicht aus

Mehr von den kleinen Geschichten!

Hatte ein Heimspiel in Dortmund. :bsz-Borussin Birthe Kolb. Foto: Die RedaktionWer dem BVB nahesteht, wird sich fragen, ob es marketingtechnisch wirklich eine so kluge Idee war, das WM-Finaltor von Mario Götze in Dauerschleife auf dem riesigen Bildschirm am Eingang des Fußballmuseums in Dauerschleife abzuspielen. Über jemanden, der vom BVB zu Bayern gewechselt ist, spricht man eben einfach nicht – aber Herr Götze und eben jenes Tor sind im Museum allgegenwärtig, wenn nicht gerade ein Bus, in dem die Nationalelf vielleicht mal zwanzig Minuten gesessen hat, als „Mannschaftsbus“ verkauft wird oder sich die Werbepartner des DFB auf fast einer ganzen Etage lang ausführlich präsentieren. Was hängen bleibt, sind vor allem die dramaturgisch geschickt zusammen geschnittenen Bilder von Bällen, die gefühlte fünf Zentime

Fußball aus der ersten Bundesliga-Saison 1963/64. Foto: Die Redaktion

ter am Torpfosten vorbei rollen, üblen Fouls und Trainern, die sich mit den Schiris anlegen – sprich: all jenem, was jede Woche für Gesprächsstoff sorgt. All das ist natürlich nicht nur in der Bundesliga zu finden – auf alles, was darunter liegt, geht das Fußballmuseum jedoch leider kaum ein. Dabei sind es doch gerade diese kleinen Geschichten, die den Alltag eines Fans ausmachen.

:Birthe Kolb

 

Durch die rot-weiße Brille: Nur die zweite Halbzeit macht Spaß

Dem Fan sein Museum is auffe letzten Etage

RWE-Fan (nicht das Energie-Unternehmen, der Verein) Benjamin Trilling. Foto: Die RedaktionVon allen Seiten spricht Weltmeister-Trainer Joachim Löw die Weisheit aus: „Das Letzte, was unberechenbar ist, ist der Ball.“ Wie sehr passt das doch auf das neue DFB-Museum in Dortmund: kommerzialisiert, reglementiert und stramm patriotisch. Der neue Bau – eine architektonische Mischung aus tiefergelegtem Ufo und aufgeplatztem Fußballschuh – sieht im Eingangsbereich einem Einkaufscenter zum Verwechseln ähnlich. Weiter oben dann schwarz-gelb-roter Freudentaumel: 

Fußball für die Ohren. Foto: Die Redaktion

Patriotische Folklore, die, spätestens wenn Löw wie der Big Brother aus Orwell von allen Seiten die nationalen Glücksmomente der letzten paar Sommermärchen aphoristisch durchdekliniert, mir unbehaglicher ist, als am Gelsenkirchener Hbf in einem Wagen besoffener und grölender Schalke-Fans hängen zu bleiben. Viel Hochglanz, viel Mainstream – das taugt nur für S04- und BVB-Anhänger. Wer all das überstanden hat, wird in der „2. Halbzeit“ belohnt – zumindest wenn man AnhängerIn von Rot-Weiß Essen oder vergleichbaren Kultclubs ist. Denn zumindest ein paar heilige Reliquien und Videoszenen hat das Museum zu bieten, die das Fanherz höher schlagen lassen. Auch wenn dies nur einen kleinen Kern des Museums darstellt. Immerhin. Das ist wohl für die „Sozialromantiker“.  Aber gerade so kann Fußball auch sein – oder aphoristisch formuliert: Mehr als Ball. So unberechenbar wie das Leben.

:Benjamin Trilling

DFB baut sich selbst einen Tempel

Großartig inszenierte Großkotzigkeit

Ist in der :bsz für die Metalltreffer zuständig. Fußball-Unkenner Marek Firlej. Foto: Die RedaktionFußball und ich: Bierseliges WM- und EM-Rudelgucken zu Hause, im KulturCafé oder im Westpark. Was kann das Museum mir als typischem Alle-zwei-Jahre-Fan bieten? Es besinnt sich auf seine vermeintlichen Stärken: Fußball als Großevent, dicke Emotionen, viel Pathos – und schießt übers Ziel hinaus. Für manche ist Fußball eine Religion; hier aber hat sich der DFB einen Tempel gebaut, in dem er sich schamlos auf jedem Quadratmeter selbst preist.Mit Edelmetall kann sogar Marek was anfangen. Dies ist der Jules-Rimet-Pokal, Vorgänger der heutigen WM-Trophäe. Foto: Die Redaktion Zu viel „einzigartige Erfolgsgeschichte“, zu viel „Schlaand“, dafür zu wenig andere tolle Nationalmannschaften. Auch ich habe letzten Sommer gejubelt, aber bei so viel Selbstbeweihräucherung ist einem der Verein glatt unsympathisch. Nicht die Mannschaft, sondern der „gemeinnützige“ Großkonzern DFB. Durchaus ist das Ganze hervorragend und edel inszeniert und man lernt sogar einiges über Fußball – Statistiken, Fakten, Anekdoten – aber bevor ich 17 Euro Eintritt ausgebe, gehe ich lieber zu einem Spiel eines Kreisligavereins umme Ecke und erlebe, was richtige Emotionen sind!

:Marek Firlej

 

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