Operation BeerZone lockt 1.300 SpielerInnen nach Tschechien
Wald, Waffen, Wochenende
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Letzte Instruktionen: kurz vor dem Abstieg ins Gelände eine kurze Versammlung. Foto: ken
Letzte Instruktionen: kurz vor dem Abstieg ins Gelände eine kurze Versammlung.

Eine Ranch nahe der tschechischen Kleinstadt Sokolov (zu deutsch Falkenau an der Eger) wurde vom 18. bis 23. August zum achten Mal Schauplatz der Operation BeerZone, einem der größeren Airsoft-Spiele, die man von Deutschland aus mit dem PKW erreichen kann. :bsz-Redakteurin Kendra und ihr Team haben mitgemischt.

Die BeerZone ist mit über 1.300 Teilnehmenden (darunter auch etwa 30 Frauen) eines der größten Events, für das so mancheR SpielerIn mehrere 100 Kilometer anreist.

Wer jetzt ein Bild von in Tarnkleidung rumrennenden, kriegsaffinen WaffenfanatikerInnen im Kopf hat, liegt nur halb richtig. Ja, die Leute tragen Tarnkleidung und rennen mit Waffen durch einen Wald und schießen aufeinander und die meisten kennen sich mit ihrem Hobby (nämlich den Waffen) gut aus. Aber von Kriegsverherrlichung war nichts zu sehen. 

Feiern und Kämpfen

Tatsächlich erinnert das ganze Ambiente eher an ein Festival: Es gibt einen großen Zeltplatz, eine kleine Bar, ein Grillstand ist auf dem Gelände, sowas wie Merch-Stände, die hauptsächlich Spielmaterial anbieten und sogar eine Bühne, auf der abends eine Band spielt.

Die Stimmung ist ausgelassen, eher familiär – sogar der „Helga!“-Ruf ist abends zu hören. Während die Leute abends ihre Dosenravioli löffeln kommen Gespräche auf. Nur dass diese nicht darum gehen, welche Band heute einen besonders geilen Auftritt hingelegt hat, sondern dass sie sich darum drehen, an welcher Position man heute einen Hinterhalt verhindert hat, welche Fahne vom gegnerischen Team überrannt wurde, mit welcher Finte eine verlorene Position zurückerobert werden konnte oder welche Waffen warum nicht mehr funktioniert hat.

Bis an die Grenzen

Nach den nötigen Vorbereitungen wie zum Beispiel dem Chronen der Waffen (Energiemessung der Waffen (Maximal 3 Joule für Scharfschützengewehre), kleinen Mini-Games am Freitag, gab es am Samstag den Hauptspieltag. Von 9:30 Uhr bis 19 Uhr ging es ins 80 Hektar große Spielfeld. Mit Wald, Grasflächen, Steilhängen und der Eger, die durchs Gelände fließt,ist es möglich, jede favorisierte Spielweise auszuüben und die jeweiligen Lieblingswaffen zu benutzen, da das Gelände zum Beispiel auch weitläufig genug für Scharfschützen ist.

Grundsätzlich sind zwei Fraktionen gegeneinander angetreten.

In einem erbitterten Kampf traten die Bierbrauer und die Bierdiebe gegeneinander um Bierdeckel an, die am Ende des Spieltages in gekühltes Gerstenwasser umgetauscht wurden und bei den Spielenden für Siegestaumel oder Frustsuff sorgten. Erwerben konnte man die Bierdeckel durch das Erobern und Halten der Flaggenpunkte (Hauptmission). Außerdem gab es noch verschiedene Nebenmissionen, die man zum Erlangen der Deckel erledigen konnte. 

Sei es, dass man den Bierschof (Bier-Bischof – ja, er war wirklich als Bischof verkleidet, mit einem Flaschenöffnerszepter) zu einem bestimmten Ort eskortiert, oder dass man dem senilen Bierfischfischenden Bierfischer beim Angeln hilft.

Behindert wurde dieser Wettkampf zum einen von der Störtruppe, die einfach alle SpielerInnen ausgeschaltet hat, denen sie begegnet sind und zum anderen von der Elitegruppe, die man mit erworbenen Bierdeckeln anheuern oder bestechen konnte.

Im Finalspiel ab 18:15 Uhr ging es dann darum, endgültig festzustellen, welche Fraktion die Beer Zone gewonnen hat. Während die Brauer im Sturmangriff versuchten das Hauptquartier der Bierdiebe zu erobern um die dort platzierten Kisten einzunehmen, war es an den Dieben dies zu verhindern.

Am Ende ging nicht nur der Sieg des Finalspiels an die Diebefraktion. Sie konnten mit knapp 400 Bierdeckeln Vorsprung die Operation BeerZone 8 für sich entscheiden.

Lob und Anerkennung

„Meinen größten Respekt an alle Brauer, die jetzt noch dabei sind!“, ruft Kelsoo, Teamleiter der Brauer, durch das Megafon seiner Gruppe zu. „Ihr seid großartig!“. Tatsächlich haben sich viele SpielerInner schon gegen 16 Uhr zurück auf den Zeltplatz begeben. Das Finalspiel sind die Brauer nur mit 130 Leuten angetreten, wie ich hinterher erfuhr. Für einige der jungen Spieler eher eine schwache Leistung, wenn man sich vor Augen führt, dass ein 65-jähriger Spieler aus meiner Gruppe bis zum Ende durchgehalten hat. Auch ich muss mich etwas beweihräuchern, denn ich habe ebenfalls die volle Spielzeit durchgehalten und ich war nicht nur mit meiner G36 (und der Weste an der acht Magazintaschen hängen, ein „dump pouch“ zum Hineinwerfen der leeren Magazine, ein Sack auf dem Rücken, um Getränke zu transportieren, den sieben Magazinen, der Zweitwaffe plus Ersatzmagazine …) im Wald wandern – ich war nützlich!

Ich habe mit meiner Gruppe den höchsten Flaggenpunkt erobert, verloren und zurückerobert. Wir haben die Störtruppe in einen Hinterhalt gelockt nur um 15 Minuten später wild durchs Unterholz polternd vor ihnen zu flüchten.

Abschließend lässt sich festhalten: verdammt coole Nummer! Anfangs ist es etwas eigentümlich, teilweise befremdlich, auf einem Zeltplatz zu sitzen während 1.300 Menschen mit Waffen wedeln und sie umhertragen, wie andere Leute Handtäschchen. Aber die Befürchtung, es könnte sich um kriegerische, gewaltbereite CoD-Nerds handeln, die sich aus der virtuellen Welt wagen um Ego-Shooter-Wissen am lebenden Objekt testen zu können, hat sich nicht bestätigt. Ich habe die Operation BeerZone 8 als eine Veranstaltung erlebt, bei der sich 1.300 Leute mit Strategie und Taktik einem Ziel genähert haben, einem gemeinsamen Hobby nachgegangen sind und einfach drei verdammt geile Tage miteinander erlebt haben!

 

:Kendra Smielowski

 

Lest hier das Interview mit Thomas Martin alias Papa Bear, Gründer des AirsoftVerzeichnis (ASVZ) und Gründer und Organisator der BeerZone.

Interview mit Thomas Martin, in der Airsoftszene besser bekannt als „Papa Bear“. Er ist Gründer des Airsoftverzeichnis (asvz) und von Outdoor-Events e.V., hat die BeerZone ins Leben gerufen und war deren Hauptorganisator bis zu BeerZone 4. Danach hat er die Organisation abgegeben. Der 30-Jährige kommt ursprünglich aus dem Osten, wohnt inzwischen aber im Dreiländereck.  Er hat in den USA mit Paintballspielen angefangen, in Deutschland aber damit aufgehört, weil es ihm zu teuer war und ist so beim Airsoftspielen gelandet. Inzwischen spielten er seit über 10 Jahren.

:bszHi! Du bist also Papa Bear. Schön, dass wir uns treffen in dem ganzen Orga-Chaos hier. Magst Du mir ein bisschen über die BeerZone erzählen?

Papa Bear: Klar! Also das hier ist das achte Event dieser Art. Früher waren wir in Meißen [Anm. d. Red.  kleine Stadt in Sachsen] für die BeerZone 1 – 3, auf einem alten Kasernengelände.

Das wurde dann aber leider abgerissen und wir mussten uns einen neuen Spielort suchen.  Über einen Bekannten, der Paintball spielt, sind wir dann an dieses Gelände gekommen. Generell läuft vieles, was die Spielgelände betrifft, über Vitamin B. Der kennt einen, der einen kennt, der einen kennt und dann hat man – wenn man Glück hat – eine neue Spielfläche.

Was unterscheidet die BeerZone von anderen großen Spielen in der Szene? Was macht dieses Event zu etwas Besonderem?

Also erstmal der Name. Daran lässt sich schon erkennen, dass es hier um nichts Ernstes geht. Wir mögen Airsoft und die meisten von uns mögen auch Bier. Und so ist das entstanden, der Kampf ums Bier (lacht).  Außerdem treten bei uns zwei marginale Fraktionen gegeneinander an und kämpfen um das Bier. Viele Spiele andererseits sind militärisch angehaucht. Da geht es darum, dass ein Heli abgestürzt ist und man die Ladung bergen soll bevor der Gegner das tut. Sowas haben wir hier nicht. Wir haben ein völlig fiktives Szenario, in dem es darum geht, am Ende genug Bierdeckel zu finden, die man am Abend in echtes Bier eintauschen kann, um dann mit seinen Freunden den Tag ausklingen zu lassen. Wir sind also sowas wie das Gegenteil der Borderwar [Anm. d. Red. ebenfalls ein großes Airsoft-Spiel]. Bei uns hat das ganze eher Festival-Charakter.

Ihr bietet hier dreieinhalb Tage Camping und Airsoft an. Die Karten kosten 50 Euro – wofür wird das Geld verwendet?

Wir sind nicht kommerziell ausgelegt. Die BeerZone ist von Spielern für Spieler. Wir machen keinen Gewinn damit. Der Eintritt geht zum einen als Pacht an den Besitzer des Geländes. Zum andern hat ein Bekannter, der Veranstaltungstechniker ist, uns die Musikanlage besorgt. Aber dafür muss man natürlich auch etwas bezahlen. Teilweise auch Spritkosten für die Orgas.

Hier wird so viel angeboten. Es gibt eine Bühne, eine Band, es werden Panzerrundfahrten übers Spielfeld angeboten, das Szenario muss sich überlegt, Nebenmissionen ausgedacht werden. Dieses Jahr gab es erstmals eine Radiostation auf dem Gelände, die live das Spiel kommentiert hat und eingenommen werden konnte und sollte. Wie viel Vorlauf braucht die BeerZone und wie viele Köpfe stecken dahinter?

Insgesamt sind etwa 130 Orgas auf dem Spielfeld sind, die den Spielablauf beobachten und bei Streitfällen schlichten. Ein Problem kann zum Beispiel das Highlandern sein [Anm. d. Red. Das ganze Spiel basiert auf Fairplay. Wenn SpielerInnen getroffen werden, den Treffer aber nicht anerkennen und nicht zum Respawn gehen, ist das Highlandern]. Aktiv an der vorherigen Planung beteiligt sind nur etwa 15 Leute. Die überlegen sich ein Motto unter dem die ganze Veranstaltung stehen soll. Dieses Jahr ist das die Radiostation. Ich bin gespannt wie das ankommt.

Während des Spiels ist extra ein Sani-Fahrzeug unterwegs. Gibt es viele Verletzte? Ist schon mal was Ernstes passiert? Knochenbrüche oder Gehirnerschütterungen?

Ne, zum Glück ist noch nichts Schlimmes passiert. Tatsächlich haben die Sanis das meiste damit zu tun, den Leuten zu sagen, dass sie was trinken müssen. Viele Spieler nehmen nichts oder zu wenig Wasser mit aufs Spielfeld. Denen wird natürlich früher oder später schwindelig. Aber wir haben dieses Jahr für ausreichend Wasser an den einzelnen Flaggen und in den jeweiligen Hauptquartieren gesorgt, um dieses Problem zu vermeiden.

Die überwiegende Anzahl der Anwesenden ist männlich. Aber ich habe auch schon Frauen auf dem Zeltplatz gesehen. Wie groß ist der Anteil der weiblichen Spielerinnen?

(lacht) Gering! Wir haben vielleicht 30 Spielerinnen, würde ich schätzen. Die meisten sind mit ihren Partnern hier und spielen dann mit. Ich kenne nur eine Spielerin, die ihren Partner erst auf einem Spiel kennengelernt hat. So richtig erklären kann ich mir das nicht. Aber wenn ich so drüber nachdenke, glaube ich, dass Jungs einfach faszinierter von Waffen sind. Halt einem 15-Jährigen ’ne Airsoft vor die Nase und der wird begeistert sein. Mädels sind da eher zurückhaltender, glaube ich.

Die meisten Spieler, die man hier sieht, sind älter. Ich hatte damit gerechnet, dass es vor allem junge Menschen sind, die sich für den Sport interessieren.

Die Fluktuation im Airsoft ist hoch. Die meisten Jugendlichen kaufen sich die erste Waffe mit 14. Die hat dann 0,5 Joule. Damit ballern die dann ein bisschen rum, aber die Faszination ist schnell weg. Nur wenige bleiben mit dabei. Außerdem haben wir viele Spieler, die gedient haben.

Wir reden die ganze Zeit von Airsoft. Oft hört man aber auch Softair. Wie ist das denn nun? Airsoft oder Softair?

Irgendwie beides. Viele der erwachsenen Spieler bevorzugen Airsoft. Softair ist unter den Spielern etwas verpönt. Die ersten Waffen sind wie gesagt mit 14 kaufbar. Shops, die eher diese Zielgruppe haben, nennen sich häufig Softair-irgendwas. Nichtsdestotrotz haben auch wir hier auf unserem Marktplatz [Anm. d. Red. Bereich auf dem Zeltplatz in dem die Händler ihre Stände haben] auch den Softairmegastore vertreten, der bei den Spielern sehr beliebt ist. Wenn man so will ist Airsoft (macht Gänsefüßchen in die Luft) richtiger.

Wie siehst Du ganz persönlich den Sport?  Was unterscheidet Airsoft von Paintball?

Generell ist die Diskussion spannend. Paintball ist gesellschaftlich völlig akzeptiert. Wenn Du sagst, dass Du Airsoft spielst wirst Du erst mal böse angeschaut.

Für mich selber ist Airsoft ein taktischer Teamsport. Es geht vorallem um Strategie und Taktik und nicht darum, Krieg nachzuspielen. Paintball habe ich selber in den USA gespielt. Zurück in Deutschland war es mir aber einfach zu teuer. So bin ich zum Airsoft gekommen. 

Da Airsoft im Gelände gespielt wird und sich Tarnkleindung als – wie der Name schon sagt – tarnend herausgestellt hat, trage ich sie eben. Das hat bei mir keinen militärischen Hintergrund, sondern ist einfach funktional. Ich will nicht gesehen werden, also verstecke ich mich. Paintballkleidung erinnert an die Schutzkleidung vor Motorradfahrern und ist im Wald eher ungeeignet.

Abschließend noch etwas Ernstes. Amokläufe sind vor kurzem erst wieder durch die Medien gegangen. Auch die Killerspiel-Debatte ist wieder aufgekommen. Manchmal fällt in diesem Zusammenhang auch Airsoft. Wie steht Ihr dazu?

(sehr ernst) Niemand von uns findet Waffengewalt gut. Wir distanzieren uns ausdrücklich von Amokläufen und Gewaltverherrlichung. Dennoch, bei wahrscheinlich jedem Amokläufer wirst du eine Airsoft-Pistole finden. Ich glaube aber, das ist wie mit den Ballerspielen. Wer das schon vorher im Kopf hat, da wird das wahrscheinlich noch verstärkt.

Auch von rechtem Gedankengut nehmen wir Abstand. Wir haben in den Vorjahren schon Platzverweise erteilt, weil Leute rechte Parolen gerufen haben oder Hitlergrüße gemacht haben. Das ist etwas, dass wir überhaupt nicht abkönnen. Das stellt uns in ein völlig falsches Licht.