Mein Leben als Wohnheimsstudi
Von Mäusen und Boxershorts
Für mich war immer klar: Zum Studium ziehe ich ins Wohnheim. Durch meine älteren Geschwister hatte ich schließlich schon einige kennengelernt. Selber habe ich dann in zweien gewohnt und etliche mehr erlebt. Mein Fazit: Meine Wohnheimszeit war gleichzeitig die schlimmste und beste Zeit meines Studiums. 
 
Zum Einzug erstmal gründlich putzen: Das Mäusenest unterm Kühlschrank muss ebenso weg wie die vor vier Jahren abgelaufene Tiefkühlpizza. Und dann hoffen, dass der Vorratsschrank nicht direkt von hungrigen MitbewohnerInnen (menschlich wie tierisch) geplündert wird. Maden im Müsli? Passiert trotz Putzfrau, die in meinem ersten Wohnheim dreimal die Woche die Gemeinschaftsräume säuberte. Sind die Viecher einmal da, wird man sie eben nur mit Mühe wieder los. 
 
Kollektive Krabbeltierjagd
 
Allerdings stärkt nichts die Gemeinschaft so, wie der gemeinsame Kampf gegen Störenfriede und Widrigkeiten. Und die Jagd nach kleinen Krabbeltierchen kann Spaß machen – sofern alle mitziehen. Bei uns zahlte sich der Fleiß aus und am Ende waren unsere Mitwohnis alle menschlich. 
Viele verschiedene Charaktere bunt zusammengewürfelt – das klappt schon in WGs nicht unbedingt. Nimmt man 16 Studis, eine Küche und je vier Duschen und Klos, dann gibt es unendlich Konfliktpotential. Andererseits ist auch immer jemand da zum Quatschen, Kochen, Helfen, Ausheulen, Feiern und Spaß haben. 
 
Partyhochburg
 
Spontane Glühweinrunden bis in die frühen Morgenstunden, Kerzen- und Decken-Kuschelparty wegen ausgefallener Heizung oder die allwöchentliche Heimbarrunde … Vielleicht war uns manchmal jede Entschuldigung recht, die Nacht nicht im eigenen Zimmerchen zu verbringen – aber Spaß gemacht haben die meisten. Sogar, wenn am nächsten Tag eine Klausur anstand. Die schrieb man dann zwar nicht unbedingt ausgeschlafen, aber mit einem Lächeln auf den Lippen. 
Trotz aller eingefrorenen Heizrohre, nächtlichen Begegnungen der dritten Art – wer ist der fremde Mensch in nichts als Boxershorts? –, Regenwassersammelstellen im Zimmer und allem, was so kreucht und fleucht, kann ich nur jedeN ermutigen, sich mal als Wohnheimsstudi zu versuchen.  
 
:Stefanie Lux 
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