Kommentar: Trumps antimuslimische Äußerungen treiben die Internetgemeinde zu Spekulationen
Voldemort for President?!?
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Nimmt ihre Schöpfung in Schutz: J.K. Rowling verurteilt Trumps antimuslimische Haltung. Screenshot: lux; Quelle: Twitter
Nimmt ihre Schöpfung in Schutz: J.K. Rowling verurteilt Trumps antimuslimische Haltung.

Er-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf ist zurück – wenn es nach im Internet kursierenden Verschwörungstheorien geht. Die Rede ist von Donald Trump, der entweder als Lord Voldemort selbst oder gar Schlimmeres bezeichnet wird.

US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump sorgt schon länger für kontroverse Schlagzeilen. Allein seine Idee, eine große Mauer zwischen den USA und Mexiko zu bauen, wurde vielfach als absurd bezeichnet. Den aktuellen Vergleich mit dem rassistischen Voldemort des Harry Potter-Universums hat er sich mit einem Aufruf eingehandelt, über den sogar andere RepublikanerInnen den Kopf schütteln: Folgende Pressemitteilung wurde am 7. Dezember veröffentlicht, wohl als Reaktion auf eine mutmaßliche Terrorattacke in Kalifornien, bei der 14 Menschen erschossen wurden: „Donald J. Trump fordert den vollständigen und restlosen Einreisestopp von Muslimen in die USA, bis die Vertreter unseres Landes herausfinden können, was vor sich geht.“ Er rechtfertige dies mit dem „großen Hass“, den viele MuslimInnen auf AmerikanerInnen verspüren würden.

Ist das Toupet ein Horkrux?

Diese Äußerung bewegte Harry Potter-Fans dazu, im Internet Kommentare zu posten, wie Twitter-Userin @lindsaysmetanka: „Meine Theorie ist, dass Trump Voldemort ist und wenn die Medien aufhören, seinen Namen zu nennen, wird Harry Potter kommen und ihn zerstören.“ Passend dazu gibt es mittlerweile für Google-Chrome-UserInnen die Erweiterung „Trump2Voldemort“ der Studentin Sarah Xiyi, die Donald Trumps Namen im Browser abändert in „You-Know-Who“, „He-Who-Must-Not-Be-Named“ oder „Tom M. Riddle“. Ich glaube allerdings lieber Albus Dumbledores Ratschlag aus dem ersten Band: „Die Angst vor dem Namen steigert nur die Angst vor der Sache selbst.“

Doch wenn Trump Voldemort wäre, wie erklären sich die Fans, dass er den Endkampf mit Harry überlebte? Gab es am Ende doch ein geheimes Horkrux mehr – und stimmt die Vermutung einiger Fans, dass es Trumps Toupet ist? Ich würde mit der Horkrux-Jagd noch warten, schließlich distanzierte sich J. K. Rowling selber schnell von dieser Theorie: „Wie entsetzlich. Voldemort war nicht einmal annähernd so schlimm“, tweetete sie. Also terrorisiert wohl doch kein Dunkler Lord in Amerika ahnungslose Muggel.

Amerika über alles?

Wenn man die humoristischen Versuche, Donald Trump als aus der Literatur entsprungenen Schwarzmagier zu bezeichnen, mal außen vor lässt, bleibt doch die reale Kritik an der Sache: Das, was der Republikaner da so von sich gibt, ist uns nicht geheuer. Humor wird hier als Bewältigungsmechanismus eingesetzt, als ein Weg, sich die elitäre Unmenschlichkeit solcher und ähnlicher Äußerungen zu erklären. Dass Trump trotz seiner uns manchmal unverständlichen politischen Äußerungen laut Umfrageergebnissen relativ beliebt zu sein scheint, schürt die Besorgnis über die Zukunft der USA, sollte er den Wahlkampf im November 2016 mit seiner Kampagne „Macht Amerika wieder groß“ tatsächlich für sich entscheiden. Schließlich haben gerade wir Deutschen den anderen Politiker noch deutlich vor Augen, mit dem J.K. Rowlings Voldemort gerne verglichen wird und der seinerzeit eine andere der fünf großen Weltreligionen fanatisch verfolgt hat …

:Stefanie Lux

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