Toxikologe wurde von Unileitung massiv gemobbt – Sein Tod wirft viele Fragen auf
Tod mangels Drittmitteln
Quelle: sciblogs.co.nz/infectious-thoughts
„Hole Drittmittel ein oder verende!“ – Zynische Memes über eine traurige Hochschulwirklichkeit. Quelle: sciblogs.co.nz/infectious-thoughts
„Hole Drittmittel ein oder verende!“ – Zynische Memes über eine traurige Hochschulwirklichkeit.

Ein Professor des Londoner Imperial College stirbt mit 51 Jahren. Dies allein ist nicht besonders ungewöhnlich, würde er nicht in seiner letzten Email ein vernichtendes Bild seines Wissenschaftsbetriebs zeichnen.

Prof. Dr. Stefan Grimm war Toxikologe an der Medizinischen Fakultät des Imperial College London. In Journals publizierte er Ergebnisse seiner Forschung und rezensierte Artikel. Zudem schrieb er nach eigenen Angaben am Imperial die meisten Drittmittelanträge. Doch sie waren wohl nicht gut genug, schrieb er verzweifelt. „Einkommen aus Fördermitteln ist alles, was hier zählt, nicht wissenschaftliche Leistung“, urteilte Grimm über seine Hochschule in einer Email. Diese erhielten KollegInnen Ende Oktober, mehrere Wochen nach Grimms Tod, dessen Ursache noch gerichtlich untersucht wird. Klar ist jedoch, dass sich Grimm übermäßig unter Druck gesetzt fühlte.

200.000 Pfund Fördermittel pro Jahr als Minimum

Er stand unter Beobachtung, Disziplinarmaßnahmen nicht ausgeschlossen. Professor Martin Wilkins, Abteilungsleiter für experimentelle Medizin, kam laut Grimm im Mai 2013 in sein Büro und kündigte ihm – dazu noch in Hörweite von Studierenden – die baldige Entlassung an, da Grimms Drittmittel nicht ausreichten. Dies habe Wilkins sofort im Kollegium publik gemacht. Im März 2014 erhielt Grimm das Ultimatum, mindestens 200.000 Pfund an Fördermitteln pro Jahr zu akquirieren, noch dazu aus bestimmten Förderprogrammen. Dies hat das Imperial College bestätigt.

Doch dies sei nie Teil seines Vertrags gewesen, klagte Grimm. Veröffentlichungen, gute Forschungsarbeit, bereits eingeholte Fördermittel hätten nicht gezählt. Es sei eine tolle Situation, Förderanträge um des eigenen Überlebens Willen zu schreiben.

„Dies ist keine Universität mehr, sondern ein Unternehmen, mit wenigen an der Spitze, die profitieren und den Rest auspressen“, fällt Grimms Urteil aus. „Was diese Leute nicht wissen, ist, dass sie Leben zerstören. Meines haben sie sicherlich zerstört.“

Infolge der Diskussion, die Grimms Tod und seine Vorwürfe an britischen Hochschulen ausgelöst haben, will das Imperial College seine Personalpolitik auf den Prüfstand stellen.

:Johannes Opfermann

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