Satire: Unser Semesterbeitrag steht an, doch nicht jedem gefällt das
Theater um die Sozialsteuer
Illustration: alx
Da guckt er doof: Donald „Duckface“ Trump würde der Sozialbeitrag ganz und gar nicht passen, während Angela und Horst sich beömmeln. Illustration: alx
Da guckt er doof: Donald „Duckface“ Trump würde der Sozialbeitrag ganz und gar nicht passen, während Angela und Horst sich beömmeln.

Was wäre, wenn die Reichen und Mächtigen den Sozialbeitrag selbst zahlen müssten? Wie erginge es Donald Trump, Angela Merkel und Horst Seehofer, wenn sie – in einer fernen Dimension – an der RUB studieren müssten?

„Ächz! Elender Sozialbeitrag! Da fragt mich noch einer, warum ich Misanthrop bin! 303,04 Euro!“, schreit Donald vor der Universitätsverwaltung seiner Alma Mater. „Das hier ist eine Pendler-Uni und jeder, der bei Verstand ist, wohnt außerhalb der Schutzzone für Verkehrsimmigranten und fährt seinen Volks-Dodge. Das ist in jedem Fall mehr Freiheit als 182,22 Euro für dieses Nachtexpress-Partyticket zu zahlen! Oder etwa nicht?!“

Angela blickt genervt und aus Liebe zurückhaltend zu ihrem Duckface: „Donald, wie oft habe ich dir gesagt, dass wir nur gemeinsam eine Lösung finden können. Wir müssen als Studierendenschaft zusammenhalten. Wir dürfen uns nicht vom Diktat des Geldes, der Gier, beherrschen lassen. Und bedenk doch mal, dafür ist das Essen in der Mensa günstiger. Du kannst dank des AStA für nur 15,82 Euro so oft mit mir ins Theater gehen und mit dem Fahrrad fahren, wie du möchtest. Das ist doch auch schön!“ Zornig rumnörgelnd und desinteressiert kramt Donald sein goldiges iPhone 6s aus der Tasche, während Angela ihn mit Rehaugen anblickt: „Verdammt, jetzt auch noch das! Das falsche iPhone …“

Doch bevor die Situation eskaliert, hören die beiden ein Rufen: „Hey, Angela!“ Dann etwas leiser und grummelig: „Und Donald!“ Es ist Horst Seehofer. „Wie schön, dich, euch, zu sehen. Wie läuft’s an der BWL-Front, alter Kim-Kardashian-Verschnitt?“ Ein kurzes angespanntes Blitzen geht zwischen Donald und Horst hin und her. Denn Angela trennte sich erst vor 3 Monaten von Horst, der verschweigt, dass er immer noch in Angela verknallt ist. „Super, mir geht’s super, nach meinem Studium könnte ich zwei Jobs haben. Sei froh, wenn du mit deinem Soziologie-Mist überhaupt einen halben bekommst!“

Etwas verdutzt blickt Horst zu Angela und wuschelt sich verwundert durch seine langen Haare: „Oh man, schöne neue Jacke Angela. Aber was ist denn mit Donald los, der ist doch sonst nicht so empfindsam?“ Kurzer Aufschrei von Donald: „Empfindsam?!“ Angela blickt Horst an und verdreht ihre Augen, zwinkert ihm dann zu: „Danke, du siehst aber auch wieder toll aus Horst! Er ‚darf‘ den Sozialbeitrag zahlen.“ Horst versucht sich sein Lachen zu verkneifen: „Haha, ja Donald, diese Tyrannen wollen uns mit ihren Steuern in den Ruin führen, nicht wahr?“

Wütend blickt Donald zu dem Nachsteller seiner Angela und lächelt dann mahnend in Richtung seines Liebesobjekts: „Siehst du?! Hab ich’s dir nicht gesagt? Selbst Horst versteht mich!“ Angela und ihr Ex können nicht anders, als ihre Augen zu verdrehen. „Aber ich muss jetzt auch weg. Angela, gib mir einen Kuss.“

Sie blickt ihn leicht grimmig, provozierend und fragend an: „Wir wollten doch heute Abend ins Theater, nicht?“ Donald blickt lächelnd zu ihr, schaut dann zu Horst und ruft dem lieblosen Kuss – während er zum Parkhaus schlendert: „Das war heute? Ich muss zur Arbeit, Teller waschen. Geh doch mit Horst!“

:Alexander Schneider