Bald kostenloses WLAN in der Bochumer Innenstadt – ein geheimnisumwobenes Projekt
Surfen in der Fußgängerzone
Foto/Darstellung: mb/Google
Schritt für Schritt: Zunächst werden PassantInnen nur im markierten Bereich surfen können (wann genau, ist noch unklar), später soll die WLAN-Zone auch auf das Bermuda3Eck und die Wattenscheider Innenstadt ausgeweitet werden. Foto/Darstellung: mb/Google
Schritt für Schritt: Zunächst werden PassantInnen nur im markierten Bereich surfen können (wann genau, ist noch unklar), später soll die WLAN-Zone auch auf das Bermuda3Eck und die Wattenscheider Innenstadt ausgeweitet werden.

Was in Skandinavien längst Alltag ist, scheint in unseren Gefilden noch ein Wunschtraum zu sein: kostenfreies WLAN, und zwar flächendeckend. Die Stadt Bochum will das nun ändern und die Fußgängerzone mit freiem Internet ausstatten. Über die Rahmenbedingungen wird allerdings noch gepflegt geschwiegen – deswegen fragten wir direkt bei den Verantwortlichen vom Stadtmarketing nach.

Was auf dem Weihnachtsmarkt klappt, sollte auch den Rest des Jahres in der gesamten Innenstadt funktionieren. Das dachten sich auch die Damen und Herren von Bochum Marketing und beschlossen, das freie WLAN vom vergangenen Winter auf dem Dr.-Ruer-Platz auf die Fußgängerzone auszuweiten. Damit soll langfristig das uneingeschränkte Netzwerken auch beim Shoppen und Flanieren in der Bochumer City möglich werden.

Wie funktioniert’s?

Es klingt alles kinderleicht: Wer sich auf der Kortum- oder Huestraße sowie dem Husemann- oder Dr.-Ruer-Platz befindet, wird sich mit mobilen Geräten wie Handy oder Tablet in ein öffentliches WLAN-Netz einwählen können, muss lediglich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen akzeptieren und kann dann direkt mit dem Surfen loslegen – umsonst.

„Das WLAN-Netz ist sicher und leistungsstark“, versichert uns Christian Gerlig, Leiter der Kommunikationsabteilung von Bochum Marketing. Um dies zu gewährleisten, sollen im Abstand von ungefähr 100 Metern Hot Spots aufgebaut werden, die die Stadt von dem Provider SIB Systems aus Solingen least.

Schritt für Schritt: Zunächst werden PassantInnen nur im markierten Bereich surfen können (wann genau, ist noch unklar), später soll die WLAN-Zone auch auf das Bermuda3Eck und die Wattenscheider Innenstadt ausgeweitet werden. Foto/Darstellung: mb/GoogleWer zahlt?

Initiator des Projekts ist Bochum Marketing – eine Gesellschaft, die zu gleichen Teilen von der Stadt  sowie WirtschaftspartnerInnen getragen wird. Sie ist es auch, die eine „Anschubfinanzierung“ leistet, verrät uns Gerlig. Nach der ersten Phase sollen die laufenden Kosten über Werbeeinnahmen gedeckt werden; zu deren Höhe dürfe er jedoch keine Angaben machen.

Die Anzeigen sollen direkt auf der ersten Seite erscheinen, nachdem die NutzerInnen die AGBs akzeptiert haben. So könnten etwa in der Innenstadt angesiedelte EinzelhändlerInnen direkt Kundschaft vor ihrer Ladentür werben. Darüber hinaus plant Bochum Marketing für diese Startseite einen Newsfeed. Eine gute Gelegenheit, um sich selbst bekannter zu machen – aber auch, um den UserInnen nützliche Informationen über das Stadtzentrum zu präsentieren.

Wer haftet?

Verantwortlich für die Sicherheit des Internetzugangs ist der Provider – er muss also dafür sorgen, dass unerlaubte Zugriffe von außen nicht möglich sind. Für Verstöße von UserInnen werde SIB Systems allerdings nicht haften müssen, da die Firma als Betreiberin des Netzwerks fungieren und damit das so genannte Providerprivileg genießen werde, erklärt Christian Gerlig.

Und wie sieht es mit Datenschutz aus? „Es werden keine personenbezogenen Daten abgefragt, daher auch  nicht gespeichert“, so die Antwort Gerligs. In einem WAZ-Artikel vom 9. Juni 2015 heißt es allerdings, Bochum Marketing plane, anonymisierte Metadaten der NutzerInnen zu erheben – etwa, welche Wege sie gehen und wo sie sich überwiegend aufhalten.

Wann geht’s los?

Der offizielle Startschuss für das Projekt ist noch nicht verklungen. Auf Nachfrage, wann die Hotspots denn genau eingerichtet werden sollen, hieß es von Seiten der Stadt: „Wenn das WLAN-Netz ‚Bochum Marketing‘ offiziell freigeschaltet wird, informieren wir die Presse.“ Das heißt dann wohl abwarten und erst einmal zu Hause surfen.

:Melinda Baranyai