Deutsche Studis sind ewig pleite – was ist da wirklich dran?
Studis leben am Existenzminimum?
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Deutsche Studis sind immer pleite: Was ist da wirklich dran?

Studie. Laut Uniplaces verarmen Deutschlands Studierende. Über die Hälfte der Studis lebt unter dem Existenzminimum von 735 Euro monatlich. 24 Prozent der Befragten haben weniger als 400 Euro pro Monat. Die Fixkosten schlucken fast das ganze Budget.

„Fast die Hälfte aller Studierenden lebt am Existenzminimum.“ Das ist das Ergebnis einer Umfrage vom Portal Uniplaces. 1.040 Studierende hat Uniplaces befragt und diese gebeten, ihre finanzielle Situation einzuschätzen. 55 Prozent der Studis müssen monatlich mit weniger als 735 Euro auskommen. 24 Prozent haben sogar weniger als 400 Euro zur Verfügung. Besonders arm seien Studierende in Bremen, Schleswig-Holstein und Thüringen: Über 60 Prozent der Studis dort leben Unterhalb der 

735-Euro-Grenze. Nur 21 Prozent der Befragten haben mehr als 800 Euro.

Uniplaces sieht die monatlich anfallenden Fixkosten als Hauptgrund für die finanzielle Belastung. 93 Prozent der TeilnehmerInnen gaben an, dass sie am häufigsten Geld für Essen und Getränke ausgeben würden. 57 Prozent geben ihr Geld für ihre Wohnung aus. 

Freizeitaktivitäten wie Kino oder Partys blieben dabei häufig auf der Strecke. Nur 30 Prozent der Studis gaben an, dafür am häufigsten Geld auszugeben.

918 Euro durchschnittlich

Das Ergebnis der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks zeigt andere Resultate: Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) befragte mehr als 60.000 Studierende. Im Ergebnis verfügen die Studierenden „über 918 Euro im Monat.“ Die Daten wurden im Sommersemester 2016 erhoben. Allerdings dürften die Angaben nicht „darüber hinwegtäuschen, dass die Studierenden als Gruppe insgesamt diverser und heterogener“ würden, schrieb das DZHW. 

Hilfe bei Pleite

Für Studierende an der RUB gibt es verschiedene Anlaufstellen bei finanziellen Schwierigkeiten. Julia Schmidt von der Sozial- und Studienberatung hilft bei Geldsorgen. 2016 habe sie überwiegend bei Problemen mit dem Bafög beraten, dennoch seien auch Wohngeld und Sozialleistungen Thema gewesen. 

Weitere Anlaufstellen an der RUB sind die Beratungen vom Akafö und die Sozial- und Bafög-Beratung vom AStA. 

Eine weitere Möglichkeit, die häufig nicht beachtet wird: der Semesterbeitrag kann in besonders schlimmen Fällen vom AStA übernommen werden. Rainer Schug, Rechtsberater des Allgemeinen Studierendenausschusses, erklärt: „Im Semester werden etwa 120-150 Fälle übernommen.“ Dabei würde bei der Hälfte der ganze Semesterbeitrag vom AStA übernommen. Bei der anderen Hälfte müssten die Studierenden das Ticket, welches den Großteil des Beitrags ausmacht, nicht selber zahlen. Dennoch sei es schwierig, sagt Schug: „Studierende, die Bafög beziehen, haben sehr schlechte Chancen.“ Gut hingegen sähe es bei Alleinerziehenden oder vielen ausländischen Studierenden wie zum Beispiel aus Syrien aus. „Studierende, die am Ende des Monats im Minus sind, haben ebenfalls gute Chancen auf eine Übernahme“.

Für das kommende Wintersemester 2017/2018 liegt der Semesterbeitrag bei 316,28 Euro. Davon entfallen 189,38 Euro auf das NRW-Ticket, 105 Euro gehen an das Akafö. 21,90 Euro gehen an den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). Rückmeldefrist ist der 31. August. Danach fallen 10 Euro Bearbeitungsgebühr an. Der Antrag zur Semesterbeitragsübernahme kann bis zum 11. September gestellt werden.

:Kendra Smielowski