In der Dokumentation „Brüchige Biografien“ geben VerkäuferInnen der Bodo viel von sich preis
StraßenverkäuferInnen sprechen über ihre Arbeit
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Neue Chancen: (v.l.) Verkäufer Markus, Vertriebsleite Oliver Philipp und VerkäuferChristian im Gespräch. Bild: stem
Neue Chancen: (v.l.) Verkäufer Markus, Vertriebsleite Oliver Philipp und VerkäuferChristian im Gespräch.

Straßenmagazin. Der Film „Brüchige Biografien“ zeigt den Alltag der Menschen, die das Straßenmagazin „bodo“ verkaufen und gibt ein Bild davon, wie Struktur und menschlicher Kontakt Chancen wiederherstellen können.

Oft sieht man sie in den Fußgängerzonen Bochums und Dortmunds stehen, die VerkäuferInnen des Straßenmagazins „bodo“. Sie schlagen sich durch Wind und Wetter. Sie frieren im Winter und schwitzen im Sommer, während sie den PassantInnen mit einem stetigen Lächeln eine „bodo“ anbieten. Hinter den Personen, die dort in den Fußgängerzonen stehen, stecken jedoch meist prekäre Schicksale und eine unsichere Vergangenheit.

Kontakt …

Der Film „Brüchige Biografien“ porträtiert eine Reihe von VerkäuferInnen. Ein einprägsames Schicksal ist zum Beispiel das von Gökkan. Nachdem er mit 13 Jahren sein Elternhaus verließ und zuerst bei Pflegeeltern, später im Heim und bei Freunden unterkam, versuchte er nach seinem Haupt- und Realschulabschluss das Abitur zu machen. Dazu kam es nie, denn er geriet durch einen falschen Freundeskreis mit Heroin in Kontakt und wurde abhängig. Es folgte der soziale Abstieg. Auch eine Inhaftierung blieb nicht aus. Mittlerweile hat er wieder ein Zuhause und widmet sich seiner Leidenschaft, dem Malen. Die mitunter teuren Malutensilien hat er zwei großzügigen Spenden von KundInnen zu verdanken.

Die Hilfe durch und der Kontakt mit Mitmenschen ist der rote Faden, der sich durch den Film und das Gespräch mit den Verkäufern Markus und Christian hindurch zieht. Denn die VerkäuferInnen unterhalten sich mit KundInnen, machen Witze und besprechen ihren Alltag. Obwohl der Großteil der Begegnungen positiv ausfallen, gibt es jedoch auch einige negative Erfahrungen. Verkäufer Markus, der die Straßenzeitung meist in der Bochumer Innenstadt verkauft, spricht von Ignoranz und gelegentlichen Pöbeleien, die verletzend sind.

… und Übergang

Der bodo e. V., so betonen die VerkäuferInnen, gibt ihnen die Möglichkeit, eine Beschäftigung auszuführen und dient als Anlaufstelle für Probleme mit Behörden, als Hilfe bei der Jobsuche oder Ähnlichem. Für viele stellt es nur einen Schritt zu einem besseren Leben dar, denn alleine von den Einkünften aus dem Verkauf kann man nicht leben. „Ich finde sehr gut, dass bodo den Leuten einen Start ermöglicht, eine Beschäftigung, eine Struktur gibt. Allerdings ist klar, aus meiner Sicht, dass du da als Verkäufer nicht großartig Geld verdienst. Ich bin eben auch auf Jobsuche und es ist immer sehr schwer, etwas zu kriegen.“ 

Manche der VerkäuferInnen bleiben dem Magazin viele Jahre bestehen. So sagt Vertriebsleiter Oliver Philipp: „Wir haben immer viel Fluktuation, keine Frage. Es gibt aber immer auch Verkäufer, die bleiben relativ lange bei uns.“

Gökkan zeigt seine Bilder, angelehnt an die weiße Wand seiner Wohnung, stolz der Kamera. Eine Reihe von psychedelisch bunten Farbspielen, die unter anderem seine Traumwelten abbilden, aber auch ein mit dicker Farbe aufgetragenes, weißes Kreuz auf schwarzem Hintergrund, das förmlich aus der Leinwand herausquillt. Für die Zukunft möchte er mit seinem Maltalent ein Tattoostudio aufmachen, um Fuß zu fassen und eine Galerie mit seinen Bildern eröffnen.

Der 80-minütige Film ist in den Anlaufstellen und im Buchladen des Vereins erhältlich und kostet 2,50 Euro.

:Stefan Moll

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