Zwei neue deutsche Serien
So ähnlich und doch so anders: Deutsche Serien in der Kritik
Bild: ZDF/Jakub Bejnarowicz
Erschreckende Szene: Ein verunstalteter Leichnam wird gefunden, doch was hat das mit einem Parfüm zu tun? Bild: ZDF/Jakub Bejnarowicz
Erschreckende Szene: Ein verunstalteter Leichnam wird gefunden, doch was hat das mit einem Parfüm zu tun?

Kritik. Zwei völlig verschiedene Serien kommen auf den Markt. Keine revolutionswürdig, keine neu und doch sind beide interessant. Die eine hat eine gute Dramaturgie, die andere bildgewaltige Szenen. „Parfum“ und „Beat“ im Überblick.

Das deutsche Serienjahr geht weiter: Nach den erfolgreichen Serien „Dark“ und „Babylon Berlin“ kommen nun zwei neue Serien heraus: „Parfum“ und „Beat“. Anscheinend müssen alle deutschen Serien eins gemeinsam haben: die Polizei. In „Parfum“ muss diese den Mord an eine Frau aufdecken und in „Beat“ wirbt der europäische Geheimdienst einen Promoter ab. Damit enden auch schon die Gemeinsamkeiten

Typisches Krimi-Schema?

Die vom ZDF produzierte Serie nach der Romanvorlage „Das Parfüm“ von Patrick Süskind hat zum einen das krimibegeisterte Publikum vor Augen, zum anderen die jungen Erwachsenen, die den Roman aus der Schulzeit kennen und deswegen die Serie in der ZDF Mediathek anfangen. Die Szenen sind sehr ruhig, die Handlung baut sich nur langsam auf. Aber von Folge zu Folge nimmt die Spannung zu. Damit ähnelt die Serie sehr „Dark“ und bleibt doch realitätsnah. Die offenen Fragen werden nach und nach geklärt: Wer war die Tote K? Warum hat man sie so verstümmelt? Was hat ihre Freundesclique damit zu tun? Die emotionslose Profilerin Nadja Simon (Friederike Becht) geht den Geheimnissen auf die Spur und verbirgt selbst ihr Inneres. So bildet sie einen Kontrast zu der älter gewordenen Clique, die laut, wild, sexistisch und doch gealtert ist. Hier versteckt sich auch die Gemeinsamkeit mit dem Roman, denn die Gruppe war schon in der Vergangenheit perfide hinter dem Geruch her. Der Duft bildet den Grund für die Serie, setzt die Rahmenhandlung, leitet die Folgen ein und bleibt für den Zuschauenden unerreichbar. Er kann nichts riechen, er kann nichts spüren und bleibt deshalb außen vor. Mit dem detailreichen Roman hat das nichts mehr zu tun und auch eigene Wege geht die Serie nicht wirklich. Durch die dramaturgische Spannung geht sie zwar weg von dem typischen Krimi-Schema, bleibt aber in der
Story verhaftet.

Einfach nur irre?

Nach dem Flop der ersten deutschen Amazon-Serie „You Are Wanted“ will der Streamingdienst etwas anderes ausprobieren. Gleich in den ersten Minuten werden wir in eine Welt aus Tanzen, Drogen, freier Liebe, Freiheit und Beat entführt. Dazu die Stimme von „Beat“ (Jannis Niewöhner), einem jungen Berliner Clubpromoter, einem verlassenen Menschen, einem Idealisten: „Du lebst den Moment, nichts anderes. Das ist Techno. Das bin ich.“ Im Moment zu leben, ist bald nicht mehr möglich. Was bedeutet Recht, Loyalität, Moral? Diese Frage wird er sich stellen, nachdem er von der Beamtin des europäischen Geheimdienstes Emilia (Karoline Herfurth) kontaktiert wurde und den neuen Geschäftspartner des Clubs beobachten soll. Doch zum Glück dreht sich nicht die ganze Serie um die Ermittlungen, sondern auch um die Partyszene und schließlich um illegale Organspende. Wie das zusammenhängt, erfährt man erst gegen Ende. Grandios sind die schauspielerische Leistung von Jannis Niewöhner und Kostja Ullmann. Unvergesslich die Szenen, in denen man nur Jaspers (Kostja Ullmann) halb verunstaltetes Gesicht sieht und er Kinderlieder wie „Lieber Gott, laß‘ die Sonne wieder scheinen“ in die Kamera blickend singt. Man versteht nicht, wer er ist und ob er ein Ziel hat oder einfach nur irre ist.

:Maike Grabow
 

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