Ausstellung im Dortmunder U: „Jetzt helfe ich mir selbst“
Ratgeber: YouTube
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Expertise oder Murks Die geballte Ladung Videotutorials im Dortmunder U. - Foto: tims
Expertise oder Murks Die geballte Ladung Videotutorials im Dortmunder U.

Der Einfluss des Online-Portals YouTube hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Was zu Beginn als Sprungbrett für talentierte Bands und FilmemacherInnen diente, ist inzwischen zur Do-It-Yourself-Plattform für alle geworden. Wer Fragen hat, googelt nach den Antworten oder schaut sich Tutorials an. Nach einer Idee von Dr. Inke Arns werden die 100 besten Video-Tutorials werden im Rahmen der Ausstellung „Jetzt helfe ich mir selbst“ vom Hartware MedienKunstVerein (HMKV) im Dortmunder U ausgestellt.

In Zeiten vor dem Internet nutzten wir Ratgeber in Form von Büchern oder fragten die allwissenden Großeltern, wenn wir mal keine Antwort auf eine Frage wussten. AutofreundInnen lasen die Buchreihe „Jetzt helfe ich mir selbst“, die eine der erfolgreichsten Ratgeber-Reihen des 20. Jahrhunderts in Deutschland wurde. In Anlehnung an diese Reihe hatte die Kuratorin Dr. Inke Arns vom HMKV die Idee, die besten und lustigsten 100 Video-Tutorials aus dem Netz in einer Ausstellung zu präsentieren.

Google – der Brockhaus des 21. Jahrhunderts

Wer wurde nicht schon einmal dabei erwischt, wenn er etwas nicht wusste und einfach im Internet googelten, um die Antwort auf die Frage zu finden. Wie funktionierte noch einmal der „Windsor-Krawatten-Knoten“, den ich jetzt dummerweise für die heutige Hochzeit brauche? Verdammt, wie wechselt man einen Rennradmantel? Oder wie lassen sich Haare glätten, ohne diese dabei zu verlieren? Google liefert die Antworten und hat mit YouTube das passende Video-Portal, auf dem private NutzerInnen, die Spaß oder Langeweile haben, talentiert sind oder unter Aufmerksamkeitsdefizit leiden, selbstgedrehte Videos hochladen, die sehr nützlich bis mitunter völlig bescheuert sein können.

Plug in, Baby!

Die Ausstellung ist so konzipiert, dass BesucherInnen zu Beginn Kopfhörer bekommen, die sie dann an den gewünschten Endgeräten anschließen können, damit zum passenden Bild auch der entsprechende Ton kommt. Der Raum ist voller Flatscreens, alten Röhren, Tablets, Beamern, die eingeschaltet sind und die 100 lustigsten Tutorials zeigen. Aufgestellt auf Europaletten und zum Glück nummeriert, wird das Publikum von der Bilderflut etwas erschlagen, gewöhnt sich aber ans Deluxe-Fernsehgucken und hat schnell Spaß dabei. So zeigt eine Nasa-Austronautin gekonnt, wie sie im All die Haare wäscht, damit wir das bei unserer nächsten Apollo Mission auch machen können. Auf dem Bildschirm daneben erklärt ein amerikanischer Vater seinen beiden Kindern, wie sie sicher mit halbautomatischen Waffen umgehen, damit sie im Ernstfall gerüstet sind. Am Ende des Raumes zeigt ein Mann auf der Leinwand, wie er unbemerkt in aller Öffentlichkeit urinieren kann – für männliche Besucher ein nicht ganz unwichtiger Tipp.

Vom unnützen Wissen bis zum nützlichen Tipp

Die Ausstellung liefert fast alles, was angeblich im Alltag benötigt wird oder eben nicht. So wird gezeigt, wie man das perfekte Selfie produziert oder wie man am besten Air Guitar spielen kann. Sie zeigt aber auch, dass schon vor YouTube der Bedarf bestand, Dinge erklärt zu bekommen. Wissbegierig waren die Menschen schon vorher, nur bekamen sie nicht so schnell die Antwort, wie das heute der Fall ist. Wer sich ein eigenes Bild von der Ausstellung verschaffen will, kann das noch bis zum 31. August im Dortmunder U tun und wird bei freiem Eintritt ordentlich unterhalten.