Das Akronymicon – :bsz knackt den Gremiencode VI: AStA-Listen – Die hochschulpolitischen Listen der RUB – Teil 1: AStA-tragende Listen
Parteiendemokratie im Campusformat
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David Semenowicz von der Liste ReWi: „Am meisten Spaß macht mir der Diskurs mit den anderen Listen. Wenn man sich dann einig wird, kann man richtig was bewirken.“ Foto:  mar
David Semenowicz von der Liste ReWi: „Am meisten Spaß macht mir der Diskurs mit den anderen Listen. Wenn man sich dann einig wird, kann man richtig was bewirken.“

Aufmerksamen LeserInnen unserer Gremien-Reihe dürfte die Vorstellung des Studierendenparlaments (StuPa) in der vergangenen Ausgabe noch im Gedächtnis sein – und wo ein Parlament ist, dürfen Parteien nicht fehlen. Diese Ausgabe unserer Gremien-Reihe ist den sogenannten hochschulpolitischen Listen im AStA gewidmet.

Zwölf dieser Listen traten bei der letzten StuPa-Wahl an und warben um Eure Stimmen für den Einzug ins Parlament – und damit indirekt  in den AStA. Der AStA-Vorstand wiederum stellt seine ReferentInnen ein, natürlich vorzugsweise aus den eigenen Reihen. Damit ist das Engagement in einer AStA-Liste (derzeit fünf an der Zahl) oft mit der Teilnahme an StuPa- und AStA-Sitzungen verbunden. (Was man in einer Oppositionsliste macht, stellen wir in der :bsz 1022 vor.)

Bundesweit und auf dem Campus: Jusos und Piraten

Wer sich bei Begriffen wie Opposition oder Koalitionsverhandlungen nun das hochschulpolitische Tagesgeschäft wie einen Bundestag im Kleinformat vorstellt, liegt im Kern richtig. Deshalb gibt es beispielsweise mit der Juso-Hochschulgruppe einen Ableger der SPD-Jugendorganisation; die RUB-Piraten gaben vor wenigen Tagen ihren Ausstieg aus der bestehenden Koalition bekannt (siehe Kommentar auf Seite 6).

Die Zusammenarbeit verläuft also nicht immer konfliktfrei. Dennoch meint David Semenowicz von der Liste ReWi: „Am meisten Spaß macht mir der Diskurs mit den anderen Listen. Wenn man sich dann einig wird, kann man richtig was bewirken.“

Die Parteinähe hat vor allem im Wahlkampf Vorteile, da die großen Parteien die Listen unter anderem finanziell unterstützen. Wer keine Mutterorganisation hat, muss die Kosten für Plakate und Werbegeschenke aus eigener Tasche zahlen – oder kreative Wege finden: „Wir finanzieren uns hauptsächlich mit dem Currywurststand auf dem Campusfest“, gewährt AStA-Vorsitzender Martin Wilken Einblick in die NAWI-Kasse.

NAWI, ReWi, GEWI – die Listen der Fachrichtungen

Andere Listen verstehen sich eher als VertreterInnen bestimmter Studierendengruppen. So ging beispielsweise die NAWI als „Liste der Naturwissenschaftler und Ingenieure“ an den Start. Mittlerweile sind Studierende verschiedenster Fakultäten Mitglieder.

Was NaturwissenschaftlerInnen können, kann man in den G-Gebäuden schon lange – und so gibt es auch die GEWI für alle gelben Gebäude und die speziell Jura-orientierte ReWi. David ist sowohl im Jura-FSR als auch bei der ReWi aktiv. „Große Projekte lassen sich als AStA-Referent besser verwirklichen als auf Fakultätsebene“, sagt er. Die fünfte Gruppe im Bunde ist die Internationale Liste (IL), die sich in der Campuskultur stark macht. Bis 2012 war die IL Teil der Grünen Hochschulgruppe (GHG), die inzwischen der Opposition angehört. Mehr dazu in der nächsten Ausgabe.

Nicht nur die Jagd auf Stimmen vor der Wahl gehört zum Listen-Engagement, sondern auch die Suche nach neuen Mitgliedern. David etwa kannte die GründerInnen der ReWi aus dem FSR Jura, die NAWI veranstaltet regelmäßig Kennenlernabende. In einer Liste hat man also viel mehr zu tun als „nur“ Politik: organisieren, verwalten, Werbung machen – und dabei viele Leute kennenlernen und richtig was bewirken.

:Birthe Kolb & Marek Firlej

In der Reihe „Das Akronymicon“ deckt die :bsz gnadenlos auf, welche Gremien sich hinter obskuren Abkürzungen verbergen, wie viel Macht sie besitzen und was sie vorhaben. In den nächsten Ausgaben entschlüsseln wir …

:bsz 1022 – Oppositionslisten

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