Bissige Generationskomödie: „Wir sind die Neuen“
Opa, erzähl mir vom stressfreien Studieren

Alle paar Jahre gibt es sie doch noch: Diese leichten, unbeschwerlichen und gleichzeitig nachdenklichen Komödien, die im Idealfall an die Werke der Altmeister Ernst Lubitsch oder Billy Wilder erinnern. Wolfgang Beckers „Good Bye, Lenin!“ oder Andreas Dresens „Sommer vorm Balkon“ sind solche Beispiele. Auch Ralf Westhoff („Der letzte schöne Herbsttag“) präsentiert mit „Wir sind die Neuen“ einen solchen Streifen: Heiter und lebensfroh, mit poetischem Verve und augenzwinkernder Sozialkritik des Studierens in Zeiten des Neoliberalismus.

Die ehemaligen MitbewohnerInnen Anne (Gisela Schneeberger), Johannes (Michael Wittenborn) und Eddi (Heiner Lauterbach) können sich die Großstadtmieten nicht mehr leisten. Die drei Alten beschließen, wieder eine WG zu gründen, gemeinsam am Küchentisch über Gott und die Welt zu plaudern, Flaschen Wein zu leeren und Jimis Gitarrenriffs ganz laut aufzudrehen – wie in den guten alten, wilden Zeiten eben. Doch für die nachbarschaftliche Studi-WG zählt nur Eines: Für B.A. und Examen zu büffeln. „Wir haben keine Kapazitäten. Wir sind nur Nachbarn“, weisen die lernmüden Jungen die lebensfrohen Alten ab. Der Konflikt zwischen der Alt-68er-Front und den biederen Regelstudienzeit-Gesellen ist da vorprogrammiert.

„Es tat sich ein Riss auf im Raum-Zeit-Kontinuum“, bemerkt Anne philosophisch in ihrem Tagebuch. Was war, ist nicht mehr so, und was ist, war nicht immer so: Dieser Gemeinplatz eröffnet sich für die beiden WGs, als sie aufeinandertreffen: „Keine leeren Bierflaschen, keine Schafsäcke auf dem Flur – die müssen eine Putzfrau haben.“ Die Alten können den Lernstresskosmos der strammen B.A.-Studis nicht fassen. Amüsanter Generationskonflikt, Mietwahnsinn und die neoliberale Ideologie an den Unis – wenn der Kapitalismus nicht zum Leben einlädt, so doch Westhoffs kurzweilige Kömodie zum Lachen und Nachdenken. Nur die Gegenwartsstudis wirken zuweilen ein wenig überzeichnet. Fragt sich, wie lange noch.