Comedy im Hörsaal und Slammen im KuCaf
Never change a winning concept
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Reine Männerrunde bei der 1LIVE-Hörsaal-Comedy: Luke Mockridge, Uli Grewe, Maxi Gstettenbauer, Quichotte und Christian Schiffer (von links nach rechts). Foto: USch
Reine Männerrunde bei der 1LIVE-Hörsaal-Comedy: Luke Mockridge, Uli Grewe, Maxi Gstettenbauer, Quichotte und Christian Schiffer (von links nach rechts).

Nachdem am Sonntag erstmals in der dreijährigen Geschichte der 1LIVE-Hörsaalcomedy der RUB-Campus zum Veranstaltungsort der prominenten Entertainment-Reihe wurde, haben Wortkunst-Fans am kommenden Dienstag gleich die nächste Chance, einen kurzweiligen und witzigen Abend zu erleben: Zum vierten Mal lädt das AStA-Kulturreferat am Dienstag ab 19.30 Uhr zum Poetry-Slam mit Sebastian23 ins KulturCafé ein.

Es war ein rauschhafter Abend: Im mit 516 zahlenden Gästen vollbesetzten HZO 20, das auch als Kinohörsaal des Studienkreises Film (SKF) genutzt wird, sorgte Luke Mockridge als aufgekratzter „Sunnyboy der deutschen Comedy“ und Moderator der dreistündigen Veranstaltung von Anfang an für entspannte Atmosphäre – auch wenn eingefleischten RUB-Studierenden einiges abverlangt wurde:  „Alta, wat is dat denn für‘n Laden“, schallte es gleich zu Beginn durch die Beton-Arena, „dat hat ´n bisschen wat von Führerbunker...“ Gleich bei der Begrüßung wurde die Felldicke der mitleidig als „arme Schweine“ titulierten „Aquademiker“ getestet: „Verehrte Magisters, Bachelors, Masters – oder wie auch immer Ihr Euch später beim Arbeitsamt vorstellen wollt...“ Aber auch ein Berufskolleg-Schüler kam nicht besser weg, dessen Bildungsstätte als „Hartz4er-Brutkasten“ abqualifiziert wurde.

Grenzwertiger Spaß

Das Liebäugeln mit der Grenze zum Zynismus schien zuweilen das Leitmotiv des Abends zu sein. So plauderte Nachwuchs-Comedian Christian Schiffer als Imitator des RTL2-Doku-Millionärs Robert Geiss aus dem Nähkästchen, er habe sich einen Indianerstamm gekauft und schaue diesem nun mit ´ner Tüte Chips in der Hand beim Aussterben zu. Wortwitziger kommt die Grauzonen-Comedy dagegen beim Poetry-Slammer Quichotte daher, der – passend zum Hörsaalgrau – aus den „Memoiren Jonny Betons“ vorträgt. Wer allerdings hinter dem Erwürgen eines Braunbären zur Auflockerung eines Zoobesuchs antifaschistische politische Tiefenschärfe wittert, ist sicherlich schief gewickelt.
Insgesamt ist dem für zweifellos nicht Hartz-4-kompatible 19 Euro Eintritt zu goutierenden Comedy-Abend handwerklich solides Entertainment nicht abzusprechen – ein Garant dafür ist nicht zuletzt die geniale Musik-Comedy eines Uli Grewe, der als multimediale Vangelis-, Tom-Cruise- und Phil-Collins-Imitationsinstallation brillierte. Auch Maxi – alias Maximilian Roland Alfons – Gstettenbauer überzeugte mit einer runden Performance und setzte auch (medien-)kritische Akzente, als er sich über narzistische Menschen amüsierte, die ihren eigenen Facebook-Status „liken“. Eine seiner Pointen könnte jedoch zugleich als symptomatisch für den gehypten 1LIVE-Hörsaalcomedy-Abend gelten: „Stell Dir vor, Du guckst Titanic und Leonardo di Caprio verpasst das Schiff...“   

Campus-Slam alternativlos!

Verpassen sollte man jedoch auf keinen Fall den nächsten Campus-Slam im KulturCafé, denn sofern die Location nicht in finsterer Zukunft im Rahmen der geplanten Campus-Kahlschlagsanierung von einem Abrissbagger planiert wird, könnte dort eines Tages die Statue eines berühmten Bochumer Poetry-Slammers stehen – oder zumindest eine kleine Büste auf dem Tresen; in jedem Fall müsste sie eine Mütze tragen, denn er trägt auch stets eine: Sebastian23. Seine charismatische Präsenz auf den Campus-Bühnenplanken jedenfalls führt mindestens zweimal im Jahr zu dreistelligen BesucherInnenzahlen und lässt nicht nur eingefleischte SlammerInnen-Herzen eine Oktave höher schlagen.

Vielseitiger Slam-Literat

Der chronisch mützentragende Gewinner des renommierten Kabarett-Preises „Prix Pantheon“ ist nicht nur ein virtuoser Slammer und Moderator, sondern auch literarisch und cineastisch unterwegs: Zwischen seiner ersten CD-Veröffentlichung „Gefühlsmoped“ (2007) sowie der CD-Publikation seines aktuellen Programms „Dem Schicksal ein Schnittchen schmieren“ (2013) liegen auch drei Buchveröffentlichungen sowie sein Kinofilm-Debüt mit „Dichter und Kämpfer“ (2012). In der Ruhr-Metropole hinterließ Sebastian23 regelmäßig kolumnistische Spuren im Filmmagazin „Trailer“ und hat zudem einen prominenten Beitrag zu der im November erschienenen Treibgut-Anthologie „Pandoras Büchsenöffner“ beigesteuert. Zur Präsentation der im Europäischen Universitätsverlag publizierten Textsammlung der Campus-Literaturgruppe begeisterte der vielseitige Slam-Poet zuletzt als Moderator im KulturCafé.    

Vorverkauf und Anmeldung

Beim letzten Campus-Slam an der Ruhr-Uni drängelten sich etwa 450 Slam-Begeisterte im „KuCaf“ und genossen einen prallen Wortwitz-Abend mit mal poetischen, mal durchaus auch politischen Texten, die mit beißendem Spott den rhetorischen Finger in zahlreiche Zeitgeist-Wunden legten. Wer sichergehen will, ein Ticket zu erhaschen, sollte es möglichst im Vorverkauf erwerben – Kostenpunkt: phänomenale 2 Euro (einer weniger als an der Abendkasse). Zudem erbittet das AStA-Kulturreferat, das seit zwei Jahren den semesterlich stattfindenden Campus-Slam organisiert, von auftrittsinteressierten SlammerInnen eine Anmeldung per Mail an kultur@asta-bochum.de – ein freier Startplatz kann jedoch nicht garantiert werden. Alle Wortakrobatik-Fans sollten sich jedenfalls Dienstag, den 7. Mai, 19.30 Uhr vormerken, wenn Herr 23 wieder zum Slam bittet.