Wegweisende Erkenntnisse im Zusammenhang mit verbreiteter Lungenkrankheit
Neue Therapie für COPD-Erkrankte
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Das Rauchen: Risikofaktor Nummer eins für das Entstehen von  COPD.  Bild: tom
Das Rauchen: Risikofaktor Nummer eins für das Entstehen von COPD.

COPD steht für „Chronic obstructive pulmonary disease“, äußert sich meist in Form von Atemnot, Husten und Auswurf, ist nicht heilbar und die vierthäufigste Todesursache weltweit. Von der Erkrankung sind etwa 12 Prozent der Weltbevölkerung betroffen. Die Krankheit entsteht dadurch, dass die Lunge Schadstoffen ausgesetzt ist, welche dort dauerhafte Entzündungen induzieren, die wiederum einen fehlerhaften Umbau der Lungenstruktur einleiten, was unter anderem die Atemwege verengt. COPD kann mehrere Auslöser haben, aber Dr. Jürgen Knobloch erklärt: „In den Industrieländern ist das vor allem das Zigarettenrauchen.“ Im Verlauf der langsam voranschreitenden Erkrankung würden sich PatientInnen zunehmend an schlechtere Atembedingungen gewöhnen und daher oft erst spät eine medizinische Meinung einholen. So verschlimmert sich die unheilbare Krankheit zunehmend. Auch, wenn man dann mit dem Rauchen aufhört, ist die Krankheit nicht mehr aufzuhalten. Laut Knobloch wäre das aber zumindest „ein Trigger weniger“, sodass die Erkrankung weniger schnell voranschreitet. Im Rahmen der Forschung testete das Team um den Privatdozenten jetzt Wirkstoffe, die einen Durchbruch bei der Behandlung von COPD bedeuten könnten. 

Entzündungen hemmen

Die im Zusammenhang mit COPD vorliegende chronische Entzündung wird von Enzymen, genauer Proteinkinasen, reguliert. Diese werden durch diverse Faktoren, darunter vor allem das Rauchen, überaktiviert, was dazu führt, dass noch mehr Entzündungsstoffe produziert werden. Diese zahlreichen Kinasen können durch therapeutische Wirkstoffe ausgeschaltet werden. Werden zu wenige Kinasen ausgeschaltet, so wird die Entzündung nicht ausreichend gehemmt und der Patient hat keinen Nutzen. Da die Kinasen aber auch die normale Lungenphysiologie regulieren, kann es andererseits zu „extremen Nebenwirkungen“ kommen, wenn zu viele Kinasen gleichzeitig durch die Therapie ausgeschaltet werden. 

In der Forschung ging es daher vor allem darum, diejenigen Kinasen auszuschalten, die für einen Großteil der mit der Krankheit in Zusammenhang stehenden Beschwerden verantwortlich sind, ohne dabei die gesamte Lungenphysiologie anzugehen – „Man muss eine Balance finden“. Erfolg versprechen sogenannte „Narrow Spectrum Kinase Inhibitors“ (NSKI), die, anders als „Single Kinase Inhibitors“ (SKI), mehrere Kinasen hemmen können. Zwar haben auch SKI in präklinischen Modellen erste Erfolge gezeigt. Allerdings seien diese im Rahmen der klinischen Anwendung laut Knobloch wahrscheinlich nicht zur Therapie geeignet, da andere Kinasen die Entzündungsregulierung übernehmen könnten. Die von der Firma RespiVert zur Verfügung gestellten NSKI aber sollen gezielt ausgesuchte Proteinkinasefamilien hemmen. In einem präklinischen Modell wurden sie bereits an Bronchialmuskelzellen von Erkrankten erprobt. „Unsere Studie zeigt, dass NSKI vielversprechende Kandidaten sind, um dringend benötigte anti-entzündliche Therapien bei COPD zu entwickeln“, sagt Knobloch.

Die getesteten Substanzen haben eine hohe Wahrscheinlichkeit, auch bei PatientInnen Anwendung zu finden. In der kommenden Zeit wird ein „Feintuning“ basierend auf den präklinischen Untersuchungen erfolgen, sodass im Anschluss erste klinische Studien stattfinden können. Abhängig von den Studienergebnissen wird dann die Gabe an PatientInnen in Betracht gezogen. Knobloch ist zuversichtlich, dass die NSKI in etwa fünf bis sechs Jahren in die Anwendung übergehen können.          

:Tobias Möller