Reise durch die Kulinarik und die Geschichte Bochums
Mehr als nur Currywurst hier
Bild: Joanne Henigan
Katakomben in Bochum? Fast, denn unter dem Dr.-Ruer-Platz befinden sich Parkplätze, wie Guide Bastian (Mitte) auf dem Weg zur Pizzeria erklärt. Bild: Joanne Henigan
Katakomben in Bochum? Fast, denn unter dem Dr.-Ruer-Platz befinden sich Parkplätze, wie Guide Bastian (Mitte) auf dem Weg zur Pizzeria erklärt.

Walking Tour. Selbst über Bochums kulinarisches Markenzeichen, die Currywurst, wird gestritten: Ist sie in Berlin etwa doch besser? Selbst wenn: Die Bochumer Gastro-Szene bietet weitaus mehr. Die eat-the-world-Tour stellt kulinarische Perlen vor. 

Die Sonne scheint in das winzige Lokal in der kleinen Seitenstraße. Die wenigen Tische innen und außen sind voll besetzt, die GästInnen genießen das gute Wetter und das Essen. Das Geheimnis der Falafel von Mahmoud El Sayed, Inhaber des „Falafel Star“ auf dem Bochumer Hellweg? „El Sayed macht nicht das Original, sondern hat das Familienrezept seiner Mutter!“, erklärt Student und Tourguide Bastian. Szenenwechsel: Die Pizzeria „Amalfi“ bietet neben einer exquisiten Pizza Margherita auch den ältesten Pizza-Bäcker der Stadt: „Wenn es Euch nicht schmeckt, muss ich aufhören!“, erklärt Inhaber Sergio Naclerio.  Glück gehabt, es hat allen gemundet.

Das Falafel Star und die Pizzeria Amalfi sind zwei von sieben Lokalitäten, die im Rahmen der eat-the-world-Tour in Bochum-Mitte im Stile einer Free Walking Tour vorgestellt werden. Das Konzept: Gastronomien mit Lokal-Bezug werden Alteingessenen und TouristInnen nähergebracht – inklusive kleiner Kostproben bei jedem Partner. Daneben erhalten die Teilnehmenden Einblick in die bewegte Stadtgeschichte Bochums. Die Bochum-Mitte-Tour findet seit September 2017 statt. 

Einblicke in (Essens-)Kultur

„Auf unseren Touren haben wir das Ziel, besonders kleine, inhabergeführte Läden zu unterstützen. Gerade die kleinen besonderen Geschäfte machen ja in der Regel auch das besondere Flair der jeweiligen Viertel aus“, so Rolf Schüßler von eat-the-world. Das Unternehmen wurde 2008 in Berlin gegründet. Der Grundgedanke: „Besuchern und Einheimischen einen kulinarisch-kulturellen Einblick fernab der ausgetretenen Touristenpfade zu ermöglichen“, so Schüßler.

Das Gesicht des Bochumer Viertels in der nördlichen Innenstadt ist divers und international besetzt: Neben den bereits erwähnten libanesischen und italienischen Lokalen werden die TeilnehmerInnen unter anderem zu einem japanischen Restaurant geführt. Doch neben unterschiedlichen Küchen bietet die Tour eine Mischung aus hippen Lokalen, wie eine Suppenbar, und Alteingesessenen in Form einer Konditorei. Die coolen Kids hängen also nicht nur in Hamme und Ehrenfeld ab. 

Abgerundet werden die einzelnen Stationen, die innerhalb von drei Stunden abgelaufen werden, mit Anekdoten rund um die Bochumer Stadtgeschichte, welche bereits im Frühmittelalter beginnt und mehr zu bieten hat als Erzählungen von Kohle und Bergbau. 

Lohnt sich?

Tatsächlich wird die Tour ihren Ansprüchen gerecht, wenn es um die ausgetretenen Pfade geht: Die Autorin dieses Artikels hat keines der vorgestellten Lokale gekannt. Umso spannender waren daher die Geschichten rund um InhaberInnen und Lokale, die teilweise leider etwas zu kurz gerieten. Großzügig fielen dafür die einzelnen Portionen aus. Zwei Wermutstropfen blieben jedoch. Zum einen ist die Tour leider nicht für interessierte VeganerInnen, Menschen mit einer Gluten- oder Laktoseintoleranz und NussallergikerInnen geeignet. VegetarierInnen erhalten hingegen angepasste Kostproben. Mit 33 Euro ist die Tour kein Schnäppchen.  Dennoch: Es lohnt sich, die Stadt von einer anderen Perspektive auch als Local zu erkundigen. Fazit: Gute Sache!

Informationen, Termine und Buchung unter eat-the-world.com/bochum 

:Andrea Lorenz