Ausschreitungen zur Silvesternacht
Mediengewalt nach Connewitz
Symbolbild: CC0
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Kommentar. Die Vorfälle in Leipzig Connewitz zeigen wiederholt: Polizeidarstellungen bestimmen die Berichterstattung. Doch häufig verfälschen sie die Realität.

Über Nacht wurde der Leipziger Stadtteil Connewitz zum Brennpunkt der deutschen Debatte rund um vermeintlich links motivierte Gewalt als auch Polizeigewalt. Bei den Vorfällen, die sich während der Silvesternacht ereigneten, wurde ein Polizist schwer verletzt. Des Weiteren verletzte die Polizei im Nachgang zu den anfänglichen Ausschreitungen mehrere Personen. Selbstverständlich ist der Angriff auf Polizist*innen mit Flaschen, Steinen und Feuerwerkskörpern zu verurteilen. Doch mittlerweile ist auch klar: Die Sächsische Polizei hat durch ihre Kommunikation maßgeblich zu Falschdarstellungen und Skandalisierungen beigetragen. Nicht nur überschlugen sich die Berichte in den Medien, wo nun die Berichterstattungs-Autopsien geschrieben werden, auch ein erstes Urteil wurde bereits im Eilverfahren verhängt. Beispielhaft ist dies an der Behauptung des brennenden Einkaufswagens mit einem „Polizei“-Schriftzug zu verfolgen. Von „Eine Gruppe von Gewalttätern versuchte einen brennenden Einkaufwagen mitten in eine Einheit der Bereitschaftspolizei zu schieben und beschossen diese massiv mit Pyrotechnik.“ (Erste Pressemitteilung der Polizei Sachsen) zu „Darüber hinaus wurde ein brennender Einkaufswagen (...) in Richtung der Polizeibeamten geschoben.” (LKA Sachsen) zu „Menschen haben versucht, in Richtung von Polizeibeamten einen brennenden Einkaufswagen zu schieben.“ (Leipziger Polizeipräsident Torsten Schultze im Interview mit Zeit Online). Ähnlich sieht es bei der Beschreibung des schwer verletzten Polizisten aus, der zwischen implizierter Lebensgefahr und möglichen bleibenden Schäden am Ohr schwankte. Auch ob die Gewalttaten einen politisch motivierten Ursprung hatten, ist umstritten, dennoch warnt das LKA vor „Linksterrorismus“ – Medien zitieren jene Meldung dennoch unhinterfragt. Wie bereits in der Vergangenheit wird deutlich, dass der Wahrheitsgehalt von Darstellungen der Polizei angezweifelt werden muss, obwohl von ihnen aufgrund ihres Gewaltmonopols und der zunehmend starken Befugnisse Neutralität gewahrt werden sollte. Diese Realität der fehlenden Glaubwürdigkeit der Staatsmacht muss bei Medien sowie der Öffentlichkeit ankommen.

:Stefan Moll

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