Theater: Hitchcock-Film auf der Musischen Bühne
Makabres letztes Dinner
Foto: Sina Ruhwedel
Liebe zum Detail: Die zweifarbig gehaltenen Kostüme rekurrieren auf die Tasten des Klaviers. Foto: Sina Ruhwedel
Liebe zum Detail: Die zweifarbig gehaltenen Kostüme rekurrieren auf die Tasten des Klaviers.

Theater. Aus einer Laune heraus töten Studenten ihren Kommilitonen – und richten auf dessen Grab eine Dinnerparty aus. Mit dem Klassiker „Cocktail für eine Leiche“ hebt sich der Vorhang des Musischen Zentrums ein letztes Mal für „ToM – Theater ohne Mittel“. 

Ein schwarzer Flügel steht zentral auf der Bühne, ein Off gibt es nicht, die Schauspielenden sind immer zu sehen. Das immer schneller werdende Klicken eines Metronoms deutet an: Das kulminierende Moment ist im Anmarsch. Wann wird der Deckel des Flügels mitsamt des Geheimnisses, das er verbirgt, geöffnet?

Mit der Theateradaption von Alfred Hitchcocks „Cocktail für eine Leiche“ gibt das studentische Theaterensemble „ToM – Theater ohne Mittel“ seine letzte Vorstellung auf der RUB-Bühne des MZs. Frei nach dem von Alexandra Aubry übersetzten Originaltext der Theatervorlage für den Film will die Gruppe, die sich bereits 2012 gegründet hat, ein „schönes kleines Kammerspiel“ bieten, so Mitgründer und Regisseur Nathanael Ullmann. Nichtsdestotrotz stellt ToM sich und dem Publikum die Frage: Ist es legitim, einen Mord aus geistiger Überlegenheit heraus zu begehen? 

Klavier als zentrales Element 

Die beiden Studenten Philipp Morgan (Marvin Buchkamp) und Brandon Shaw (Maurizio Onano) ermorden ihren Kommilitonen David – weil sie es können. Nicht mehr und nicht weniger. Die Leiche landet im Klavier. Aus Morbidität laden die beiden zu einer Dinnerparty. Die geladenen GästInnen stehen alle in einer Verbindung zum Verblichenen, der ebenso eine Einladung erhält: Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

Inspiriert wurde Ullmann von „Arsen und Spitzen“, wo ältere Damen den Mord begehen. Dies erwies sich dann auch als untauglich für Studierende, sodass Ullmann auf „Cocktail für eine Leiche“ zurückgriff. Dies stellt das erste adaptierte ToM-Stück dar. Regisseur Ullmann wollte sich damit unter anderem beweisen, dass er auch fremde Stoffe auf die Bühne bringen kann. 

Der Flügel stellt sowohl Ausgangs- als auch Zielpunkt des Stücks dar: „Alles, alles, alles deutet auf diesen Flügel hin.“ Die verwendeten Requisiten und die Kostüme der SchauspielerInnen nehmen die Farbgebung der Klaviatur auf. Im Gegensatz zu früheren Eigenwerken verzichtet Ullmann dieses Mal auf Effekte wie vermehrte Lichtwechsel oder technische Hilfsmittel: Nur die Schauspielenden und das von ihnen gebotene Bild sind im Fokus.

The future is now?

Obgleich als unterhaltendes Kammerspiel konzipiert, steckt auch im Leichencocktail Kritik: Ganz im Sinne Nietzsches wird beinahe beiläufig diskutiert, ob es überlegene Menschen gibt. Was macht ein Individuum zu einem schlechteren oder besseren Menschen, wann ist Mord legitim?

Aufgrund der Tatsache, dass einige der Mitglieder am Ende ihrer studentischen Karriere stehen, wird das Ensemble, wie es derzeit besteht, am MZ kein Stück mehr aufnehmen. Dennoch werden die AkteurInnen in anderen Projekten wie „Eben-BildNer“ auf anderen Bochumer Bühnen zu sehen sein. Zusätzlich planen Ullmann und Mitgründer Rico Großer den Aufbau eines Bürgertheaters. Dennoch: „Der Samstagabend wird für alle emotional“, so Ullmann.

Die letzten Dinner von ToM finden am Freitag, 5. Mai und Samstag, 6. Mai um jeweils 19:30 Uhr im MZ statt. Der Eintritt ist frei, Kartenreservierungen unter

reservierung@tom-theater.de 

:Andrea Lorenz