Stümperhafte Räuber und kannibalische Hexen
Mäßiger Trash

Zwei kostümierte Männer, ein silberner Jesus und ein grüner Plastiksoldat, überfallen aus Not einen Goldankauf. Mit Ach und Krach entkommen sie in einem entführten Taxi der Polizei. Zusammen mit einem involvierten Jungen sowie dem hilfswilligen Taxifahrer und der Beute machen sie sich auf den Fluchtweg von Spanien nach Frankreich. Unterwegs passieren sie das berüchtigte Dorf Zugarramurdi, wo sie an eine Gruppe bösartiger, verrückter und herrschsüchtiger Hexen geraten.

Der Trailer der spanischen Fantasy-Horror-Komödie „Witching & Bitching“ ließ auf ein äußerst unterhaltsames Werk hoffen, das an rasanter Action, abgedrehtem Humor und skurrilen Ideen nicht spart. Leider kann der Film die geschürten Erwartungen nur eingeschränkt erfüllen. Nach dem gelungenen Anfang verläuft die Handlung in den 110 Minuten einfach zu langatmig – und wird zum Ende hin immer dämlicher. Zudem lässt sich bei einem FSK-16-Film nicht herausholen, was bei einem Erwachsenen-Streifen über menschenfressende Hexen drin gewesen wäre. Am Schluss erinnern die fliegenden und kämpfenden Hexen gar an fantastische Teenie-Filme.

Regisseur Álex de la Iglesia hat sich seit den 1990ern mit eigenwilligen Filmen, an denen sich die Geister scheiden, einen Namen gemacht. Mit „Witching & Bitching“ hat er wohl ein weiteres solches Werk geschaffen. Doch hätte es diesmal unbedingt ein flotteres Tempo gebraucht und außerdem einen höheren Grad an expliziten Darstellungen, vergleichbar mit den in de la Iglesias Filmen „Perdita Durango“ oder „Mad Circus“ vorhandenen.

Hinzu kommt, dass der Hexenkult nicht bloß auf alberne Weise stereotyp-böse ist, sondern später wie eine plumpe Parodie auf religiös-feministische Gedanken erscheint. Da war de la Iglesias Behandlung der Franco-Diktatur in „Mad Circus“ noch angemessener – wenngleich ziemlich merkwürdig. Apropos: wie in jenem Film spielt auch in „Witching & Bitching“ wieder Carolina Bang mit, diesmal als scharfe Hexe und noch verrückter und verführerischer. Sie macht den Film immerhin erträglich.

:Gastautor Patrick Henkelmann

 

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