Engagierte HistorikerInnen gesucht: „Oral History“ in Querenburg
Lebendige Geschichte
Quelle: flickr.com, orarewedancer / Bearbeitung: ck
Back to the Past: In der Geschichtswerkstadt kann man Geschichte erleben. Quelle: flickr.com, orarewedancer / Bearbeitung: ck
Back to the Past: In der Geschichtswerkstadt kann man Geschichte erleben.

(Fabian May) Uni heißt im Idealfall nicht nur studieren. Man kann sich auch unter Leute mischen und Projekte starten. Immerhin wird in Bochum auf allen schicken Festivals (Detroit-Projekt, N.A.T.U.R. etc.) von sozialer Skulptur gesprochen. Uni und Stadtteil sind eins. Aber: Wenn man etwas machen will, braucht man einen Überblick. Unter anderem daher geht der Verein „University meets Querenburg“ (UmQ) bald mit seinem Quernetz online.

Das ist eine Internetseite, die Aktuelles und Geschichtliches zu AkteurInnen und Aktionen im Stadtteil bündeln will. Neu-Querenburger sollen sich besser orientieren können; VeranstalterInnen sollen für ihre Veranstaltungen potenzielle MitstreiterInnen und Referenzwerte zu Kosten- und Personalaufwand finden können.
Quernetz.de will Infos liefern und vernetzen. Und um der natürlichen Unübersichtlichkeit von Netzwerken vorzubeugen, will es diese Infos alle aus einer Hand anbieten.
Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der RUB läuft das Quernetz auch unter dem Etikett „Geschichtswerkstatt 50::50“. Es soll auch – auf historischen Karten, in originalen Bild- und Tondokumenten – zeigen, was in dem halben Jahrhundert an der Uni und drumherum lief.

Verein bittet um Mithilfe

Das große Wenn: die Redaktion. UmQ arbeitet seit 2005 in Querenburg und hat selbst viel Erfahrungswissen zu bieten. Der Vorsitzende Philipp Unger mischt in politischen Gremien mit. Als Sozialwissenschaftler betrachtet er die Vereinsarbeit außerdem als Forschung am lebenden Objekt. Ein historisches Projekt im Querenburger Jubiläumsjahr 2007 hat auch Orientierungswissen zum Stadtteil generiert.
Trozdem: Damit das Quernetz den Stadtteil adäquat abbilden kann, müssen die lokalen Akteure sich zu Wort melden. Sie müssen Infos aus ihren Gruppen, Vereinen und Netzwerken kommunizieren und sich im besten Fall auch zur redaktionellen Mitarbeit bereit erklären. Der Verein bittet daher alle, die nützliches Wissen oder interessante Zeitzeugnisse beitragen können, sich über die Kontaktdaten auf quernetz.de zu melden und mitzumachen.

Oral History

Zutage gefördert wurden bisher zum Beispiel Anekdoten wie diese vom ersten Stadtteilfest, als alle in der Hustadt noch neu waren: „Da gab es welche, die waren sehr aktiv, und es gab welche, die haben das geschehen lassen, sind aber nicht in Erscheinung getreten. Diesen Leuten wurde der sogenannte Hustadt-Muffel gewidmet.“ Dieser Hustadt-Muffel wurde auf dem Stadtteilfest 1971 erstmals als Pappkamerad aufgestellt und symbolisch verbrannt. Der Verein verwendet den Hustadt-Muffel heute wieder als Symbol. Er soll u.a. zeigen, so Unger, dass man diese Aufbruchsstimmung erneuern und die Passivität überwinden kann.
Beim Sammeln von Fakten und Oral History sind also die Mit-Querenburger gefragt. Der Verein arbeitet währenddessen daran, das letzte große Fragezeichen zu beseitigen: nämlich wo die Redaktion sitzen wird. Momentan sind mit den Vereinigten Bochumer Wohnstätten (VBW) über zwei Objekte im Gespräch: das alte Café 75 und die Schleckerfiliale in der Hustadt. Die VBW sagt, es gebe da „erste gute Gespräche“. Philipp Unger hofft, dass UmQ den Redaktionsraum gegen Übernahme der Stromkosten mietfrei überlassen bekommt.

Micro-Payment undCo-Working-Space

Langfristig muss sich das Projekt natürlich trotzdem finanzieren. Unger denkt da über Micro-Payment-Lösungen nach, zum Beispiel eine Nummer für SMS-Spenden. Das ginge auch zweckgebunden, sodass interessierte NutzerInnen gezielt Recherchevorhaben unterstützen oder sogar anstoßen könnten.
Außerdem mache es Sinn, findet Unger, den Redaktionsraum mit anderen Kreativen zu teilen. Dann wäre er, was er offiziell sein will, Anlaufstelle für Studierende und Kreative jeder Sparte.
Fürs anlaufende Semester plant UmQ übrigens mit dem Kulturbüro Boskop einen Praxiskurs zur „Geschichtswerkstatt 50::50“, der im Sinne des Quernetzes „die Stadtentwicklung und –kultur in Querenburg dokumentarisch aufarbeiten, begleiten und zu deren Gestaltung beitragen“ will. Stattfinden soll er mittwochs ab 18 Uhr an wechselnden Orten. Der Einstieg ist jederzeit möglich. Infos dazu gibt es bei Philipp Unger unter umq@quernetz.de oder unter www.quernetz.de
Das Quernetz selbst soll in den nächsten Tagen online gehen.

Autor(in):