Das Kabarett des Dr. Alfons Proebstl und die neue Rechte auf Youtube
Lachen, das im Halse stecken bleibt
Bildquelle: Youtube / Alfons Proebstl
Die braunbürgerliche Gemütlichkeit: Dr. Alfons Proebstl in seinem Hass-Studio. Bildquelle: Youtube / Alfons Proebstl
Die braunbürgerliche Gemütlichkeit: Dr. Alfons Proebstl in seinem Hass-Studio.

Wo sich national-konservatives Gedankengut mit Kabarett vereint, ist Dr. Alfons Proebstl nicht fern.  Der selbsternannte Satiriker zieht auf seinem Youtube-Kanal, der von über 9.000 Menschen abonniert wurde, über alles her, was Pegida und Hogesa unlieb ist. Seine über 70 Videos behandeln in humoristischer Verpackung Themen wie „Raubtiersozialismus“ und „Gender-Gaga“, doch stellt sich die Frage, ob das noch Humor ist, oder schon Hass.

Bereits das Intro seiner Videos deutet an, dass Dr. Alfons Proebstl es auf die angebliche gesamtgesellschaftliche Selbstzensur abgesehen hat: „ Wenn das der Sponsor hört“, und „Na, na, so dürfen wir das net sagen“, tönt es, während der Macher der Sendung in Schwarz-Weiß-Szenen vor dem Hintergrund eines verschnürten Paketes mit der Aufschrift „handle with care“ eingeblendet wird. Hier steht (oder vielmehr sitzt) also ein Mann, der nach seinem eigenen Selbstverständnis unbequeme Wahrheiten ausspricht.

Ein Krawallmacher im Anzug

Dabei sieht der Mann zunächst gar nicht nach Krawallmacher und Agent Provocateur aus. Proebstl ist ein glatzköpfiger Herr mit Wiener Akzent, der einen karierten Anzug mit Einstecktuch trägt, Zigarillo raucht und Rotwein trinkt. Auf den ersten Blick könnte man ihn also für einen weltgewandten, konservativen Großbürger halten. Doch wenn er zu sprechen anfängt, offenbart sich seine wahre Gesinnung.

Er wettert gegen frühkindliche Sexualisierung und „Gleichheitsfetischisten“, reißt frauenfeindliche Witze über die „Splittergruppe der hochattraktiven Feministinnen“ oder bemängelt die „Zinsknechtschaft“. Ebenso zieht er über die angebliche Lügenpresse her, bei der seiner Meinung nach „geistige Analphabeten für Dumme schreiben“. Die Tabuthemen und unbequemen Wahrheiten des Dr. Alfons Proebstl gleichen in Vokabular und Ansicht denen von Pegida, Hogesa und Co.

Bekenntnis zur rechten Gesinnung

In seinen Videos ist die Nähe zu national-konservativen Gruppen unverkennbar. Im Zeitungsständer – neben der Radiokommode und dem schwarzen, alten Telefon ein unverzichtbarer Bestandteil seines Studios – hängt eine Ausgabe der Jungen Freiheit und ein Verweis auf die Seite PI News. Von dieser Internetseite  für die neue Rechte bezieht er auch das Videomaterial für seine Sendung. Zudem trat Proebstl am 6. April auf der Bühne von Pegida in Dresden auf, wo Lutz Bachmann bereitwillig für ihn den Mikrofonhalter machte. Somit gehört Dr. Alfons Proebstl unverkennbar in den Dunstkreis von Lutz Bachmann und all den anderen besorgten WutbürgerInnen.

Durch die humoristische Aufwertung kruder, ideologischer Positionen zieht Dr. Alfons Proebstl potentiell neue RekrutInnen für die national-konservative Bewegung heran. Wie mehrheitswirksam sein Humor ist, lässt sich dabei nicht abschätzen. Er macht aber klar, dass Satire und Spott nicht die Domäne und Alleinbetätigungsfelder linker Kabarettisten sind. Doch ob es noch Humor und Satire ist, wenn Menschen herabgewürdigt, wüst beschimpft und herabqualifiziert werden, das muss jedeR Einzelne für sich entscheiden.

:Gastautor Jan Freytag ist :bsz-Archivar

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