Auflagenkürzung der ak[due]ll ist für den Duisburger ein Schnitt ins eigene Fleisch
Kommentar: Wat für Transparenz
Digital oder offline? Eigentlich ist es nur eine Stellvertreterauseinandersetzung, um vom mangelnden Interesse des Herausgebers abzulenken.
Digital oder offline? Eigentlich ist es nur eine Stellvertreterauseinandersetzung, um vom mangelnden Interesse des Herausgebers abzulenken.

Kommentar. Eine Auflagenkürzung einer Studierendenzeitung um 40 Prozent aufgrund von „Papierverschwendung“? Umweltschutz hin oder her: Wer nicht Präsenz – offline! – auf dem studentischen Campus zeigt, muss sich nicht über eine Wahlbeteiligung von neun Prozent wundern. 

Als ein „gutes Beispiel“ bezeichnet die Liberale Hochschulgruppe der Universität Essen-Duisburg den Schritt des dortigen AStA, von welchem sie auch Teil ist, die Ausgabenauflage der ak[due]ll von 5.000 auf 3.000 Exemplare zu senken – bis aufs weitere und ohne parlamentarische Umschweife. Empirische Beweise, die belegen, dass Ausgaben liegen geblieben sind? Irrelevant! Die Veränderung ist ohne die Absprache der Gesamtredaktion besagter Zeitung bereits entschieden worden. Alternativen, sowohl auf digitaler Ebene als auch vor Ort? Abgetan mit Worthülsen wie „digitaler Campus“ und „Umweltschutz“, die einiges über die Selbstwahrnehmung des AStA als Herausgeber aussagen – und anscheinend dessen mangelndes Pflichtbewusstsein, was die eigene Studi-Zeitung angeht. 

„Transparenz generieren“

Der Campus ist ein Ort, an dem Studierende tagtäglich sind, interagieren und informiert werden möchten. Wie können sie wissen, was auf dem Campus passiert, wenn das Medium, das sie darüber aufklären soll, dass es über das stramme, natürlich sechssemestrige Studium im Bachelor hinaus noch ein Campusleben gibt, langsam im Schatten der scheinbaren Überflüssigkeit verschwindet?

Das Problem hierbei ist nicht nur ein fehlendes Ausgleichsangebot, eine zusätzliche Alternative in digitaler Hinsicht, im Gegenzug zur kleineren Campuspräsenz. Wie soll das Interesse der Studierendenschaft an Themen wie Hochschulpolitik geweckt werden, wenn die Uni-Zeitung an Orten wie Hörsälen oder Seminarräumen nur noch marginal ausliegt? Die Hochschulpoltik selbst scheint kein Interesse zu haben, etwas am mangelnden Zulauf vonseiten der Studis zu ändern. Dabei ist es im Endeffekt im Interesse des Herausgebers, dass seine Zeitung gelesen wird, Hochschulpolitik und somit sein Tun greifbar macht und auch schlussendlich seine eigene Existenz legimitiert. Denn beweist nicht gerade eine unabhängige Berichterstattung, dass sich hochschulpolitisch etwas tut? Ohne Campusmedien kappen hochschulpolitische AkteurInnen eine Verbindung zu der Studierendenschaft, die ohnehin kaum Interesse an ihrem Tun zeigen, wie die alljährliche Wahlbeteiligung zeigt. 

Präsenz ist ein Muss!

Erst neulich Mittag, im Rahmen eines Einsatzes für eine dieser Studierendenzeitungen, traf ich einen Leser, der die Präsenz von Uni-Zeitungen an jeder Ecke des Hochschulgeländes überschwänglich lobte: „Ihr seid wirklich überall!“ 

Nein, Studierendenzeitungen sind nicht das lang ersehnte Allheilmittel im Kampf gegen verschwindend geringe Wahlbeteiligungen bei Wahlen für das 

Studierendenparlament, gegen studentisches Desinteresse an allem, was die Aufschrift Hochschulpolitik ziert. Aber sie deswegen langsam vom Antlitz des Campus’ zu verbannen, ist zu kurz gedacht. Anstatt das Symptom nur kurzfristig zu bekämpfen, ist die Auseinandersetzung mit den Ursachen vonnöten. Wie können mehr LeserInnen generiert werden? Wo kann die Zeitung noch alternativ verteilt werden, wenn Ausgaben anderswo liegen bleiben? Für die Lösung dieser Fragen braucht es aber auch Kommunikation zwischen Redaktionen und Herausgebenden.

:Andrea Lorenz