Sexual Assault Awareness Month
Kindesmissbrauch und häusliche Gewalt während der Pandemie
Symbolbild, Bearbeitung: leda
Symbolbild, Bearbeitung: leda

Aktualität. Wenn auch Assault und Gewalt generell wichtige und stets aktuelle Themen sind, so sind sie momentan sogar noch relevanter.

Shutdowns und #Stayathome haben viele problematische Auswirkungen: Schulkinder und Studierende, Menschen mit psychischen Problemen und viele weitere haben teils massive Schwierigkeiten. Ein weiteres Problem ist, dass häusliche Gewalt sowie Kindesmissbrauch wahrscheinlich zunehmen, da die Menschen aktuell isoliert leben, weniger Kontakt zur Außenwelt haben, und auch Täter*innen häufig psychisch labiler sind. So können auch Geschädigte auf engstem Raum mit ihren Täter*innen zusammenleben und weniger Möglichkeiten haben, andere Menschen um Hilfe zu bitten. Täter*innen nutzen häufig die Situation aus, um mehr Macht über ihre Opfer zu haben. Wie The New York Times berichtete, könnte häusliche Gewalt sowohl häufiger als auch verstärkt und gefährlicher werden.

War dies vor einigen Wochen noch die Theorie, gibt es nun konkrete Belege für die verschärfte Lage, in der sich viele Menschen befinden. Dabei ist dieser Anstieg wie auch die Pandemie nicht örtlich begrenzt: Laut The Guardian berichten Aktivist*innen beispielsweise in Italien, Brasilien, China und Deutschland, dass sich strukturelle Muster von häuslicher Gewalt steigern. So seien in der Provinz Hubei allein während des Lockdowns im Februar die Notrufe an die Polizei aufgrund von häuslicher Gewalt von 47 im gesamten Vorjahr zu 162 in diesem Jahr gestiegen. Genauso ist in Brasilien ein Anstieg um 40 bis 50 Prozent in einem Hilfszentrum berichtet worden.
Dies ist jedoch nicht überall der Fall. Viele Betroffene haben durch die Isolation mit ihren Angreifer*innen nicht die Möglichkeit, in ein Hilfscenter zu gehen oder jemanden anzurufen. In Italien seien deswegen, so The Guardian, deutlich weniger Anrufe bei Notfallhotlines eingegangen, doch dafür vermehrt E-Mails und Textnachrichten. Diese können oftmals unauffälliger verschickt werden.
In Deutschland gehen die Zahlen aktuell zurück. Die Welt berichtete, dass sowohl Aussagen der Polizei in Hamburg als auch von Hans-Jürgen Kamp, dem Vorsitzenden des Weißen Ringes Hamburg, zeigen, dass es in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr weniger aufgenommene Fälle gibt. Vermutet wird jedoch, dass sich dies bald ändert. „Die Dispositionen für gewaltsame Eskalationen sind durch die Kontaktbeschränkungen viel intensiver vorhanden als im regulären Alltag – und das in allen gesellschaftlichen Schichten“, sagt Kamp im Gespräch mit der Welt.
Zusätzlich gibt es generell eine große Dunkelziffer. Laut der Welt erklärt Kamp, gebe es auch außerhalb einer Pandemie eine große Menge Betroffener, die sich nicht melden: etwa 80 Prozent der Fälle häuslicher Gewalt werden somit nicht gemeldet.

Auch häuslicher sowie digitaler Kindesmissbrauch, beispielsweise in Form von Kinderpornographie, könne steigen. Hierzu kommen besonders häufig Berichte aus dem Vereinigten Königreich. Bereits Anfang des Monats warnte die National Crime Agency (NCA) vor digitalem Kindesmissbrauch. Wie The Guardian berichtete, hinge dies mit dem vermehrten Onlineverkehr zusammen; so erklärt die NCA, man hätte innerhalb von drei Klicks im öffentlichen Web bereits Zugriff zu Inhalten mit Kindesmissbrauch. Auch würden Täter*innen bereits eine Weile in Online-Chat-Forums darüber diskutieren, wie man Kinder während der Pandemie missbrauchen könnte.
Jetzt, beinahe einen Monat später, zeigt sich, dass diese Befürchtungen der NCA berechtigt sind. Laut der BBC sei es zu einer Verlangsamung des Auffindens und Löschens von kinderpornographischen Bildern gekommen. Während der Pandemie seien etwa 90 Prozent weniger URLs mit verdächtigem Inhalt gelöscht worden. Es bleibt nur zu hoffen, dass schnell Wege gefunden werden, dies zu bekämpfen.

:Charleena Schweda