Todesstrafe: China schweigt und der Iran rückt auf Platz 1, die USA auf Platz 4
Jedes Leben zählt.
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AI zieht traurige Bilanz: Weltweit ignoriertes Menschenrecht von Unversehrtheit und Leben. Quelle: Amnesty International
AI zieht traurige Bilanz: Weltweit ignoriertes Menschenrecht von Unversehrtheit und Leben.

Amnesty International (AI) hat den aktuellen Bericht zur Todesstrafe für 2014 veröffentlicht. Weltweit ging die Zahl der vollstreckten Hinrichtungen zurück, dennoch wurden häufiger Todesurteile verhängt. Der Bericht offenbart die unmenschliche Praxis von Staaten und enthüllt trotzdem nur einen Bruchteil dessen, denn der Spitzenreiter fehlt: Geheimniskrämer China.

Die Todesstrafe ist auf jedem Kontinent gängige Praxis, auch innerhalb Europas. Wie die aktuellen Zahlen von AI klarstellen, wird das Recht auf Leben in vielen Ländern vom Staat bedroht. 2.466 Todesurteile wurden von der Menschenrechtsorganisation im vergangenen Jahr gezählt. Dies entspricht einer Steigerung um 30 Prozent. Der Anstieg ist in Teilen politischen Umbrüchen und gewaltsamen Konflikten in Nigeria und Ägypten geschuldet, denen mit Massenverurteilungen begegnet wurde. Gegenteilig entwickelte sich die Lage bei den 607 vollzogenen Hinrichtungen, die im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent sanken.

Unbeliebte Spitzenleistung

Das Land der aufgehenden Sonne hütet seine Zahlen zur Todesstrafe wie ein Staatsgeheimnis und ist dennoch für Amnesty International inoffiziell der unangefochtene Titelverteidiger. Konkrete Fakten oder Schätzungen finden sich nicht im Bericht von Amnesty, sondern lediglich die Anmerkung, dass China „wieder mehr Hinrichtungen ausführte als der Rest der Welt zusammen.“ Als Geheimniskrämer lassen sich allerdings auch andere Staaten, wie zum Beispiel Nordkorea oder Malaysia, bezeichnen. Aufgrund der Aussageverweigerung Chinas wurden alle übrigen Länder um einen Rang ‚aufgewertet‘. So rückte der Iran zum führenden Land in Sachen Todesstrafe auf und die USA wurden Vierter, obwohl sich dort die Exekutionen von 39 auf 35 reduzierten.

Harte Konsequenzen

Amnesty kritisiert zudem, dass sich keine Beweise für die abschreckende Wirkung der Strafe fänden. Und dass selbst Taten, die nicht zu den „schwersten Verbrechen“ gehören, die Todesstrafen zur Folge hätten, wie zum Beispiel Blasphemie (Pakistan), Zauberei (Saudi-Arabien) oder Ehebruch (Vereinigte Arabische Emirate).

:Alexander Schneider