Das „Richtungsding“ belebt die Literaturszene im Pott – mit Schreibwettbewerb und mehr
Jäger des verlorenen Satzes
Foto: Richtungsding
Wartet auf Texte aus dem und über den Norden: Die "Richtungsding"-Redaktion, betsehend aus (v. l.) Lina Brünig, Benjamin Bäder, Fabian May, Markus Behr, Jan-Paul Laarmann, Sarah Meyer-Dietrich. Foto: Richtungsding
Wartet auf Texte aus dem und über den Norden: Die "Richtungsding"-Redaktion, betsehend aus (v. l.) Lina Brünig, Benjamin Bäder, Fabian May, Markus Behr, Jan-Paul Laarmann, Sarah Meyer-Dietrich.

Bitte folgen! Auf dem weißen Grund prangt ein schwarzer Pfeil sowie der Titel: Das „Richtungsding“ ist eine Literaturzeitschrift aus dem Ruhrgebiet, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das kreative Pott-enzial des Reviers (und darüber hinaus) zu bündeln, junge Literatur zu fördern und Netzwerke zu schaffen. Neben dem aktuellen Schreibwettbewerb zur Sonderausgabe zum Thema „Norden“ hat sich das sechsköpfige Team für dieses Jahr noch eine ganze Menge mehr einfallen lassen.

Das Kulturhauptstadtjahr hat nicht nur Leuchtturmprojekte hervorgebracht, die so schnell verglüht sind wie sie hell gestrahlt haben. 2010 erschien die erste Ausgabe der Literaturzeitschrift „Richtungsding“. Von Anfang an, so war die Idee der Gründer Harald Gerhäußer und Jan-Paul Laarmann, sollte sie ein Medium sein, um die Literaturszene des Ruhrgebiets zu fördern. Mittlerweile sind sechs Ausgaben vergangen und es hat sich einiges getan: Gerhäußer ist nicht mehr dabei; dafür steckt hinter der Zeitschrift nun ein sechsköpfiges Redaktionsteam (darunter die beiden RUB-Studierenden Lina Brünig und Fabian May), der AutorInnenkreis ist auf über 80 angewachsen und hat sich sogar über die Grenzen der Republik hin ausgedehnt, und längst beschränkt sich der Name „Richtungsding“ nicht mehr auf das Heft.

BYOW – Bring Your Own Workshop

Schon früher wurde das Erscheinen einer neuen Ausgabe mit einer Premierenfeier inklusive Lesung gefeiert. Für die siebente Ausgabe, welche im November erscheinen soll, hat die Mannundfrauschaft vor, diese Premierenfeier auf eine neue Ebene zu heben: Ein Literaturfestival soll es werden, natürlich mit AutorInnenlesungen, aber auch mit Literatur-Barcamp. „Eine Workshop-Mitbringparty“ nennt die Redaktion dieses Tagungsformat, das ursprünglich aus der Informatikszene stammt: Wer meint, sein Wissen und Können über Literatur und Schreiben gekonnt weitergeben zu können, bietet spontan einen Workshop an. Dadurch, dass es keine speziell vorbereiteten Experten oder Expertinnen gibt, entsteht eine besondere Diskussionsdynamik. Die Aktivität und Dynamik ist eine andere als bei normalen Werkstätten oder gar Seminaren – eine noch fruchtbarere, so die Idee.

Werkstätten zum Mitmachen und ein Geocache zum Hören

Noch mehr gelebte Literatur wird es im Sommer geben. Von Mai bis Oktober organisieren die Männer und Frauen vom „Richtungsding“ das „Literarische Extrembefähigungsprogramm“: Einmal im Monat können junge Autorinnen und Autoren hier ihre Fähigkeiten in gemeinsamen Werkstätten verbessern. Für den Workshop zum „postdramatischen Schreiben“ konnte sogar der Autor Jörg Albrecht gewonnen werden. Der studierte in Bochum – das „Richtungsding“ bleibt seinen Wurzeln treu.

Nicht nur für SchriftstellerInnen interessant, aber ganz im Geiste der Idee, dass sich Literatur nicht nur zwischen zwei Buchdeckeln abspielt, ist der Workshop zur Stimmbildung. Wichtig ist den OrganisatorInnen, dass bei jeder dieser Veranstaltungen ein Ergebnis herauskommt, also zum Beispiel eine stimmliche Verbesserung, eine postdramatische Szene oder auch ein E-Book.

Beide Ideen – Ruhrpatriotismus und Live-Literatur – verknüpft das „Richtungsding“ mit der Aktion „Sommerstories“. Wenn es draußen warm ist und die Menschen das Bedürfnis nach Bewegung nicht so unterdrücken wie im Winter, werden entlang der Ruhr einige Lesungen stattfinden. Den Ort weist in diesem Fall aber nicht der dicke schwarze Pfeil, sondern ein GPS-Gerät oder eine entsprechende App fürs Klugfon: Die Leseorte werden als Geocache bekanntgegeben, die erst gefunden werden müssen. Der/die Kulturinteressierte wird so zum Jäger des verlorenen Satzes…

300 Euro für den Norden

Der nächste Termin, den man sich merken muss, ist der 30. März. An diesem Tag endet die Bewerbungsfrist für den Wettbewerb zum Thema „Norden“, den das „Richtungsding“ zusammen mit dem Projekt „Kunst schafft Stadt“ der Zeche Carl in Essen organisiert. Im Mai erscheint eine Sonderausgabe, die dieser Himmelsrichtung gewidmet ist. Ist es überhaupt nur eine Himmelsrichtung? Ist es eine grobe geographische Angabe, ist es Skandinavien und Island, ist es eine Richtung, ist es eine Metapher für psychische Phänomene?

Am Wettbewerb teilnehmen kann man mit jeder Form des geschriebenen Wortes, egal wie man das Thema auffasst und umsetzt. Hauptsache ist, der Text überschreitet nicht die vorgegebenen 15 Minuten Lesedauer. Nach Einsendeschluss setzt sich eine Jury aus JournalistInnen, KulturförderInnen, LiteraturwissenschaftlerInnen und einem „Richtungsding“-Redakteur zusammen und wählt sechs Texte für das Finale aus. Das Finale findet am 23. Mai bei der Heftpremiere in der Zeche Carl statt. Dort wird das Publikum entscheiden, wer den mit 300 Euro dotierten ersten Preis mit nach Hause nehmen darf. Denn auch der gute alte Literaturpreis ist Literaturförderung.
 

Gibt die Richtung an: „Richtungsding“-Herausgeber Jan-Paul Laarmann bringt Literatur unter die Leute. Foto: Richtungsding
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