Wieder Partymachen: Lohnt es sich?
I hear your heartbeat to the beat of the drum
Bild: becc
Symbolbild

Clubs und Bars haben in alter Manier geöffnet: Wie ist es, sich endlich wieder in das Feier-Getümmel zu werfen?  

Man könnte meinen, Corona wäre auf magische Weise verschwunden. In den ersten Oktoberwochen war die Inzidenz in Bochum relativ stabil und schwankte um einen Wert von 35 herum. Seit einigen Tagen steigt der Inzidenzwert nun wieder kräftig an. Lohnt es sich da überhaupt, Feiern zu gehen? Dem Partymachen in Coronazeiten geht aktuell immer ein inneres Zwiegespräch voraus, ein Abwägen von Für und Wider. Möchte ich mich (trotz Impfung) willentlich einem Infektionsrisiko aussetzen – egal, ob dem von Corona oder der Grippe oder von anderen Erkrankungen, denn unsere Immunsysteme sind durch lange Phasen des Drinnenseins und des Masketragens deutlich geschwächt und mit einer Erkältung ist nach dem Feiern auf jeden Fall zu rechnen? Und, zwar unbedeutender, aber immerhin ein klarer Kontrapunkt: Möchte ich mich wieder mit den ganzen kleinen Problemchen herumschlagen, die Menschen in Feierlaune mit sich bringen können? Menschen, die ihre Finger nicht bei sich lassen können, Betrunkene, die zu Streithähnen mutieren, das Organisieren des Nachhausewegs, das Kutschieren betrunkener Freunde. Früher alles banal, heute Gegebenheiten, die uns vor neue Herausforderungen stellen könnten, da wir über ein Jahr zum einen nicht mit solchen Situationen konfrontiert waren und zum anderen diesen engen menschlichen Kontakt mit Fremden nicht mehr gewöhnt sind. Diese Negativpunkte klingen wenig überzeugend. Dem gegenüber steht jedoch ganz klar, dass es nun offiziell möglich ist, wieder in das Before-Corona-Feeling abzutauchen. Warum also nicht? Warum also nicht endlich wieder mit Freund:innen rausgehen, tolle und unvergessliche Abende verbringen und genießen? Irgendwann müssen wir zum früheren Alltag zurückkehren und den Schritt aus der neu erschaffenen Komfortzone herauswagen, wenn wir die Pandemie hinter uns lassen wollen – was paradox klingt, da die Inzidenz durch das Feiern durchaus befeuert werden kann.  

Ein gemischtes Erlebnis  

Wie ist das nun in der Praxis? Ich habe mir all diese Gedanken gemacht, bevor ich mich entschied, wieder Feiern zu gehen. Und ich habe sehr lange gezögert: Als Risikopatientin bin ich besonders vorsichtig im Umgang mit dem Virus. Ich besuchte als erstes die Zweistundenparty im Untergrund. Aufgrund der begrenzten Länge erschien mir diese als ein gutes Startevent, um mich wieder an das Feiern heranzutasten. Bereits beim Warten vor dem Club, kam mir die Situation surreal vor: Alle trugen draußen brav ihre Maske und sobald ihr Impfzertifikat von den Türstehern überprüft worden war, wurde der Mund-Nasen-Schutz abgestreift und der Club betreten. Drinnen wurde die Luft von einer Klimaanlage aufbereitet – es war deutlich kälter im Club als früher. Nachdem sich der Club gefüllt hatte, legte ein DJ wie gewohnt auf und an der Bar wurden fleißig alkoholische und alkoholfreie Getränke serviert. Ich stand der Situation mit gemischten Gefühlen gegenüber: Einerseits habe ich eine unbändige Freude dabei empfunden, endlich wieder feiern gehen zu können und die Musik zu genießen, aber andererseits schreckte es mich ab, wie nah sich die Menschen auf einmal kamen. Früher war es für mich selbstverständlich zwischen fremden Menschen eingezwängt zu tanzen, heute fühle ich mich unbehaglich, wenn der Mindestabstand gebrochen wird. Ich blieb also mit meiner Freundesgruppe am Rand der wogenden Menschenmasse und dort konnte ich das Feiern sehr genießen. Ich hätte nie gedacht, dass es mal so seltsam sein könnte, sich in einem Club aufzuhalten.  

Nach diesem ersten mulmigen Partyerlebnis war ich noch auf einem Oktoberfest und in Hamburg auf St. Pauli feiern und mittlerweile stelle ich fest: Es wird für mich wieder normaler. Gedanklich nicht sicherer, da Corona immer noch existiert, aber wieder normaler und das ist auch etwas Gutes. 

 

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Wer selbst wieder einmal Partyluft schnuppern möchte und sich bei stabiler Inzidenz bereit dazu fühlt, einen Club zu betreten, ist in Bochum, zum Beispiel in Trompete, Riff, Rotunde, Untergrund oder Sachs bestens versorgt. Ich möchte nicht dazu animieren, Feiern zu gehen. Bitte wägt für Euch ab, ob ihr das immer noch bestehende Risiko einer Infektion eingehen könnt und wollt. 

                                                                              :Rebecca Voeste