„Der Gott des Gemetzels“ an der RUB
Hinter der Maske das Gemetzel
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Malte Siefken, Maika Letizia Wolff und Jonas Planken (v.l.) sind nur im Stück zerstritten: Die Theatergruppe setzt auf Zusammenarbeit und Austausch. Bild: mag
Malte Siefken, Maika Letizia Wolff und Jonas Planken (v.l.) sind nur im Stück zerstritten: Die Theatergruppe setzt auf Zusammenarbeit und Austausch.

Theater. Die Gruppe „Madcaps“ zeigt auf der Studiobühne des Musischen Zentrums der RUB „Der Gott des Gemetzels“ von der Französin Yasmina Reza. Ein Stück über Geheimnisse, Wutausbrüche, bröckelnde Fassaden und das wahre Gesicht.

Die Geschichte der Dramatikerin ist spätestens seit der Verfilmung von Roman Polański bekannt. Die Ehepaare Véronique (Sophia Helmert) und Michel Houillé (Jonas Planken) sowie Annette (Maika Letizia Wolff) und Alain Reille (Malte Siefken) finden sich zusammen, um einen Vorfall in der Schule zu klären: Ihr elfjähriger Sohn Ferdinand Reille verprügelte den gleichaltrigen Bruno Houillé mit einem Stock. Das Treffen beginnt in einer gepflegten Runde, doch nach und nach fallen die Masken der gutbürgerlichen Familien. Die Situation eskaliert.

 

Stückidentifikation

Nun ist „Der Gott des Gemetzels“ auch an der RUB. Zu „Madcaps“ gehören aktuell die SchauspielerInnen Sophia Helmert, Jonas Planken, Malte Siefken, Maika Letizia Wolff sowie die Regisseurin Derya Rinder. Es ist bereits die vierte Inszenierung der Theatergruppe. Beim letzten Stück stießen Jonas und Malte zu der Theatergruppe, die sowohl aus Studierenden der RUB als auch aus bereits Arbeitenden besteht. Die Fünf wollten eigentlich „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett inszenieren. „Aber Beckett hat festgesetzt, dass die Figuren nur Männer spielen dürfen“, erklärt Jonas. Bei der darauffolgenden Suche stießen sie auf das Stück von Yasmina Reza. Sie waren von der klaren Struktur begeistert. „Man kann sich leicht damit identifizieren“, erklärt Maika. „Es werden alltägliche Probleme besprochen.“

 

Figurenidentifikation

Zur Vorbereitung haben sie als Ehepaare während einer Probe eine Paartherapie gemacht. „Wir haben versucht, ein Szenario zu schaffen, bei dem wir in die Rollen finden“, erklärt Malte. Es habe geholfen, um herauszufinden, wie sie zueinanderstehen. Doch die Rollenfindung war nicht immer einfach. Maika gesteht: „Ich hatte auch mal eine Krise mit meiner Figur. Ich habe mich gefragt: ‚Warum macht sie das gerade?‘ Wir haben das dann zusammen besprochen, was gut war. Man findet gemeinsam einen Weg.“ Jonas erklärt, dass er Maltes Rolle besonders möge: „Er ist derjenige, der sich am meisten von der Situation abkapselt. Er ist viel an seinem Handy. Aber es kommen zwischendurch kleine Spitzfindigkeiten, die alles ändern.“ „Ich kann dich nicht ausstehen“, entgegnet Malte scherzhaft. Seine Figur Alain Reille möge allerdings Michel Houillé wirklich nicht.

Die Paarkonstellation sei nicht so logisch, wie sie scheint. Die Allianzen würden sich oft ändern. „Die dynamischen Beziehungen zwischen den Personen sind sehr interessant. Ich mag die Höhen und Tiefen. Es gibt aber auch Stille. Und sehr unangenehme und peinliche Momente“, so Maika. Auch Malte findet, dass diese besonders gewaltig seien. Von der Stille könne das Publikum peinlich berührt werden. Das Besondere sei auch, dass die Darstellenden die ganze Zeit auf der Bühne präsent sind. „Viele Sachen passieren im Hintergrund, die das Geschehen im Vordergrund ergänzen. Man sollte mal nach links und rechts gucken“, berichtet Jonas.

Auch wenn die meisten am Ende ihres Studiums stehen, wollen sie sich nicht aus den Augen verlieren. Und sich bald wieder auf eine neue Stücksuche begeben.

:Maike Grabow

Zeit:Punkte

Freitag, 29. Juni und Samstag, 30. Juni, 19:30 Uhr. Musisches Zentrum, RUB. Eintritt frei. Reservierungen an Derya.Rinder@rub.de.
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