Poetry Slam im Riff: Nicht nur zum Lachen
Gewalt – daheim & allein
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Finalisten bei der Preisübergabe: Torben Schulte, Andreas Weber, Sven Hensel und Gewinner Micha-El Goehre. Foto: alx
Finalisten bei der Preisübergabe: Torben Schulte, Andreas Weber, Sven Hensel und Gewinner Micha-El Goehre.

Das Riff zog am 8. Februar acht SlammerInnen aus Nordrhein-Westfahlen auf seine Tanzfläche, die für das Publikum bestuhlt wurde. Micha-El Goehre, der vor kurzem den Dortmunder Bier-Slam für sich entscheiden konnte, schaffte es auch diesmal, das Publikum von seiner Darbietung zu überzeugen.

Mit „Der Unrat der Sprache“ – einer Hommage an Sulaiman Masomis Text „Der Rat der Sprache“ – eröffnete Sebastian 23 den Poetry Slam im Riff am vergangenen Sonntag. Der ewig-junggebliebene Wortakrobat des Ruhrpotts und Moderator des Abends stimmte damit das Publikum ein auf die eigentlichen SlammerInnen. Während es bei Masomis Rat um lebendig gewordene Grammatik und rhetorische Figuren geht, erweckte Sebastian 23 sämtliche Unsäglichkeiten der Sprache, wie zum Beispiel den Facebook-Kommentar oder den sterbenden Deine-Mutter-Witz. Doch gerade dabei schmuggelten sich lustige Versprecher mit in die Lesung, wie die einberufene „Dringlichkeitsritzung“, die eher in einer Psychiatrie erwartet werden würde.

Tofu in aller Munde

Durch vier Duelle – die vom Publikum via Jubel entschieden wurden – konnten sich Torben Schulte, Andreas Weber, Sven Hensel und Micha-El Goehre durchsetzen. Allerdings war es meist knapp und so fiel es Sebastian 23 nicht leicht, eine schnelle Entscheidung zu treffen. So wurde just ein Negativ-Votum erfunden, in dem das Publikum einmalig laut „Tofu!“ rufen konnte, um Stellung zu beziehen.

Drohnen und Maria

Obwohl die ZuschauerInnen im Finale erfahrungsgemäß überwiegend humorvolle Texte hören wollten, war es diesmal anders. Torben konnte sich zum Beispiel mit seinem Text über das Töten per Drohne im familiären Home-Office durchsetzen; doch entschied Micha-El Goehre den Hauptgewinn des Slams für sich: eine Whiskeypulle. Mit „Maria“ schaffte er es, die ZuschauerInnen in das zerrüttete Leben eines Gewaltopfers zu ziehen, um deutlich zu machen, was für Auswirkungen derartige Verbrechen haben können.

:Alexander Schneider