Das Akronymicon – :bsz knackt den Gremiencode VII: Die hochschulpolitischen Listen der RUB – Teil 2: Oppositionslisten
Gemeinsam oppositionell: Liberale und Grüne, Unabhängige und Linke
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Für einen glücklicheren Campus: Franziska Pennekamp und Patrick Vosen (Grüne Hochschulgruppe). – Foto: USch
Für einen glücklicheren Campus: Franziska Pennekamp und Patrick Vosen (Grüne Hochschulgruppe).

In der letzten Ausgabe stellten wir Euch die derzeit fünf AStA-tragenden Listen an der RUB vor. Diesmal präsentieren wir die – ebenfalls fünf – in diesem Jahr kontinuierlich im Studierendenparlament (StuPa) aktiven Oppositionslisten, die zusammen über 15 der 35 StuPa-Sitze verfügen.

Kernaufgabe der parlamentarischen Opposition ist die Kontrolle des AStAs. Dies gilt sowohl für den politischen Kurs des Allgemeinen Studierendenausschusses als auch für Haushaltsfragen. Trotz zum Teil sehr unterschiedlicher politischer Positionen haben im jeweils dritten Oppositionsjahr die Jungen Liberalen (JuLis), die Grüne Hochschulgruppe (GHG), die Liste Kultur und Leben in Bochum (KLIB, früher SWIB), die Satireliste B.I.E.R. sowie – nach einjähriger Pause samt Neuaufbau – die Linke Liste (LiLi) zu einer effektiven Zusammenarbeit gefunden. Mit 6 Sitzen ist die LiLi momentan die stärkste oppositionelle StuPa-Liste, gefolgt von der GHG (5 Sitze), der Liste B.I.E.R. (2) sowie der KLIB und den JuLis (jeweils ein Sitz).

Mehr als (Aus-)Bildung

Trotz der teilweise sehr unterschiedlichen politischen Zielsetzungen zwischen Links und Liberal haben die OppositionspolitikerInnen eine starke Motivation gemeinsam, sich auf dem Campus einzubringen. Für Patrick Vosen (GHG) „gehören ein kostengünstiges Semesterticket, eine ökologische Campussanierung, eine starke Mitbestimmung der Fachschaften und eine weltoffene Uni“ zu den Hauptforderungen und er wünscht sich, „dass mit uns die RUB ein wenig bunter und glücklicher wird!“ Dies hat auch Madita Adolphs (KLIB) im Sinn – insbesondere angesichts eines aus Sicht ihrer Liste verfehlten Wandels „zu einem reinen Ausbildungsort“ möchte sie sich für „einen lebenswerteren Campus mit kulturellen Angeboten“ einsetzen, „auf dem sich Studierende auch gerne außerhalb der Vorlesungszeiten aufhalten“.

Mix aus Spaß und Ernst

Während Linus Stieldorf (JuLis) den „Campus der Freiheit nach vorne bringen“, Geldverschwendung bekämpfen und sich für mehr Service, ein Parkleitsystem sowie einen W-Lan-Ausbau an der RUB einsetzen will, engagiert sich die Satireliste B.I.E.R. mit einem Mix aus Spaß und Ernst an der Ruhr-Uni: „Hochschulpolitik darf auch witzig sein. Als Satireliste gehen wir die Dinge mit Humor an“, sagt Denise Welz. „Wo nötig, gehen wir jedoch auch mit dem nötigen Ernst an die Sache heran. Zu nennen sind hier die Kündigung der Semestertickets durch den VRR oder die Preiserhöhungen des Akafö. Aktuell kämpfen wir für den Erhalt studentischer Partys auf dem Campus, welche durch neue Ordnungen zur Nutzung von Kulturcafé und AZ akut gefährdet sind.“ Rike Müller (LiLi) hat aus einer ähnlichen Motivation „Lust auf einen AStA, der sich für die Belange der Studierenden einsetzt, auch wenn das Arbeit und teilweise Konflikt bedeutet“ – daher hat sie engagiert am Neuaufbau ihrer Liste mitgewirkt: „Ich bin seit über einem Jahr bei der LiLi und für mich war ein wichtiger Grund zur aktiven Mitarbeit, dass ich mit der damaligen AStA-Koalition total unzufrieden war. Ein AStA, der Hochschulpolitik mit ‚Dienstleistungen für die Hochschulverwaltung’ verwechselt, war und ist für mich untragbar.“

Gemeinsam für den Campus

„Nur, wenn ALLE gemeinsam anpacken, können wir die Uni zu einem besseren Ort machen!“, meint Patrick. Zu mehr hochschulpolitischem Engagement möchte Rike ihre Mitstudierenden motivieren: „Sich für die gemeinsamen Interessen einzusetzen lohnt sich, wie die vielen Erfolge in den verschiedenen Gremien mit studentischen VertreterInnen zeigen. So liegt es an dem kontinuierlichen Einsatz der Studierenden, dass zum Beispiel in vielen Fachbereichen noch ein Übergangssemester absolviert werden kann oder Master-NCs verhindert wurden“, ist sich Rike sicher. „Für die studentische Selbstverwaltung ist es unabdingbar, dass es engagierte Studierende gibt, die sich beteiligen“, betont Jorret Bley (KLIB). „Unser Semesterticket und die Forschungsfreiheit der RUB stehen auf dem Spiel“, warnt Linus und fordert angesichts mutmaßlicher Verschwendung studentischer Gelder: „Fangen wir an unsere Uni selber zu gestalten, anstatt sie gestalten zu lassen.“ Eher sportlich sieht‘s Denise Welz von der Liste B.I.E.R.: „Die Uni ist eine Spielwiese, mach was draus! Nur wer mal hinter die Kulissen geschaut hat, weiß wie das Spiel funktioniert – und wo der Kühlschrank zu finden ist.“

:Ulrich Schröder

Zudem haben die Oppositionslisten der :bsz eine weitere Frage beantwortet:

Was würde an der RUB fehlen, wenn es Eure Liste nicht gäbe?

Rike Müller (LiLi): „Ganz klar würde eine linke Vertretung der Studierendenschaft fehlen, die sich besonders für eine Uni ohne Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht, Sexualität, ethnischer oder religiösen Zugehörigkeit einsetzt. Für uns hört Politik nicht an der U35 auf, deshalb unterstützen wir Initiativen und Gruppen, die sich an der Uni und darüber hinaus gegen diese Ausgrenzungen einsetzen.“

Denise Welz (B.I.E.R.): „Eine Satireliste, die konsequent den Finger in die Wunde legt; die wohl charmantesten Bestechungsversuche seit es Bier gibt; abwechslungsreiche Plakate für eure Wohnungen; OpenAir-Kino mit Klassikern der Filmgeschichte; seltsame Spruchbänder AStA-tragender Listen; eine ganze Menge Bier...“

Madita Adolphs (KLIB): „Eine Liste, die sich explizit auch für die Interessen und Belänge der WohnheimbewohnerInnen einsetzt.“

Linus Stieldorf (JuLis): „Die Stimme der Freiheit und Vernunft wäre im Studierendenparlament nicht mehr vorhanden. Wir wollen Studenten keine Ideologie und Weltanschauung aufdrücken und etwas für den Studenten tun. Dies gibt es nur mit uns.“

Patrick Vosen (GHG): „Wenn es uns nicht gäbe, wäre die Uni ein trauriger und grauer Ort. Wir hoffen, dass mit uns die RUB ein wenig bunter und glücklicher wird!“

:bsz-Info

Kernaufgabe der parlamentarischen Opposition ist die Kontrolle des AStAs. Dies gilt sowohl für den politischen Kurs des Allgemeinen Studierendenausschusses als auch für Haushaltsfragen. Trotz zum Teil sehr unterschiedlicher politischer Positionen haben im jeweils dritten Oppositionsjahr die Jungen Liberalen (JuLis), die Grüne Hochschulgruppe (GHG), die Liste Kultur und Leben in Bochum (KLIB, früher SWIB), die Liste B.I.E.R. (ohne offzielle Auflösung des Kürzels) sowie – nach einjähriger Pause samt Neuaufbau – die Linke Liste (LiLi) zu einer effektiven Zusammenarbeit gefunden. Mit 6 Sitzen ist die LiLi momentan die stärkste oppositionelle StuPa-Liste, gefolgt von der GHG (5 Sitze), der Liste B.I.E.R. (2) sowie der KLIB und den JuLis (jeweils ein Sitz).

In der Reihe „Das Akronymicon“ deckt die :bsz gnadenlos auf, welche Gremien sich hinter obskuren Abkürzungen verbergen, wie viel Macht sie besitzen und was sie vorhaben. In den nächsten Ausgaben entschlüsseln wir …

Wegen der StuPa-Wahl im Dezember geht es mit der Reihe im neuen Jahr weiter.

:bsz 1026 – QVK

:bsz 1027 – FakRat

:bsz 1028 – Senat

 

Für einen glücklicheren Campus: Franziska Pennekamp und Patrick Vosen (Grüne Hochschulgruppe). – Foto: USch