Semesterticket-Verteuerung: Studis lassen sich nicht VRRarschen
Gebührend demonstriert
Foto: USch
Von Milchlikör bis Preisroulette: Kreativer Protest gegen Semesterticket-Verteuerung vor dem Duisburger Hauptbahnhof. Foto: USch
Von Milchlikör bis Preisroulette: Kreativer Protest gegen Semesterticket-Verteuerung vor dem Duisburger Hauptbahnhof.

Aufgrund des massiven Drucks der Studierenden ist der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) von seinem ursprünglichen Plan abgerückt, die Semesterticket-Gebühr um bis zu 43 Prozent (die :bsz berichtete) zu erhöhen. Beschlossen wurde einstweilen nur eine reguläre tarifliche Preisanhebung von 3,3 Prozent. Damit es auch in Zukunft bei solch einer moderaten Erhöhungen bleibt, demonstrierten am 27. September um die 200 Studierende in der Duisburger Innenstadt und setzten auf den Publikumstribünen im Rathaus bei der Sitzung des VRR-Verwaltungsrats ein starkes Zeichen des Protestes. Auch eine unwillige Security sowie ein grundloser Brand­alarm konnten sie daran nicht hindern.

Mitten in den Semesterferien versetzte die Nachricht von der geplanten drastischen Preiserhöhung die Studis an Rhein und Ruhr in Aufruhr: Allein per Facebook kündigten sich über 800 Teilnehmende an. Da bereits kurz vor der Demonstration Informationen durchsickerten, dass der VRR nicht zuletzt angesichts einer nachdrücklichen Online-Kampagne lediglich eine moderate Preiserhöhung beschließen würde, kamen jedoch weit weniger Studis als erwartet nach Duisburg. Der plakative Protest der Demonstrierenden war dennoch laut, bunt und bissig: „Betrunken Autofahren tötet! Deshalb: Keine Preiserhöhungen im ÖPNV. So nicht, VRR!“, lautete etwa der Slogan der RUB-Satireliste B.I.E.R.

Fachschaften und ASten gemeinsam

Engagierten Protest zeigten zudem zahlreiche Aktive der FachschaftsvertreterInnenkonferenz (FSVK) sowie des AStA der Ruhr-Uni. „Wir wollen keine unsoziale Preiserhöhung: Wir wollen einen fairen Ticketpreis – und deshalb demonstrieren wir heute hier“, unterstrich Marcus Lamprecht, Referent für Mobilität und Ökologie des AStA Duisburg-Essen als Veranstalter, bei der Auftaktkundgebung vor dem Hauptbahnhof. Anschließend ging es zum Duisburger Rathaus, wo sich der VRR-Verwaltungsrat bereits unter Ausschluss der Öffentlichkeit beriet, während sich allmählich die Demo vor dem Ratsgebäude formierte.

Dicke Luft im Ratssaal

Die Studis ließen es sich auch von der zunächst abweisenden Rathaus-Security nicht nehmen, dem öffentlichen Teil der Sitzung im Versammlungssaal beizuwohnen und man spürte deutlich: Hier ist dicke Luft. Und dann schrillte auch noch der Brandalarm und die Security forderte die Studierenden auf den Emporen auf, unverzüglich das Gebäude zu verlassen. Seltsam nur: An die FunktionsträgerInnen unten im Ratssaal ging eine solche Aufforderung nicht und die angerückte Feuerwehr wurde unverzüglich von der Polizei wieder weggeschickt. Als der Versuch, den BesucherInnenbereich räumen zu lassen, jedoch abrupt abgebrochen wurde, klang der lautstarke Protest der Studierenden zugleich als Kommentar auf die absurde Situation: „So nicht, VRR!“, hallte es immer wieder von einer Empore zur anderen. „Dass der VRR einen Feueralarm simuliert, ist peinlich“, kommentierte der Demo-Leiter bei der Abschlusskundgebung hinterher das irritierende Intermezzo.

Nur ein Etappensieg

„Nur im Einvernehmen mit den Studierenden“ werde es künftig eine (schrittweise) Gebührenerhöhung des Semestertickets geben, ließ der Mönchengladbacher Stadtrat Lothar Beine (SPD) bei der VRR-Beiratssitzung verlauten. Für die Grünen betonte Norbert Czerwinski aus dem Rat der Stadt Düsseldorf, dass die Politik verspätet über die VRR-Pläne informiert worden sei und betonte: „Die Solidarfinanzierung ist ein gutes Modell“ – zumal hierdurch viele Studierende vom Auto auf Bus und Bahn umgestiegen seien.  Eine als niedrigschwelliger Kompromiss seitens des VRR eingebrachte Beschlussvorlage einer Preisanhebung von 5,1 Prozent fand schließlich keine Zustimmung im Beirat, der einstimmig für eine Anhebung von 3,3 Prozent votierte. Dies sei vor allem dem Druck der Studis zu verdanken: Die Online-Kampagne habe die Stimmung zum Kippen gebracht und dafür gesorgt, dass „die Friss-oder-stirb-Taktik des VRR nicht aufgegangen“ sei, so Sarah Malzkorn vom Referat für Ökologie und Mobilität des AStA Duisburg-Essen.

Die Demo-VeranstalterInnen bleiben jedoch skeptisch: „Ein erstes Zugeständnis ist nur ein Etappensieg und keine dauerhafte Lösung“, erklärt das Aktionsbündnis „So nicht, VRR!“ In den jüngsten Aussagen des Verkehrsverbundes zum Semesterticket manifestiere sich ganz deutlich: „Der VRR will immer noch viel mehr Geld fürs Ticket“, so das Bündnis weiter. Umso wichtiger scheint es, die Proteste auch in Zukunft fortzusetzen.