Satire: de Maiziéres Grundsätze für die deutsche Leidkultur
Endlich sagt’s mal Einer!!1!
Mit aufgestelltem Pfauenkamm: Hier wird die deutsche Leidkultur gefeiert. Gibt ja auch einiges zu feiern.
Mit aufgestelltem Pfauenkamm: Hier wird die deutsche Leidkultur gefeiert. Gibt ja auch einiges zu feiern.

Satire.  Bundesstimmungsminister Thomas „Die Lokomotive“ de Maizière empfing jüngst die 10 Grundsätze der deutschen Leidkultur auf dem Berg Sinoi (Erzgebirge). Die :bsz leakt Inhalte des Wild am Sonntag-SUPERDUPER-exklusiv-Gastbeitrags.

Grundsatz 1: Wir legen Wert auf einige soziale Gewohnheiten, nicht weil sie Inhalt, sondern weil sie Ausdruck einer anachronistischen Haltung sind. Tradition vor Reflektion. 

Grundsatz 2: Ein funktionierendes Uhrwerk wie die Behördenrepublik Deutschland (BRD) bedarf hoher Präzisionsarbeit, die wir nur durch eines erwirkt haben: Ordnung. Ordnungswidrige Unordnung wird dem Ordnungsamt gemeldet, um dann in Ordnung gebracht zu werden. Wenn es eine Bibel der Bürokratie gäbe, wäre sie die vollkommene Erscheinung müßiger Mechanismen, der Quell aller dokumentarischen Datensammlung: der Ordner. Ob im Stadion oder im Regal: Wo ein Ordner ist, ist auch ein Weg.

Grundsatz 3: Kurz Off-Topic: Afghanistan ist ein sicheres Herkunftsland, Urlaub würde ich da jetzt trotzdem nicht machen. 

Grundsatz 4: Der Islam hat ein Sexismus-Problem. Während wir das Gendern weiterhin diskutieren, ungleiche Löhne für Frauen zahlen und der Damenwelt beim Oktoberfest unseren Respekt zollen, lenken wir die Aufmerksamkeit auf das massive Sexismus-Problem des muslimischen Glaubens. 

Grundsatz 5: Um wirtschaftlichen Wohlstand für einen Bruchteil unserer Gesellschaft zu gewährleisten, sind Outsourcing, Lohndumping und Arbeitsmarktunterschichtung legitime Mittel. Waffenexporte sind auch voll okay.  

Grundsatz 6: In unserem Land ist Religion Kitt und nicht Keil der Gesellschaft. Mit #yolocaust und den Debatten um ein Burkaverbot beweisen wir Sensibilität und Pietät im interreligiösen Gespräch. Unsere Kinder sollen in der Schule keine Lehrerin mit Kopftuch sehen. Als Putzfrau ist die Kopftuchträgerin aber gut genug. 

Grundsatz 7: Seit der vorletzten Fußball-WM steht Nationalstolz wieder auf der Agenda. 

Grundsatz 8: Wesentlicher Bestandteil unserer Kultur ist unser Geschmack. Ob kulinarisch, modisch oder filmisch (Til Schweiger): Beständig buhlend um Aufmerksamkeit bringen wir unseren Geschmack stets ungefragt zum Ausdruck. Deutlich erkennbar am Beispiel des Ekels: Iiiiiiih. Ein Klang wie ein Buchstabe, der alles zusammenfasst, das uns zuwider ist: Integration, Inklusion, Interpunktion (Til Schweiger again), Indoktrination … oh warte. 

Grundsatz 9: Wir sind Teil des Westens. Kulturell, geistig und politisch. Die Nato schützt unsere Freiheit beziehungsweise unsere Grenzen. Beziehungsweise unsere Grenzen im Ausland. Wichtig ist, anderen Ländern ihre Grenzen aufzuzeigen und unsere Grenzen aufzuzwingen. 

Grundsatz 10: Das Gewicht eines derartigen Kulturguts lässt sich nur durch eines stemmen: beharrliche Ignoranz. Wir holten billige GastarbeiterInnen, erzogen und behandelten ihre Nachfolgegenerationen wie Fremde und beschweren uns über mangelnde Bereitschaft zur Integration. Wir exportieren Waffen und beschweren uns, dass Menschen hierher fliehen und Schutz erbitten. Wir definieren Leitkulturen und deuten auf den Rechtsruck in Europa. Durch die niedrigen Arbeitslöhne und die hohen Exporteinnahmen dominieren wir den europäischen Markt, isolieren EU-Mitgliedsstaaten finanziell und stöhnen laut, wenn die GriechInnen wieder Geld wollen. All das lässt sich nur ertragen, wenn wir weiter an unserer Ignoranz festhalten. Symptome benennen statt Ursachen bekämpfen!

              :Marcus Boxler