Ein Meisterwerk über die Liebe
Emotional, intensiv und verstörend

„Blau ist eine warme Farbe“ – ein außergewöhnlicher Film über die Liebesbeziehung zweier Frauen. Ein hoch gelobtes und kontrovers diskutiertes Werk. Selten wurden Rollen in einem Film so großartig gespielt. Selten wurde die heutige gesellschaftliche Wirklichkeit von Beziehungen und sozialen Milieus so treffend eingefangen. Nun ist das herzergreifende Drama endlich auf DVD erschienen.

Im vergangenen Jahr erhielt der französische Film „Blau ist eine warme Farbe“ von Abdellatif Kechiche bei den Filmfestspielen von Cannes die Goldene Palme. Ausnahmsweise wurde die Auszeichnung nicht nur an den Regisseur vergeben, sondern – verdientermaßen! – auch an die beiden Hauptdarstellerinnen. Dabei waren Kechiche und sein Machwerk schon im Vorfeld umstritten, von den harten Arbeitsbedingungen beim Dreh bis hin zu den sehr langen und als pornographisch empfundenen Sexszenen.

Die Geschichte handelt von der jugendlichen Schülerin Adèle (Adèle Exarchopoulos), welche durch Zufall auf die lesbische Kunststudentin Emma (Léa Seydoux) trifft. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine äußerst leidenschaftliche Beziehung. Dass die zwei sich sehr in ihrer Sozialisation, ihrem Umfeld und ihren Interessen unterscheiden, ist rasch offenkundig, doch stellt dies anfänglich kein größeres Problem dar. Das gemeinsame Leben nimmt in den nächsten Jahren seine Wege und es wird viel Rotz und Wasser geweint.

Beide Hauptdarstellerinnen spielen wirklich famos. Die hervorragende Kamera von Sofian El Fani ist stets dicht am Geschehen und bringt die wunderbare Mimik der zwei perfekt zur Geltung. Und Adèles Gesicht ist – selbst wenn sie schläft – eine Wonne. Was die umstrittenen Sexszenen der Frauen betrifft, so sind sie insgesamt stark ästhetisiert und, wie lesbische Kritikerinnen beanstandeten, wohl eher unauthentisch. Doch sollte dieser Film in erster Linie einfach als ein bereicherndes Werk über die Liebe und das Soziale gesehen werden. Nebenbei stellt er durch seine emotionale Qualität der Darstellung ein Gegenmittel gegen die bis heute weit verbreitete Abwertung von homosexuellen Beziehungen dar.

:Gastautor Patrick Henkelmann

 

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