Viking Metal in Oberhausen und weltweit: Amon Amarth zelebrieren alte Ideale
Eine Tour wie ein Raubzug
Foto: Alexander Schneider
Ein Mensch gewordener Schlachtruf: Johann Hegg von Amon Amarth prügelt mit seiner Band altnordische Sagas in Death-Metal-Form. Foto: Alexander Schneider
Ein Mensch gewordener Schlachtruf: Johann Hegg von Amon Amarth prügelt mit seiner Band altnordische Sagas in Death-Metal-Form.

Lauft um Euer Leben! Die Wikinger sind wieder unterwegs in Europa. Und sie haben ihren Feldzug in Oberhausen begonnen! Doch, was ist das? Statt zu flüchten, pilgerten vergangenen Freitag Tausende freiwillig zum Ort des Gemetzels. Denn es handelte sich dabei um den Europatourauftakt der schwedischen Viking-Metal-Band Amon Amarth. Viking Metal? Wir werfen einen Blick auf ein umstrittenes Subgenre zwischen Geschichte, Mythologie und dem Dünkel der Volkstümelei.

„Raise your horns for the brave fallen friends – We will meet in Valhalla again”, dröhnt der gewaltige Johann Hegg, Sänger von Amon Amarth, von der Bühne. Es sind die Schlussverse aus dem Lied „Raise Your Horns” vom aktuellen Album „Jomsviking“. Die Texte der Band behandeln archaische Ideale, den Kampf, Heldenmut, Männlichkeit, eingebettet in Szenarien aus der Welt der Wikinger und ihrer Götter. Odin, Thor, Walhalla und Ragnarök sind wichtige Schlagworte. Damit sind Amon Amarth nicht allein.

Weltweite Faszination

Als erste Band des Abends traten Grand Magus, ebenfalls aus Schweden, auf. Auch sie nehmen sich des Wikingerthemas an, wenngleich weniger martialisch. (Die Amis von Testament als zweite Band des Abends rockten den Saal ebenfalls, allerdings ohne Wikinger.) Florian Heesch, Professor für Populäre Musik an der Uni Siegen, hat 2011 bei einer einfachen Online-Recherche weltweit allein 600 Bands entdeckt, „deren Namen sich aus der nordischen Mythologie ableiten.“ Und dann gibt es eben noch unzählige Bands wie Amon Amarth und Grand Magus, die sich zwar des Themas Wikinger, GermanInnentum, nordische Mythologie annehmen, aber keinen einschlägigen Namen tragen.

Doch sind diejenigen, die Thorshämmer um den Hals hängen haben, runenbedruckte T-Shirts tragen, sich in Internetforen Odinstochter oder TiwazThurisaz nennen, nicht Nazis?

Die Wikinger waren freundliche Gesellen – Nazis sind einfach dumm

„Bei uns geht es um die Geschichte der Wikinger und kein Stück um Politik“, sagte Olavi Mikkonen, seines Zeichens Axtschwinger, pardon Gitarrist bei Amon Amarth, 2008 in einem Interview mit „metalnews.de“. „Die Wikinger als Volk waren sogar sehr freundliche Gesellen und vor allem anderen Kulturen gegenüber sehr offen. Deswegen sind solche Menschen, die diese Symbole aus falschem Grund tragen, auch einfach dumm, weil sie gar nicht wirklich wissen, was sie da tun.“

Zwar hat man auch in Skandinavien im 19. und 20. Jahrhundert aus nationalistischen Gründen auf alte Mythen zurückgegriffen, doch wurden sie nicht so pervertiert wie unter den NationalsozialistInnen. Leider hat man sich in Deutschland nach dem Krieg von all dem distanziert, weshalb die Deutungshoheit über die nordischen Mythen den Neonazis überlassen wurde.

Einige wenige schwarze Bandschafe missbrauchen weiterhin die nordische Mythologie für rechte Propaganda. Bands wie Amon Amarth und Grand Magus (und vielen andere) gehen spielerisch, unpolitisch an das Thema heran. So können Tausende von Menschen die Turbinenhalle zum Erbeben bringen und eines der besten Konzerte des Jahres erleben, ohne auch nur einen Gedanken an Rechtsextremismus zu verschwenden.

:Marek Firlej

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