Reportage vom Musikfestival
Die Praktikantin am Ring – Ein Erlebnisbericht
Bild: bena
Menschliche Landschaftsbewässerer gehören auch zum Festival: Pinkelnde Männer. Bild: bena
Menschliche Landschaftsbewässerer gehören auch zum Festival: Pinkelnde Männer.

Die schriftliche Zusage für mein erstes Festival flattert in meinen Briefkasten. Die Aufregung ist groß. Es ist schließlich „Rock am Ring“. Kindheitserinnerungen werden wieder lauter, denn zum Ring wollte ich schon immer. Nun habe ich die Chance bekommen ein Teil dessen zu sein, was ich mir früher im TV angeguckt habe und freue mich, dieses Festival erleben zu dürfen. 

Erst die Arbeit ...

Die Anreise ohne Auto zum Festival ist sehr mühsam und anstrengend, vier Züge, drei Aufenthalte an verschiedenen Bahnhöfen – das alles mit Zelt, Luftmatratze, Wechselwäsche und was man sonst noch alles für fünf Tage außer Haus und mit Unwetterwarnung so braucht. Denn für NeueinsteigerInnen macht es mein dieswöchiger Arbeitgeber nicht wirklich einfach, eine Fahrgemeinschaft zu bilden. Ein gesondertes Portal hierfür gibt es nicht. 

Während eine im Zug kennengelernte Kollegin aus Bonn und ich den Sammelplatz suchen, an dem wir abgeholt werden sollten, fragen wir uns, was unsere Aufgabe auf dem Festival sein würde, denn für sie ist es auch das erste Mal auf der anderen Seite. Als uns unser Supervisor Vicky abholt, offenbart sie uns, dass wir Stullen schmieren und Kaffee verkaufen werden – ich stehe also am Frühstückstand, Arbeitszeit 4 bis 14 Uhr von Donnerstag bis Montag, Mittwoch bis Montag von 18 bis 4 Uhr oder 7 bis 18 Uhr. Ich entscheide mich für das zweite Modell, die wenigste Arbeit und der meiste Lohn. Zudem scheine ich zu glauben, dass die meisten gegen vier oder fünf ins Zelt gehen und dies vor 10 Uhr nicht verlassen werden. 

… dann das Vergnügen 

Die meisten ArbeitgeberInnen auf dem Festival setzen auf Eigenverantwortung und lassen den MitarbeiterInnen völlige Gestaltungsfreiheit, also steht einem Festivalbesuch mit Wegbier nichts im Wege. Schnell wird mir klar, dass die meisten CamperInnen gar nicht aufs Festival gehen: Sie sind dort, um eine gute Zeit miteinander zu verbringen, aber unbedingt aufs Festival müssen sie nicht. Die Bands zu sehen, ist nebensächlich, denn es sei ohne hin kein gutes Line-up und auf dem Campingplatz herrsche eine bessere Stimmung.

Ein Job auf einem Festival kann wirklich cool sein, wenn man Musik mag, das Feeling miterleben, neue Leute kennenlernen möchte und nichts gegen Schlafmangel hat. Zudem sollte man sich vorab genauer informieren, welche Leistungen man bekommt und das bezieht sich nicht nur auf Verzehr und Unterkunft, sondern auch auf die Anreise. Hier gibt es verschiedene Arten von Jobs und Möglichkeiten, zu arbeiten. Doch um bei den Bigplayern, also den Hauptsponsoren, zu arbeiten, die auch direkt auf dem Festivalgelände kellnern oder Promo-Arbeiten machen, muss man sich vorab bei Promotion Agenturen anmelden. Diese haben den Vorteil, dass die Bezahlung durchaus höher ist und die Unterkunft ist dem entsprechend komfortabler. Manche haben ein Zelt gesponsert, andere haben sogar ein Hotelzimmer bekommen. 

Ob ich es empfehlen kann? Auf jeden Fall! Denn man bekommt nicht nur Lohn, sondern auch ein Festivalticket und mit netten MitarbeiterInnen ist es schnell möglich, mal zu tauschen um seinen Lieblingsact zu sehen.                        

:Abena Appiah