Ausstellungseröffnung: „Aus unserem Leben in die Freiheit - Lisa Tetzner und Kurt Kläber: Leben und Werk“
Die Märchentante und der Berufsrevolutionär
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Weiß, was sie sagt: Wiltrud Apfeld. Foto: as
Weiß, was sie sagt: Wiltrud Apfeld.

Wer kennt sie nicht, die rote Zora mit ihrer Bande? Das aufmüpfige Stück Jugendliteratur ist längst ein Unterrichts-Klassiker. Aber klingelt auch was bei den Namen Kläber und Tetzner? Mit der am Sonntag eröffneten Ausstellung im Zentrum für Stadtgeschichte/Stadtarchiv wird dem Schriftstellerehepaar Lisa Tetzner und Kurt Kläber (Pseud. Kurt Held) ein verdientes Denkmal gesetzt. Eine spannende Reise durch die (Literatur-)Geschichte, nicht nur für eingefleischte GermanistInnen.

„Es ist ein wenig so wie bei Forest Gump: Egal wo sich die beiden bewegt haben, die deutsche Geschichte und vor allem ihre Literaturgeschichte zieht an einem vorbei. Sie haben wirklich nichts ausgelassen“, resümiert Wiltrud Apfeld, Leiterin des Kulturraums „Die Flora“ in Gelsenkirchen, schmunzelnd über das bewegte Leben des fast vergessenen literarischen Duos. Die Historikerin hat gemeinsam mit der Aachener Germanistin Dr. des. Cristina Rita Parau die Wanderausstellung erstellt, die derzeit im Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte gastiert.

Das literarische Duo

Lisa Tetzner,  Tochter aus gutem Hause, wird 1894 in eine wohlhabende Zittauer Arztfamilie geboren. Zunächst will sie Polizeiassistentin werden, lässt sich dann aber in Berlin an der Alice-Salomon Frauenschule zur Betreuung gefährdeter Kinder und Jugendlicher ausbilden. Ihre pädagogische Ader wird sie aber nicht in ihrem erlernten Beruf, sondern mit ihrem Talent für (märchenhafte) Geschichte ausleben. In den 20er Jahren tingelt sie als „Märchenerzählerin” durch das Rhein-Ruhr-Gebiet. In diesen Wanderjahren lernt die höhere Tochter den Arbeitersohn Kurt Kläber kennen, der 1897 in Jena geboren wurde. Der „Berufsrevolutionär“, wie er sich selbst gerne nannte, bewegte sich im Kreis der Wandervögel, hatte am Ersten Weltkrieg teilgenommen und sich danach in linken Arbeiterkreisen engagiert und sich als Autor hervorgetan, etwa von „Barrikaden an der Ruhr“, ein Roman über den Ruhraufstand im März 1920. 1933 wird Kläber wegen angeblicher Beteiligung am Reichstagsbrand angeklagt und das Paar zur Emigration gezwungen. Die beiden lassen  sich in der Schweiz nieder, wo sie, wenn auch nicht ganz ohne Hindernisse, weiter zahlreiche Werke veröffentlicht, darunter auch Kläbers „Die rote Zora“ und Tetzners die neunbändige „Kinderodyssee” „Die Kinder aus Nr. 67 (1933-49)“.

Ein Leben wie eine Geschichtsstunde, das die Ausstellungen anhand von Tafeln, Exponaten aus dem Nachlass sowie Originaltonaufnahmen lebendig werden lässt. Aber nicht nur das: Die literarischen Freundschaften, die die beiden unterhalten haben und die Ausstellung durchziehen, lesen sich wie ein Who-is-Who der (deutschen) Literaturgeschichte. Von Hesse bis Lindgren, alle sind sie dabei. Sogar LokalpatriotInnen werden fündig werden, denn die Schau zaubert überraschende Verbindungen der beiden Schriftsteller zum Ruhrgebiet hervor. Zoras Eltern im Ruhrgebiet? Wer hätte das gedacht?