Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst erhitzt (noch immer) die Gemüter
Die Geschichte von Bischof Protz
Foto: Christliches Medienmagazin pro
Lächeln dank Luxus: Bischof Tebartz-van Elst. Foto: Christliches Medienmagazin pro
Lächeln dank Luxus: Bischof Tebartz-van Elst.

Seit einigen Wochen beschäftigen sich Medien und Öffentlichkeit mit dem Skandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Die Baukosten der neuen bischöflichen Residenz des Bistums Limburg sorgen für Wirbel in der katholischen Kirche. Offenkundige Maßlosigkeit und realitätsfremde Bauvorhaben prallen gegen das christliche Grundverständnis vieler Bürgerinnen und Bürger. Auch in Bochum sorgt das Verhalten des Bischofs für Kopfschütteln.

Bereits vor dem eigentlichen Skandal um die explodierenden Kosten, die der Neubau der bischöflichen Residenz im Bistum Limburg verursacht hat, sorgte Tebartz-van Elst für Schlagzeilen. 2011 wurde ihm von einigen Priestern ein autoritärer Führungsstil vorgeworfen. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ und andere Medien berichteten über Stimmen aus dem Bistum, die dem Bischof „klerikale Selbstverliebtheit“ vorwarfen. Im Sommer 2013 folgte eine Unterschriftenaktion gegen die Amtsführung des Limburger Bischofs – mehr als 4.000 Menschen unterzeichneten den offenen Brief.

Du sollst nicht lügen…

Strafrechtliche Konsequenzen könnte außerdem das Nachspiel eines Erste-Klasse-Fluges des Bischofs und seines Generalvikars nach Indien im Jahr 2012 haben. Die Indien-Reise der beiden Geistlichen diente dem Besuch der dortigen Slums. Der Limburger Bischof ging unter Abgabe zweier eidesstattlicher Erklärungen gegen das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ vor, das wahrheitsgemäß berichtet hatte, er sei erster Klasse nach Indien geflogen. Der Bischof verneinte dies in den Erklärungen und behauptete, Business-Klasse geflogen zu sein. Später stellte sich heraus, dass Tebartz-van Elst gelogen hatte. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat im September aufgrund dessen einen Strafbefehl gegen den Limburger Bischof beantragt.

Weitaus größere Proteste lösten jedoch die Baukosten der neuen bischöflichen Residenz auf dem Limburger Domberg aus. Von anfangs 5,5 Millionen stiegen die Kosten innerhalb weniger Jahre auf sage und schreibe 31,4 Millionen Euro – eine Summe, die etwa einem Drittel des Vermögens des Bischöflichen Stuhls der Diözese entspricht. Der Hauptgrund für die Zunahme der Baukosten waren dabei die wachsenden Wünsche des Limburger Bischofs bezüglich der Größe und Ausstattung des Baus. Dazu gehörten auch luxuriöse Sonderwünsche wie eine Badewanne für 15.000 Euro und Einbauschränke für 350.000 Euro, zudem maßlose Ausgaben wie das Anlegen eines Gartens für 783.000 Euro, die Gestaltung eines Lichthofs für 2,3 Millionen Euro und der Bau einer Privatkapelle, die samt ihrer Einrichtung etwa drei Millionen Euro gekostet hat.

Um die steigenden Baukosten nicht dem Vatikan melden zu müssen, stückelte der Vermögensverwaltungsrat die Kosten in zehn Einzelprojekte. Nach Angaben des Erzbischofs Robert Zollitsch könne die Summe aufgrund von durch die Baumaßnahmen entstandenen Schäden in der Umgebung sogar noch auf etwa 40 Millionen steigen.

Psalm 51, 3-5?

„Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich rein von meiner Missetat, und reinige mich von meiner Sünde; denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir.“

Gläubige ChristInnen reagieren auf den Skandal von Limburg mit Kopfschütteln, denn mit christlichen Tugenden hat das Verhalten von Tebartz-van Elst nichts mehr gemein. Auch der Kurs des neuen Papstes Franziskus, Bescheidenheit und Demut zu propagieren, dürfte sich nur schwer mit den Machenschaften des Limburger Bischofs vereinbaren lassen. Rasch wurden Rufe laut, den maßlosen Bischof in die Schranken zu weisen. Wohl auch ein Grund, weshalb der Papst ihn schließlich nach Rom bestellte.

Ein weiterer Umstand, der viele Kirchenmitglieder erzürnt, ist die scheinbar mangelnde Einsicht des Bischofs, schwere Fehler begangen zu haben. Einige BürgerInnen im Bistum Limburg reagierten auf diese Ignoranz mit einem Kirchenaustritt. Nach Angaben des Amtsgerichts Wiesbaden traten allein am 14. Oktober 25 ChristInnen aus der Kirche aus – üblich seien in der Regel drei pro Tag.

Der Papst reagierte ‚diplomatisch‘ auf das Fehlverhalten des Bischofs und zog Tebartz-van Elst vorerst aus Limburg ab, für eine Auszeit außerhalb der Diözese. Die Geschäfte übernimmt nun auf unbestimmte Zeit Generalvikar Wolfgang Rösch. Derzeit prüft eine von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Kommission das Ausufern der Baukosten. BeobachterInnen gehen davon aus, dass Papst Franziskus die Ergebnisse der Kommission abwarten und dann erst eine endgültige Entscheidung über die Zukunft von (Noch-)Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst treffen werde.

 

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Franz-Peter Tebartz-van Elst wurde am 20. November 1959 in Twisteden geboren und wuchs als zweites von fünf Kindern in einer Bauernfamilie auf. Twisteden ist heute ein Ortsteil des niederrheinischen Wallfahrtsortes Kevelaer. Nach seinem Abitur am St. Pius Gymnasium Coesfeld studierte er Philosophie und katholische Theologie an der Westfälischen Wilhelms Universität Münster und der Albert Ludwigs Universität Freiburg. Nach der Priesterweihe, die er 1985 empfangen hatte, wurde er Kaplan am St.-Paulus-Dom Münster. Es folgten eine Promotion (1993) und die Habilitation (1998) an der Universität Münster. 2003 wurde Tebartz-van Elst von Papst Johannes Paul II. zum Titularbischof von Girus Tarasii und zum Weihbischof von Münster ernannt. Die Bischofsweihe empfing er im Januar 2004 durch den Diözesanbischof Reinhard Lettmann.

 

Christian Kriegel und Patrick Henkelmann

 

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