Kriminologie-Professor Thomas Feltes von der RUB befragt BürgerInnen zu ihrer Furcht
Die Angst der BochumerInnen
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Forscht im Dunkelfeld: Kriminologe und RUB-Professor Thomas Feltes. Foto: privat
Forscht im Dunkelfeld: Kriminologe und RUB-Professor Thomas Feltes.

Die Kriminalität steigt und man ist zunehmend dem Risiko ausgesetzt, Opfer einer Straftat zu werden. Doch stimmt das? Mit einer neuen Dunkelfeldstudie wollte RUB-Professor Thomas Feltes unter anderem herausfinden, wie sehr das persönliche Empfinden der BürgerInnen von den tatsächlichen Gegebenheiten abweicht. Die vorläufigen Ergebnisse seiner Studie stellte der Kriminologe vorletzte Woche der Bochumer Presse vor. Nach 1975, 1986 und 1998 nun also die vierte Befragung. Was hat sich geändert? 

Als Dunkelfeldforschung wird nach herrschender Ansicht die Diskrepanz zwischen offiziell registrierten und tatsächlich begangenen Taten bezeichnet. „Bochum IV“ zeichnet sich zudem durch ein weiteres, interessantes Forschungsfeld aus, denn es geht um Gegensätzliches: Zum einen wird objektiv festgestellt, wie sich die Kriminalität in Bochum entwickelt hat. Dazu wurden die registrierten Straftaten nach Kategorien ausgewertet, mit der PKS (Polizeiliche Kriminalstatistik) verglichen und in Relation zu den errechneten, wohl tatsächlich stattgefundenen Taten gesetzt. Andererseits beleuchtet die Studie die subjektive Seite: wie sicher fühlen sich die BochumerInnen? Gefragt war also nach dem persönlichen Empfinden.

Dunkelfeld

Befragt wurden 3.500 zufällig ausgewählte BürgerInnen, von denen 23 Prozent dem Aufruf folgten. 15 Prozent der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr Opfer einer Straftat geworden zu sein. Hochgerechnet auf die EinwohnerInnen ergibt das rund 69.000 Taten. Ein Blick in die PKS verrät: Zwischen den hochgerechneten und den offiziell ausgewiesenen Straftaten ergibt sich eine Differenz, die sogenannte „Dunkelzifferrelation“. Diese liegt bei 1,8 Prozent. Das heißt: auf eine von der Polizei registrierte Tat kommen 1,8 tatsächlich begangene. 

Abwehrmaßnahmen 

Eine weitere Frage der Forscher zielte auf Vermeidungsverhalten und Abwehrmaßnahmen ab. Dabei kam Bemerkenswertes heraus: Im Vergleich zu 1998 gaben mehr Personen an, sich durch die Vermeidung von Kontakt zu Fremden schützen zu wollen. Die Zahl stieg von 21 auf 27 Prozent. Gleiches gilt auch für aktive Maßnahmen, wie die Anschaffung von Pfefferspray und Elektroschockern sowie den Besuch von Selbstverteidigungskursen. 

Die einzige Kategorie, in der die Zahlen einen Rücklauf aufweisen: das Ausgehverhalten. Gaben 1998 noch etwa 21 Prozent an, aus Angst vor Kriminalität abends zu Hause zu bleiben, verhielten sich 2015 nur noch etwa 17 Prozent entsprechend.

Sicherheitsgefühl sinkt

Gefragt nach einer eigenen Einschätzung, halten es immer mehr BochumerInnen für wahrscheinlich, selbst Opfer einer Straftat zu werden. Auch gehen viele von einer starken Zunahme der Taten aus, was allerdings nicht unbedingt den Ergebnissen der PKS entspricht. 

Die Bilanz der Studie zeigt, dass die zunehmenden Befürchtungen teilweise unbegründet sind. „Generell neigen auch die Bochumer Bürger dazu, das Ausmaß an Kriminalität deutlich zu überschätzen“, so die Verfasser der Studie. Es zeichne sich eine „zunehmende Verunsicherung“ in unserer Gesellschaft ab.  Trotzdem: Nach gesellschaftlichen Problemen  befragt, rangiert Kriminalität auf den hinteren Plätzen, hinter der Angst vor Arbeitslosigkeit oder Klimawandel.

:Katrin Skaznik

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