Endlich mal guter Pop!
Die Affen sind in der Stadt
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Figur LeTrois? Benjamin, Bastian und Benne (v.l.n.r.) sprachen mit uns über die Nichtigkeit eines Bandnamens, Politik und „Bochum Total“. Bild: lor
Figur LeTrois? Benjamin, Bastian und Benne (v.l.n.r.) sprachen mit uns über die Nichtigkeit eines Bandnamens, Politik und „Bochum Total“.

Porträt. Wie es sich anfühlt, seine erste Platte herauszubringen? „Derbe geil!“ Mit „Lemurensöhne“ sagt die Popband Figur Lemur, unter anderem mit dreifacher RUB-Beteiligung, dem derzeit gängigen 08/15-Pop den Kampf an.

Eigentlich ist das ganze Projekt ausgeartet, die Herren sind ein bisschen eskaliert. Ursprünglich hatten sechs Jungs erstmal nur vorgehabt, zwischen den Jahren ein paar Tracks für FreundInnen aufzunehmen. Aufnahmen für eine EP? Eigentlich später geplant. Doch dann stand da ein „krasses Mischpult im Proberaum“, erzählt Benjamin. Und dann kamen Aufnahmen und ein Musikvideo. 

Seit dem 27. Oktober ist die erste EP mit dem einprägsamen Titel „Lemurensöhne“ der Lokalband Figur Lemur draußen. In sechs Songs erzählen die Bochumer von Themen, die sie bewegen. Musikalisch befinden sie sich dabei im Pop, doch vereinen neben cleanem Gesang und Rap auch verschiedene Sounds. Akustik und Elektronik werden zu einem anspruchsvollen Sound verwoben. Oder wie es die Lemurensöhne selbst nennen: guter Pop.  

Lange Metamorphose

Zusammen Musik machen Joscha, Janik, Jonas, Benne, Benjamin und Bastian seit mehreren Jahren. Angefangen hat alles mit Barulheiros. Über 250 Auftritte hatten sie hinter sich, bevor sie entschieden: Nein, das ist musikalisch nicht mehr das, was sie wollen. 

„Irgendwann haben wir auf null gesetzt und jetzt machen wir einfach mal nur die Mukke, auf die wir Bock haben“, erzählt Benjamin, der die Rap-Parts übernimmt. Drummer Benne, der einer von drei RUB-Studis der Band ist, ergänzt: „Das war ein ziemlich langer Prozess. Das hat bestimmt ein Jahr gedauert.“ Sie probierten sich aus – musikalisch, aber auch an den Instrumenten, bis jeder seinen Part gefunden hat. Das Ergebnis: eine Fusion aus elektronischer und akustischer Musik. Das besondere dabei: „Alles, was wir spielen, wird live auf der Bühne gespielt. Auch wenn es ein elektronischer Sound ist, wird der irgendwo produziert“, so Gitarrist und Sänger Bastian. Man wolle kein „Synthesizer-Gefrickel“ auf der Bühne, sondern „Rock-Rotz-Charakter“, wie es Benjamin ausdrückt. Nicht introvertiert für sich spielen, sondern für das Publikum.

Texte ganz unpoppig

Inhaltlich setzen sie sich mit diversen Themen auseinander. So kritisieren sie im Song „Olympia“ Helfende, die beispielsweise nur nach Afrika fahren, um sich zu profilieren: „Gegen die Hilfe ist nichts einzuwenden, aber sich dann als großer weißer Mann, der da ankommt und die armen, schwarzen Kinder rettet, darzustellen, ist eine richtig eklige Selbstdarstellung“, erklärt Bastian. Private und politische Themen halten sich die Waage. Doch dass man als KünstlerIn zu politischen Themen Stellung bezieht, ist für alle selbstverständlich. Es sei eine Frage des Gewissens, denn selbst mit der kleinsten Reichweite sei etwas zu erreichen. 

Wie es ist, nun eine Platte rausgebracht zu haben? „Es fühlt sich an wie eine richtige Band!“, sind sich alle drei einig. Das nächste Ziel? Erstmal die Lieder auf der Bühne antesten. Vielleicht wird es dann nächstes Jahr was mit einem Mittagsslot bei „Bochum Total“. 

Am 8. Dezember findet um 18 Uhr im Knuts Witten der erste Gig von Figur Lemur statt. Wer nicht abwarten kann: „Lemurensöhne“ steht in allen gängigen Streamingdiensten zum Dowload bereit.

 

:Andrea Lorenz