Städtisches Archiv erinnert in einer Ausstellung an Bochumer Gefangene in der NS-Zeit
Dem Tod auf der Spur
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Stellvertreter: Portraits der Männer, die in der Krümmede jahrelang inhaftiert waren. Foto: lor
Stellvertreter: Portraits der Männer, die in der Krümmede jahrelang inhaftiert waren.
Seit dem 17. Juni präsentiert das Bochumer Stadtarchiv eine Ausstellung über die Gefangenen und ZwangsarbeiterInnen des ehemaligen Bochumer Straflagers Krümmede. 60 Lebensläufe standen im Zentrum des Ergebnisses der Recherche von Initiator und Seelsorger Alfons Zimmer. 
 
Dass in Bochum Menschen von den NationalsozialistInnen in Straflagern gezwungen wurden, unter unwürdigen Bedingungen Arbeit zu leisten, ist nicht allen bekannt. In der heutigen Jugendvollzugsanstalt (JVA) Krümmede wurden im Dritten Reich politische GegnerInnen, Kleriker, Sinti und Roma, Homosexuelle sowie AusländerInnen inhaftiert und mussten dort oder in vier weiteren Außenlagern arbeiten. Eine besondere Gruppe bildeten die Nacht-und-Nebel-Gefangenen, Widerständler aus den von Hitler besetzten Ländern Frankreich, Belgien und den Niederlanden. 

Terror in der Nachbarschaft 

Der dunkel eingerichtete Raum wird nur durch einige wenige Lampen beleuchtet, sodass die auf A3 gedruckten Gesichter der überwiegend männlichen Gefangenen heller erscheinen. Darunter: Name und Geschichte der Opfer. Krümmede fungierte damals als Sammellager all jener, die gegen das nationalsozialistische System opponiert haben. Dafür reichte eine Kleinigkeit: Pfarrer Otto Grünnewich aus dem Erzbistum Paderborn geriet 1941 in Haft, weil er sich nicht an die mit der ortsansässigen NSDAP abgesprochenen Route für den Fronleichnahmszug gehalten hatte – statt nur um die Kirche von Salwey zu laufen, ging der Umzug noch 150 m weiter. Er wurde schlussendlich vergast. Marcel Guislain dagegen war französischer Arzt und Informant der Resistance im Raum Roubaix. Er war als Gefangener in Lille, Brüssel und schließlich in Bochum, wo er 1945 befreit wurde. Viele der Männer wurden jedoch ermordet – in Köln oder Dortmund gerieten sie unter die Guillotine. 

Von den Großvätern

Initiator des Erinnerungsprojektes ist der in der JVA tätige Seelsorger Alfons Zimmer, der anhand des Archivmaterials die Schicksale der Gefangenen rekonstruiert und aufbereitet hatte. Besonders Angehörige und indirekt Betroffene der Häftlinge aus der Krümmede zeigen großes Interesse an der Ausstellung. Enkel sind schon gekommen, um zu schauen, ob auch ihre Großväter zu den 60 Beispielschicksalen gehörten, die stellvertretend für alle Bochumer Gefangenen vorgestellt werden und deren Geschichten nun an das Bochumer Tageslicht gelangen. Die Ausstellung läuft noch bis zum Herbst.
:Andrea Lorenz