Erst USA und jetzt Europa: Rotnasige Gestalten treiben ihr Unwesen
Clowns in der Krise
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Da hat er plötzlich Imageprobleme: Pong hat es nicht leicht, Foto: alx
Da hat er plötzlich Imageprobleme: Pong hat es nicht leicht
Diese Clowns sehen schon komisch aus, mit ihren knalligen Vollfarben: Rot, Blau, Grün und Gelb. „Was ist da nur falsch gelaufen“, fragt sich auch Pong, der als arbeitsloser Clown nicht weiß, wohin mit seinen Sorgen. Ohnehin hatte er es immer schwer gehabt, denn als einziger seiner Art sah er das Clowns-Dasein statt in knalligen Farben in Pastelltönen. „Aggressiv bunte Clowns haben keine Zukunft“, sagt Pong immer. Er sollte Recht behalten, zumindest teils: aggressive Clowns werfen ein schlechtes Licht auf die Szene, aber ob das an den knalligen Farben liegt … Kindergeburtstage und Kliniken buchen ihn nicht mehr. Nun füllen Darth Vader und Boba Fett den Platz im Herzen der Kinder aus, den er einmal besetzen durfte. Er sitzt jetzt in schmuddeligen Bars und auf Parkbänken, sinnierend, wartend darauf, dass der Horror-Trend ein Ende nimmt. Er könnte jetzt selbst  gut einen Clown gebrauchen, der ihn aufheitert.
 

Raus aus der Misere

Was soll er nur tun? „Vor zehn Jahren habe ich mein Clownstudium abgeschlossen – es gibt kein Zurück für mich. Spätestens seit meinem Permanentmakeup“, überlegt Pong. Wenn er doch nur Philosophie studiert hätte, dann hätte er jetzt eine Zukunft. Eine traditionelle Umschulung kann er vergessen und eine Laserbehandlung ist auch unbezahlbar, schließlich stottert er noch den Kredit für das Permanentmakeup ab. „Wo kann ich jetzt überhaupt noch unbescholten auftauchen?“ Doch Pong hat eine Idee: er sieht seine Zukunft im Daily-Vlogging.
 „Und zu guter Letzt zieht ihr den Kajal – nachdem ihr das Augenlid runtergezogen habt – über die Kante. Bravo!“, tönt BibisBeautyPalace aus den mickrigen Lautsprechern, während Pong sein eigenes Youtube-Video schneidet. „Ich halt diesen Mist nicht mehr aus!“, sagt Pong verzweifelt zu sich selbst.
 

Zündete Idee

Vlogging ist wohl doch nicht das Richtige. Er will seinem Stand den einst vorhandenen kindlich-albernen Glanz zurückbringen und nicht in den Olymp der Möchtegern-Youtube-Stars aufsteigen. Es ist Zeit, etwas gegen diese Horror-Clowns zu unternehmen. „Was ärgert meine schaurigen Kollegen am meisten?“, überlegt er. Und dann kommt ihm die Idee: „Ich werde eine Undercover-Clown-Wehr gründen und den auflauernden Clowns selbst auflauern, um sie mit blauer Farbe zu übergießen.“ Denn wovor sollten Horror-Clowns mehr Angst haben, als vor dem Nicht-mehr-schrecklich-sein? Und sollten sie dann noch nicht genug haben, fiele die Schuld zumindest nicht mehr auf die Clown-Szene, sondern auf die Blue Man Group.
 
Gastautor :Alexander Schneider