Bundespräsident verleiht deutschen Zukunftspreis
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Foto: Deutscher Zukunftspreis / bildschön
Hört sich gut an: Prof. Kollmeier und sein Team erhalten den deutschen Zukunftspreis. Foto: Deutscher Zukunftspreis / bildschön
Hört sich gut an: Prof. Kollmeier und sein Team erhalten den deutschen Zukunftspreis.

In der vergangenen Woche wurde der deutsche Zukunftspreis, oder auch der Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation, in Berlin verliehen. Der Preis würdigt jedes Jahr herausragende Projekte und Innovationen aus Wissenschaft und Forschung und wird schirmherrisch durch den Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland vergeben. Obgleich der starken Konkurrenz ließ sich für den Zuschauer relativ zügig erahnen, wer den Preis final in den Händen halten würde.

In Anwesenheit zahlreicher Gäste aus Wissenschaft und Wirtschaft wurde am vergangenen Mittwoch die 16. Preisverleihung des deutschen Zukunftspreises in Berlin abgehalten. Der deutsche Zukunftspreis ist mit 250.000 Euro dotiert und unterscheidet sich von anderen Wissenschaftspreisen dadurch, dass er neben der wissenschaftlichen Leistung die Marktfähigkeit von Innovationen und die damit verbundene Schaffung von Arbeitsplätzen bewertet. Maybrit Illner führte durch die Veranstaltung und stellte die vier nominierten Teams vor.

Die Nominierten

Dem ersten Team um  Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. Birger Kollmeier (Institut für Physik und Exzellenzzentrum für Hörforschung, Universität Oldenburg) ist es gelungen, die technologische Basis für neuartige Hörgeräte zu schaffen. Im Rahmen des Projekts „Binaurale Hörgeräte – räumliches Hören für alle“, koppelten die Wissenschaftler zwei Hörgeräte miteinander und stimmten diese entsprechend des individuellen Hörschadens aufeinander ab. Die Abstimmung erfolgt dabei über eine Drahtlosverbindung und ist vergleichbar mit dem Prozess, der im Hirn beim Hören abläuft. Die Technologie ermöglicht es, die Lebens- und Hörqualität von Schwerhörigen zu verbessern und erleichtert es ihnen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Sie soll  zum Standard in Kopfhörer- und Akustiksystemen werden.
Dr.-Ing. Stefan Rüping, Dipl.-Ing. Marcus Janke und Dipl.-Ing. Andreas Wenzel (alle  Infineon Technologies AG, Neubiberg), waren für das Projekt „Integrity Guard – Sicherheit für die vernetzte Welt“ nominiert. Die Ingenieure entwickelten eine neue Sicherheitstechnologie für Kartenchips, die sensible Daten gegen Angriffe schützt. Dabei werden die Daten im Rahmen eines „Vier-Augen-Systems“ auf Fehler oder Manipulationen geprüft. Im direkten Abgleich mit zwei Prüfungseinheiten sollen so schadhafte Eingriffe ermittelt werden. Stellt das System einen Eingriff oder eine Manipulation fest, sperrt es den betroffenen Chip automatisch.
Dem dritten Team um Prof. Dr.-Ing. Thomas Wiegand (Fraunhofer Institut für Nachrichtentechnik - Heinrich Hertz Institut, Technische Universität Berlin) war es im Rahmen des Projektes „Brillante Videos überall – effiziente Codierung mit internationalen Standards“ gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, das Videodaten ohne sichtbaren Qualitätsverlust komprimiert. Die „H264-Technologie“ stellt dabei eine Reihe von Methoden zur Verfügung, welche die Datenrate von Videos reduziert. Eingesetzt werden soll/kann die Technologie bei Kino- und 3D-Filmen, sowie in anderen digitalen Medien – vorrangig im Internet.
Die Ingenieure Prof. Dr.-Ing. habil. Alberto Moreira, Dr.-Ing. Gerhard Krieger und Dr.-Ing. Manfred Zink (alle Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR, Oberpfaffenhofen) waren für ihr Projekt „Radaraugen im All – Revolutionäre Technik für Erde und Umwelt“ nominiert. Das Team entwickelte ein satellitengestütztes Erdbeobachtungssystem, das eine dreißigfach detailliertere Darstellung topographischer (Erd-)Karten ermöglicht. Das System soll Daten sammeln, die dann zur Analyse und Bewertung globaler Probleme, wie dem Klimawandel, der Abholzung der Regenwälder, oder dem Abschmelzen der Polarkappen, verwendet werden können. „Die Vermessung der Erde“ soll in Zukunft in „Echtzeit“ erfolgen. Dann ließen sich (topographische) Veränderungen der Erde in noch kürzeren und regelmäßigen Abständen erfassen. In den kommenden Jahren werden für diese Art der Datengewinnung Umsätze in Milliardenbereichen erwartet – Tendenz steigend.

Die Preisträger

Im direkten Vergleich mit den anderen Teams waren die Forscher des „Instituts für Physik und Exzellenzzentrum für Hörforschung der Universität Oldenburg“ konkurrenzlos – zumindest für die ZuschauerInnen, die spätestens nach der Vorstellung der nominierten Teams erahnen konnten, wer den Preis gewinnen würde. Neben der wirtschaftlichen Profitabilität der Hörgeräte (z.B. in Kopfhörern oder Akustiksystemen), überzeugte der gesellschaftliche und medizinische Nutzen dieses Projekts. Ein Umstand, den auch der Sprecher des Gewinnerteams, Birger Kollmeier, wiederholt betonte. Dass es bei diesem Projekt um mehr als nur wirtschaftliche Interessen geht, erkannte auch die Jury, als sie die Oldenburger Forscher zum Sieger kürte.