Festivalsommerin der Innenstadt: Extreme Bedingungen, gute Stimmung, Bier-Kritik
Bochum: Totale Hitze
Foto: alx
Köpi statt Fiege? Am Arsch! Dieser Susanne-Blech-Fan hat Getränke in die Hose gekippt bekommen und feiert trotzdem weiter. Foto: alx
Köpi statt Fiege? Am Arsch! Dieser Susanne-Blech-Fan hat Getränke in die Hose gekippt bekommen und feiert trotzdem weiter.

Seit 1986 findet jährlich das hiesige Innenstadtfestival „Bochum Total“ statt. Zum dreißigsten Geburtstag wurden bis zu 700.000 BesucherInnen erwartet, doch eingetroffen sind  450.000 – rund 100.000 weniger als im Vorjahr. Die Bedingungen waren hart, nicht nur für die VeranstalterInnen: 40 Grad, Gewitter und Luft zum Zerschneiden. Neben Beiträgen von KünstlerInnen gab es auch Kritik vam Veranstalter.

Die Sonne hing wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der BesucherInnen bei Bochum Total, doch gut, dass Bier oder Wasser überall verfügbar waren. Während das Wasser kostenlos an den Bühnen verteilt wurde, kostete das König-Pilsener 2,50 Euro. Das schmeckte aber nicht allen. So manchem stieß es bitter auf, dass das lokale Fiege-Pils nicht ausgeschenkt wurde. So trugen auch dieses Jahr erneut Fiege-AnhängerInnen T-Shirts mit der Aufschrift „Think global. Drink local. – Heute kein König.“

Mehr als 60 KünstlerInnen

Besser bekamen dem Publikum dafür die über 60 Acts, zu denen – wie für Bochum Total üblich – einige Newcomer gehörten. Auch wenn unabhängig davon viele ZuschauerInnen vom wenig prominenten Line-Up überrascht waren, war dies spätestens dann vergessen, als the The Toasters, Kapelle Petra oder beispielsweise Susanne Blech („Helmut Kohl“) die Bühne in Besitz nahmen: „Ich finanzier mit meiner Niere euer Transplantat, Deine Party kostet viel, doch leider ist kein Tanz am Start, Neben dir im Atelier stehen die Galeristen, Sie verstauen, gegen Geld, Illusionen in Kisten.“

Die Vielseitigkeit des Festivals zeigte sich aber nicht nur bei den MusikerInnen, sondern auch durch andere KünstlerInnen. So gaben an der „Trailer-Wortschatzbühne“ und Sparkassenbühne sowohl regionale Größen als auch bundesweit bekannte Humoristen wie Bestsellerautor Bastian Bielendorfer („Lehrerkind“) oder Friedemann Weise ihre Texte zum Besten: „Keiner, keiner braucht deutsche Songwriter, dafür ist Neil Young nicht gestorben.“

Sound In Silence

Während es tagsüber auch gefühlt leerer war als im Vorjahr, wurde es abends voller. Beliebter Treffpunkt war hier die „Sound In Silence“ Kopfhörerparty, die gute Musik bot, aber ebenso für Lacher prädestiniert ist. Nichts ist schöner als Trauben von Besoffenen zu sehen, die „Wonderwall“ singen, daneben zu stehen und den Anblick zu genießen – ohne das Lied hören zu müssen.

Eine ausgesprochen positive Bilanz zogen Polizei und Feuerwehr. Im Vergleich zu den vorherigen Jahren habe es weniger Einlieferungen ins Krankenhaus gegeben und insgesamt sei die Lage über die Tage ruhiger geworden. Das erhoffen wir uns auch für das kommende Jahr Vom 30. Juni bis zum 3. Juli 2016 findet das nächste Bochum Total statt.

:Alexander Schneider