Foodsharing: Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung
Bis zur Überflüssigkeit
Foto: lor
Rettung geglückt: Die Menge der Lebensmittel, die vor der Tonne bewahrt wurden, variiert von Tag zu Tag.   Foto: lor
Rettung geglückt: Die Menge der Lebensmittel, die vor der Tonne bewahrt wurden, variiert von Tag zu Tag.

Reportage. Im Rahmen der Foodsharing-Bewegung sagen um die 30 Bochumer Aktiven der Lebensmittelverschwendung den Kampf an. Redakteurin Andrea hat sich im Alsenstraßenwohnzimmer umgesehen und mit FoodsharerInnen gesprochen.

Mit Jutebeuteln in der Hand und dem Rucksack auf dem Rücken geht es gegen Abend zusammen mit Georg, Bochumer Foodsharer der ersten Stunde, Richtung City. Unser Ziel: Ein Biosupermarkt. Die Mission: Lebensmittel mitnehmen, die sonst in der Tonne landen, obwohl sie essbar sind. Um diese Uhrzeit ist kaum etwas los in dem Laden. Strahlend werden Georg und ich von den Mitarbeiterinnen begrüßt und schon geht es auch an die Arbeit: Unter anderem Zucchini, Äpfel und Radieschen sind unter den Lebensmitteln, die übriggeblieben sind. Gemeinsam packen wir das bereits sortierte Gut ein und ab geht es zum Alsenstraßenwohnzimmer, wo in „Fair-Teilern“, kleinen Schränken, die Lebensmittel in Körben ausgelegt werden. Es ist ein Spagat. Einerseits freut man sich, etwas vor dem Wegwerfen zu retten und mitzunehmen. Andererseits wurden eben doch wieder Lebensmittel aussortiert. Und wäre es nicht idealerweise besser, wäre Foodsharing obsolet, weil keine Lebensmittelverschwendung am besten wäre?

Heterogene Initiative

Seit 2012 wird Foodsharing deutschlandweit organisiert. Aufmerksam wurde Georg, der Tanz und Bewegung unterrichtet, auf das Phänomen vor drei Jahren über einen Zeitungsartikel. Lebensmittelverschwendung ist ein Thema, was den gebürtigen Aachener schon länger beschäftigt.

Seit der Gründung des Fair-Teilers 2013 in der Bochumer Alsenstraße sind jede Woche Menschen verschiedenen Alters und Backgrounds unterwegs, kooperieren mit Wochen- und Supermärkten und sind auf hiesigen Straßenfesten präsent. Die heterogene Gruppe ist auch das, was Georg an der Initiative schätzt. Obwohl doch größtenteils Studierende auf der Mailing Liste stehen und sich jede Woche eintragen, um beim Abholen zu helfen. Die Flexibilität sei ein Vorteil dieses Ehrenamts, so Janine. Die Umwelttechnikstudentin ist seit zwei Monaten dabei und hat zunächst einmal die Woche umliegende Supermärkte besucht. Das Schöne für sie ist, dass man sich einfach, ohne viel Aufwand, engagieren kann, obwohl sie weiß, dass sie und die anderen FoodsharerInnen „nur einen winzigen Beitrag leisten.“ 

Bewusstsein schaffen 

Neben den Fair-Teilern direkt vor dem Alsenstraßenwohnzimmer bietet die Initiative auch einen Kühlschrank, der zu den Öffnungszeiten des Raumes zugänglich ist. Foodsharing ist aber mehr als sich nur im Mikrokosmos ehrenamtlich zu engagieren. Gemeinsame Plenumstreffen und Kochsonntage, jeweils einmal im Monat, stärken die Gruppe, die auch immer wieder Nachwuchs sucht. Wie Georg es treffend formuliert: „Wenn doppelt so viele Leute helfen, kann doppelt so viel gerettet werden.“ Interessierte können sich auf der Facebook-Seite (tinyurl.com/foodsharingBo) melden oder sich direkt in die Mailing-Liste eintragen lassen (foodsharing-bochum@lists.riseup.net). Gesucht werden nicht nur AbholerInnen. JedeR kann sich engagieren: Ob in der Organisation oder im Texten und Designen von Flyern. 

Was sich Georg und Janine für die Zukunft wünschen? „Dass wir als Foodsharer irgendwann überflüssig werden.“  

         :Andrea Lorenz